Hobbyfotograf, ehemaliger Kommunalpolitiker und bekennender Hinduist aus Nenzing
Zwischen den Gipfeln des Rätikons, dem Gamperdonatal und dem Nenzinger Himmel lebt ein Mann, der sich nie auf eine Rolle festlegen ließ. Michael Benvenuti, 68 Jahre, Werkzeugmacher, dreifacher Familienvater, Kommunalpolitiker a.D. und leidenschaftlicher Fotograf, ist ein Grenzgänger – zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Lokalpolitik und globalem Denken, zwischen christlich geprägter Heimat und hinduistischer Spiritualität.
Sein Lebensmittelpunkt ist Nenzing. Seine geistige Heimat ist weiter gefasst.
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Die Fotografie: Sehen lernen
Zur Fotografie kam Benvenuti früh. Ein Jugendfreund besaß eine Kamera – der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Zunächst waren es Familienbilder, Urlaubsaufnahmen im Nenzinger Himmel, später Landschaften von Skitouren, darunter die Wildspitze oder sogar der Mont Blanc. Die Kamera wurde Begleiter auf Bergtouren, Vereinsveranstaltungen und durch alle Lebensphasen.
Richtig intensiv widmet er sich der Fotografie seit der Pensionierung. Spiegelreflex, Teleobjektiv, Stativ – professionelle Ausrüstung für eine Passion, die weit über ein Hobby hinausgeht.
Sein Schwerpunkt:
- Landschaftsfotografie
- Wildtieraufnahmen (vor allem Hirsche)
- Makrofotografie
- Naturstimmungen im Jahreslauf
Er fotografiert nicht spektakulär, sondern aufmerksam. „Seit ich wieder intensiv fotografiere, sehe ich die kleinsten Blumen“, sagt er. Ein Löwenzahn wird bei ihm zum Kunstwerk, weil er ihn nicht achtlos übergeht.
Neun Auflagen hat sein Kalender mittlerweile erlebt. Rund 150 Exemplare erscheinen jährlich. Ein fester Kundenstamm wartet bereits im Frühjahr auf die neue Ausgabe.
Seine Bilder reisen um die Welt:
- zu Pflegekräften auf die Philippinen
- nach Amerika und Russland
- sogar nach Nigeria, wohin Benvenuti selbst für ein Hilfsprojekt reiste
Dort sahen Menschen durch seine Fotografien zum ersten Mal Schnee.
Der Kalender ist in Nenzing direkt bei ihm erhältlich, in der Trafik oder im Gasthaus Gampadon im Nenzinger Himmel – Orte mit Menschen, die für ihn Handschlagqualität verkörpern.
Konflikt um ein Hirschbild
Ein Bild mit 20 bis 30 Hirschen im Nenzinger Himmel sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Jagd und Agrargemeinschaft befürchteten, das Foto könne Besucher anlocken und Unruhe ins Wild bringen und hängten es ab.
Benvenuti argumentierte aus der Perspektive des Fotografen und Wanderers. Er spricht gern vom „Kuchen und Kuchenstück“: Viele sehen nur einen Ausschnitt – er sieht das Ganze. Juristisch war er im Recht. Am Ende kaufte ein Jäger das Bild – heute hängt es in einer Jagdhütte.
Der Konflikt wurde zu einem Lehrstück über Perspektiven, Verantwortung und Dialog.
Der Werkzeugmacher: Präzision im Tausendstelbereich
45 Jahre arbeitete Benvenuti im Formenbau, unter anderem für international tätige Unternehmen. Er bewegte sich im Toleranzbereich von wenigen Tausendstelmillimetern.
Lego-Spritzgussformen gehörten zu seinen Projekten – mit minimalen Abweichungen von plus/minus drei Tausendstel. Diese Präzision prägte sein Denken. Zwei Hundertstel fühlten sich für ihn wie „ein Berg“ an.
Diese handwerkliche Genauigkeit spiegelt sich heute in seinen Fotografien: Komposition, Licht, Detail – nichts ist zufällig.
25 Jahre Kommunalpolitik
Fast ein Vierteljahrhundert war Benvenuti in der Gemeindepolitik tätig, zunächst in einer großen Partei, später parteilos. 2009 gründete er die Liste „Wir gemeinsam“ und trat bei der Landtagswahl an.
Er erlebte:
- parteiinterne Machtmechanismen
- mediale Ausgrenzung kleiner Gruppierungen
- Loyalitätskonflikte
- Personalnot in Gemeinden
Sein zentrales Prinzip: Handschlagqualität. Nicht über andere schimpfen, sondern selbst vorleben.
Heute betrachtet er Demokratie kritisch. Er hinterfragt Mehrheitsprinzipien und spricht offen über alternative Modelle. Dabei geht es ihm weniger um Ideologie als um Verantwortung, Integrität und geistige Substanz in der Politik.
Der Hinduist
Benvenuti bezeichnet sich als bekennenden Hinduisten. Für ihn ist Spiritualität keine Randnotiz, sondern Grundverständnis.
Er glaubt fest an Reinkarnation. Die Menschheit, sagt er, müsse geistig wachsen. Die Frage nach Gott und Sinn sei zentral – auch wenn sie heute oft belächelt werde. Dass Jesus, der später Christus genannt wurde, über mehrere Jahre in einem Ashram in Indien lernte, ist für ihn logisch nachvollziehbar und erwiesene Tatsache.
Seine Weltsicht ist global. Er denkt nicht nur national, sondern planetarisch. Politik, Gesellschaft, Umwelt – alles ist für ihn Teil eines größeren Zusammenhangs.
Diese Haltung erklärt auch seine Skepsis gegenüber Modernisierung im Nenzinger Himmel: 5G, Kläranlagen, zunehmende Technisierung – für ihn Zeichen einer Entwicklung, die das Ursprüngliche verdrängt.
Der Nenzinger Himmel: Oase und Mahnung
Der Nenzinger Himmel ist sein Kraftort. Dort verbrachte er als junger Familienvater Urlaube, als das Geld für Fernreisen fehlte.
Er vermisst nichts. „Ich hatte nie das Bedürfnis, in die Welt zu reisen“, sagt er. Die Welt liegt für ihn vor der Haustür – im Nebel zwischen Ahornstamm und Fichtenwald, im verwehten Schnee, im Röhren der Hirsche.
Ein Winterbild beschreibt er als sein vielleicht stärkstes Werk:
Ein einzelner Ahorn im Nebel, der Wald im Hintergrund verschwimmt, der Schnee legt sich wie ein Schleier um Stamm und Äste. Eine einmalige Situation, die sich nicht wiederholen lässt.
Für ihn ist das Kunst.

Factbox: Michael Benvenuti
Name: Michael Benvenuti
Geburtsjahr: 1957
Wohnort: Nenzing, Vorarlberg
Beruf: Werkzeugmacher (Formenbau), pensioniert
Familie: dreifacher Familienvater: zwei Töchter und ein Sohn
Fotografie:
- Schwerpunkt: Landschaft, Wildtiere, Makro
- Jahreskalender seit 9 Jahren
- ca. 150 Exemplare pro Auflage
- Motive aus Nenzing, Campadonatal, Nenzinger Himmel
Politik:
- ca. 25 Jahre Gemeindepolitik
- Gründer der Liste „Wir gemeinsam“ (2009)
- heute parteilos
Spiritualität:
- bekennender Hinduist
- glaubt an Reinkarnation
- stark globales Weltbild
Leitmotiv: Handschlagqualität und das große Ganze sehen.












