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Bandis Koecktail: „Müssen wir eine ganz neue Sprache erfinden?“

von BK
16. Juni 2020
in gsi.kolumne
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Dies fragte Itzhak Stern im Film Schindlers Liste seinen Vorgesetzten Oskar Schindler in Anspielung auf die unzähligen Unwörter der Nazis, zu denen „Endlösung der Judenfrage“, „Sonderbehandlung“ oder „Herrenrasse“ gehörten.

Nein, es steht kein internationaler Holocaust-Gedenktag bevor, aber wir sollten uns immer daran erinnern, was gewisse Begrifflichkeiten und Sprachfloskeln in unserem Denken und Handeln auslösen können.

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Vor fast exakt einem Jahr prägte die sog. „Ibiza-Krise“ unser Land und brachte neue Unwörter wie „Zöpferldiktatur“, „Shredderaffäre“ oder „lückenlose Aufklärung“ hervor. Sätze wie „so sind wir nicht“, „die ist schorf“, „zackzack nach Ibiza“ geistern uns heute noch in den Köpfen herum. Die „Generation Greta“ sprach allfreitaglich bei „Fridays4Future“ von der „Klimakatastrophe“, denn die sog. „Flüchtlingskrise“ und der „Masseneinwnaderung von Wirtschaftsflüchtlingen“ von 2015 war bereits in Vergessenheit geraten und der „Brexit“ zog sich noch hin.

Welche Wörter und Unwörter werden dem Jahr 2020 zugeschrieben werden und in die Geschichtsbücher eingehen?

Das Jahr 2020 wird als „Coronakrise“respektive „Covid-19-Pandemie“ bezeichnet. Das neue Vokabular lautet „heimische Isolation“, „14-tägige Quarantäne“, „Lockdown“, „Mund-Nasen-Schutz“, „Maskenpflicht“ sowie „neue Normalität“. Es ist oft ein wirklich schmaler Grad zwischen positiv oder negativ behaftet, auf dem sich die Begriffe bewegen.

Ein anderes Beispiel: Gerade die Jugendsprache ist gespickt von Vokabular, das sich von jenem der älteren Generation abheben, das auffallen und provozieren soll. Aber nicht nur Jugendliche sondern auch ältere Semester bedienen sich oft einer regelrechten Fäkalsprache, benutzen Wörter die unter der Gürtellinie anzusiedeln sind und die andere Menschen provozieren, beleidigen oder gar verletzen können. Schimpfworte und Kraftausdrücke mögen ihren Zweck erfüllen, werden sie oft unbedacht hinausposaunt, mögen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn x oder y als z betitelt wird, doch sie sind oft niveaulos und völlig deplaziert.

Wir sind das Produkt unseres Denkens und Handelns. Sind unsere Gedanken positiver Natur, so sind wir oft positiv eingestellt und denken auch so. Aus einer Krise wie der jetzigen können wir lernen, denn alles im Leben und auf der Welt hat seine guten und schlechten Seiten.

Ich wünsche Ihnen viele positiven Gedanken und Assoziationen sowie viel Liebe und Kraft, um bewusst im Hier und Jetzt zu leben – und auf Ihre Sprache zu achten!

Tags: Coronakrise
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Kommentare 4

  1. Stefan Meier says:
    6 Jahren her

    Wie wahr – Tolle Gedanken!

  2. Albert Wittwer says:
    6 Jahren her

    Danke für die Heinweise. Die Sprache hat eine Eigenleben. „Vehikel des Denkens“. Üble Sprache kann „toxisch“ sein und zu Übel führen.

    • Cicero says:
      6 Jahren her

      Sprache versucht nur das (oft sehr unzulänglich) zu transportieren, was das Hirn denkt.
      Daher muss man das Denken beeinflussen – aber das geht nicht durch das Bemeckern von einzelnen Vokabeln.

  3. Sepp Gebauer says:
    6 Jahren her

    Ja, es gibt einige Worte, die eine besondere Bedeutung bekommen haben (wie „Endlösung…“, „Konzentrationslager“).
    Aber es wird ungut, wenn man
    a) alltägliche Worte, die der „Grofaz“ oder seine Verbrecher in den Mund genommen haben,
    b) Ableitungen oder Teile solcher Worte (da ist einem Politiker schon die Verwendung des Begriffs „konzentriert“ übel angekreidet worden)
    in den Bann einbezieht.
    Das führt rasch zu der Unsitte, in (politischen) Auseinandersetzungen Äußerungen eines Gegners (denen man inhaltlich nichts entgegensetzen kann) in was völlig Anderes umzuinterpretieren, damit man ordentlich draufhauen kann (einem ist ja der kryptische Hinweis auf die politischen Kniefälle einer Politikerin in einer Weise sexistisch ausgelegt worden, die vor wenigen Jahren noch undenkbar war).
    Also sollte man Sprache und Worte nicht überbewerten – nichts ist besser geworden, seit unsere Kinder nicht mehr „Idiot“ sagen, sondern „Behinderter“

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