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Metin Kayar und budo7 – Die Geschichte eines Mannes, der aus Widerständen Stärke formte

von BAKI
7. Juni 2026
in gsi.podcast, Gsiberger
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Metin Kayar, die lebende Legende, in seinem wunderschönen Dojo in Nendeln. Fotos: Bandi R. Koeck

Metin Kayar, die lebende Legende, in seinem wunderschönen Dojo in Nendeln. Fotos: Bandi R. Koeck

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Vom ungeliebten Außenseiter zum Vorbild einer ganzen Generation

Wenn man heute die Räumlichkeiten von budo7 in Nendeln betritt, spürt man sofort, dass dies kein gewöhnlicher Ort ist. Kinder laufen mit leuchtenden Augen durch die Trainingsbereiche, Jugendliche trainieren konzentriert auf den Matten, Erwachsene arbeiten an ihrer Fitness und ihrer inneren Balance. Über allem steht eine Atmosphäre von Respekt, Disziplin und Gemeinschaft.

Den ganzen Podcast auf Spotify anhören!

Gsi.News CR Bandi Koeck (links) durfte beim Großmeister Metin Kayar (rechts) ein Probetraining absolvieren und in die faszinierende Welt von budo7 eintauchen.

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Im Zentrum dieser Welt steht Metin Kayar.

Wer ihm heute begegnet, sieht einen erfolgreichen Unternehmer, einen international anerkannten Kampfkünstler, einen Mentor und Lehrer, einen Familienvater, einen Visionär. Einen Mann, der 16 Weltmeistertitel errungen hat, der weltweit vernetzt ist und dessen Name weit über Liechtenstein hinaus bekannt geworden ist.

Doch kaum jemand würde vermuten, dass hinter diesem Erfolg eine Kindheit voller Unsicherheit, Ausgrenzung und familiärer Belastungen steht.

Die Geschichte von Metin Kayar ist keine gewöhnliche Erfolgsgeschichte.

Sie ist die Geschichte eines Jungen, der denkbar schlechte Voraussetzungen hatte – und dennoch niemals aufgab.

Die Last der Vergangenheit

Um Metin Kayar zu verstehen, muss man bei seinen Eltern beginnen.

Beide kamen aus schwierigen Familienverhältnissen. Sein Vater verlor bereits als kleiner Junge seinen eigenen Vater. Die fehlende Vaterfigur prägte sein gesamtes Leben. Seine Mutter wuchs mit vier Geschwistern auf. Die Familie war arm, der Vater arbeitete zeitweise als Gastarbeiter in Liechtenstein, während die Mutter die Kinder alleine versorgen musste.

Später wechselten sich die Eltern in der Erwerbsarbeit ab. Ein Elternteil arbeitete im Ausland, während der andere die Kinder betreute. Die Familie lebte unter schwierigen Umständen.

Als sich die Wege seiner Eltern kreuzten, trafen zwei Menschen zusammen, die selbst viele ungelöste Belastungen mit sich trugen.

Für die Kinder sollte dies weitreichende Folgen haben.

Jahre später würde Metin Kayar rückblickend sagen, dass seine Eltern seine wichtigsten Lehrer gewesen seien – nicht wegen ihrer Stärken, sondern wegen ihrer Fehler.

Er lernte früh, wie er selbst nie werden wollte.

Ein Baby ohne Heimat

Metin Kayar wurde in Liechtenstein geboren.

Doch bereits 40 Tage nach seiner Geburt wurde er in die Türkei gebracht.

Seine Eltern wollten arbeiten, Geld verdienen und später gemeinsam in die Heimat zurückkehren. Damals war Integration für viele Gastarbeiterfamilien kein Thema. Die Vorstellung war, einige Jahre im Ausland zu arbeiten und anschließend zurückzukehren.

Das Kind wurde deshalb zu Verwandten gegeben.

Für ein Neugeborenes bedeutete dies die erste tiefe Trennung.

Jahre später sollte seine Frau, die Heilpädagogin ist, diese frühe Phase als mögliche Ursache von Bindungsstörungen einordnen.

Damals dachte jedoch niemand darüber nach.

Der kleine Metin wuchs bei seiner Tante am Schwarzen Meer auf. Die Region Karadeniz mit ihren Bergen, den grünen Hängen und dem nahen Meer wurde seine erste Heimat.

Dort entwickelte er Bindungen.

Dort fühlte er sich zuhause.

Dort gehörte er dazu.

Der zweite Bruch

Mit fünf Jahren änderte sich erneut alles.

Seine Eltern holten ihn zurück nach Liechtenstein.

Für viele Kinder wäre dies ein freudiges Wiedersehen gewesen.

Für den kleinen Metin bedeutete es einen weiteren Verlust.

Die Menschen, die ihm vertraut geworden waren, blieben zurück. Die vertraute Umgebung verschwand. Die Sprache verstand er nicht. Die Kultur war fremd.

Er kam in ein Land, in dem er geboren worden war, das sich für ihn jedoch wie ein vollkommen unbekannter Ort anfühlte.

Im Kindergarten wurde schnell deutlich, dass er Schwierigkeiten hatte, sich einzugliedern.

Er sprach kein Deutsch.

Er war kaum sozialisiert.

Er hatte nur wenig Erfahrung im Umgang mit anderen Kindern.

Viele seiner Verhaltensweisen wurden als auffällig wahrgenommen.

Schon früh erhielt er den Stempel des Problemkindes.

Ein Stempel, der ihn viele Jahre begleiten sollte.

Die schwierigen Schuljahre

Die Schulzeit entwickelte sich zu einer der härtesten Phasen seines Lebens.

Nicht nur die sprachlichen Schwierigkeiten belasteten ihn.

Auch die gesellschaftliche Stimmung jener Jahre war für viele Familien mit Migrationshintergrund schwierig.

Die 1990er-Jahre waren geprägt von Spannungen rund um Zuwanderung und Integration. Viele Menschen mit ausländischen Wurzeln fühlten sich nicht willkommen.

Auch die Familie Kayar spürte dies.

Metin wuchs in einem Wohnblock auf, in dem vor allem Gastarbeiterfamilien lebten. Türken, Albaner, Kosovaren und Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien teilten ähnliche Erfahrungen.

Ausgrenzung gehörte zum Alltag.

Der junge Metin fühlte sich oft zwischen allen Stühlen.

Zu Hause herrschten Spannungen.

In der Schule fehlte ihm die Anerkennung.

Unter Gleichaltrigen fand er nur schwer Anschluss.

Besonders schmerzhaft waren Situationen, in denen er öffentlich bloßgestellt wurde. Mobbing, Ausgrenzung und Konflikte begleiteten ihn durch seine Kindheit.

In der fünften Klasse wurde er schliesslich in eine andere Klasse versetzt.

Für viele wäre dies ein endgültiges Scheitern gewesen.

Für ihn wurde es später ein wichtiger Teil seiner Entwicklung.

Denn die Erfahrungen jener Jahre schärften sein Verständnis für Kinder, die heute ähnliche Schwierigkeiten erleben.

Noch heute erkennt er oft innerhalb weniger Minuten jene Kinder, die sich ausgeschlossen fühlen oder mit inneren Konflikten kämpfen.

Weil er selbst einer von ihnen war.

Die Suche nach Zugehörigkeit

Während die Schule ihm kaum Halt geben konnte, fand er einen Ort, an dem plötzlich alles Sinn ergab.

Die Kampfkunst.

Schon als kleiner Junge war er fasziniert von Bruce Lee.

Wenn andere Kinder Superhelden bewunderten, bewunderte Metin Kayar die Disziplin, die Ausstrahlung und die Entschlossenheit des legendären Kampfkünstlers.

Später kamen Jackie Chan und viele weitere Vorbilder hinzu.

Doch die eigentliche Inspiration war sein Vater.

Trotz aller Schwierigkeiten vermittelte dieser seinem Sohn die Liebe zur Kampfkunst.

Gemeinsam trainierten sie.

Gemeinsam dehnten sie sich.

Gemeinsam übten sie Kicks, Fausttechniken und Ringkampfelemente.

Für viele Familien bedeutet Spielen gemeinsame Brettspiele oder Fussball.

Für Metin und seinen Vater bedeutete Spielen oft Kampfkunst.

Was damals als gemeinsame Aktivität begann, entwickelte sich zur Leidenschaft seines Lebens.

Der Weg in die Weltspitze

Als Metin Kayar mit Karate begann, ahnte niemand, wohin ihn dieser Weg führen würde.

Er trainierte mit aussergewöhnlicher Hingabe.

Während andere Jugendliche ihre Freizeit genossen, verbrachte er Stunden in Trainingshallen.

Er trainierte nicht nur körperlich.

Er studierte Bewegungen.

Er analysierte Techniken.

Er beobachtete Weltmeister.

Er suchte ständig nach Verbesserungen.

Schon früh kämpfte er gegen ältere und erfahrenere Gegner.

Diese Erfahrungen machten ihn stärker.

Mit gerade einmal 14 Jahren gewann er seinen ersten Weltmeistertitel.

Ein Moment, der sein Leben verändern sollte.

Doch es blieb nicht bei diesem einen Erfolg.

In den folgenden Jahren sammelte er Titel in verschiedenen Disziplinen und Verbänden.

Am Ende standen 16 Weltmeistertitel.

Eine Leistung, die selbst international aussergewöhnlich ist.

Erfolg durch Opferbereitschaft

Hinter jedem Titel standen unzählige Stunden harter Arbeit.

Nach der Schulzeit absolvierte Metin Kayar eine kaufmännische Ausbildung für Leistungssportler.

Sein Tagesablauf war gnadenlos.

Frühmorgens Zeitungen austragen.

Anschliessend Schule oder Praktikum.

Danach eigenes Training.

Abends Unterricht für seine Schüler.

Wochenenden auf Wettkämpfen.

Kaum Schlaf.

Kaum Freizeit.

Kaum soziale Kontakte.

Viele Menschen sehen heute den Erfolg.

Nur wenige kennen den Preis, der dafür bezahlt werden musste.

Der Traum vom eigenen Dojo

Bereits als 17-Jähriger begann er damit, seine eigene Schule aufzubauen.

Anfangs trainierte er Kinder und Jugendliche in Turnhallen und provisorischen Räumen.

Schritt für Schritt entstanden die ersten Gruppen.

Schritt für Schritt wuchs seine Vision.

Vier Jahre lang arbeitete er an diesem Traum.

Dann war es soweit.

Er eröffnete sein erstes eigenes Dojo.

Es war die Geburtsstunde eines Projekts, das später zu einer der bekanntesten Kampfkunstschulen der Region werden sollte.

Die Entstehung von budo7

budo7 ist weit mehr als ein Trainingszentrum.

Es ist die Verwirklichung einer Philosophie.

Der Name steht für sieben Kampfkünste und gleichzeitig für sieben Lebensprinzipien:

  • Höflichkeit
  • Haltung
  • Achtsamkeit
  • Ausgeglichenheit
  • Lernbereitschaft
  • Timing
  • Präsenz

Diese Werte bilden bis heute das Fundament seiner Arbeit.

Kinder sollen nicht lernen, andere zu besiegen.

Sie sollen lernen, sich selbst zu entwickeln.

Vom Kampfsport zur Lebensschule

Ein entscheidender Wendepunkt ereignete sich während einer Weltmeisterschaft in Kanada.

Dort wurde ihm bewusst, dass sportliche Höchstleistungen vergänglich sind.

Junge Athleten werden älter.

Geschwindigkeit nimmt ab.

Karrieren enden.

Diese Erkenntnis führte ihn tiefer in die Welt der traditionellen Kampfkunst.

Er begann intensiv die philosophischen und kulturellen Wurzeln asiatischer Kampfkünste zu erforschen.

Seine Reisen führten ihn nach Japan, nach Kyoto und Okinawa.

Dort vertiefte er sein Wissen über jahrhundertealte Traditionen.

Aus dieser Verbindung von Wettkampferfahrung, Selbstverteidigung und klassischer Kampfkunst entstand später das Budo-Khan-System.

Anerkennung weit über Liechtenstein hinaus

Heute gilt Metin Kayar als einer der bekanntesten Botschafter der Kampfkunst im Alpenraum.

Seine Projekte führen ihn regelmässig mit Weltmeistern, Grossmeistern und Experten aus unterschiedlichsten Ländern zusammen.

Internationale Film- und Videoprojekte, Seminare und Lehrgänge tragen seinen Namen weit über die Landesgrenzen hinaus.

Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet und gewürdigt.

Besonders bedeutend ist dabei die Anerkennung durch das Fürstenhaus Liechtenstein, das seine Verdienste für den Sport, die Jugendförderung und die positive Repräsentation des Landes würdigte.

Für einen Mann, der einst als Problemkind galt, ist dies eine bemerkenswerte Entwicklung.

Das wahre Vermächtnis

Wer heute mit Eltern spricht, deren Kinder bei budo7 trainieren, hört immer wieder ähnliche Aussagen.

Es geht nicht um Gürtel.

Es geht nicht um Pokale.

Es geht nicht um Titel.

Es geht um Selbstvertrauen.

Um Respekt.

Um Charakter.

Um die Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen.

Vielleicht liegt genau darin die grösste Leistung von Metin Kayar.

Nicht in den 16 Weltmeistertiteln.

Nicht in den Auszeichnungen.

Nicht in den Ehrungen.

Sondern darin, dass er aus den schwierigsten Erfahrungen seines eigenen Lebens etwas geschaffen hat, das heute Tausenden von Menschen hilft.

Aus Schmerz wurde Stärke.

Aus Ausgrenzung wurde Gemeinschaft.

Aus einem Problemkind wurde ein Vorbild.

Und aus einem Traum entstand mit budo7 eine Institution, die weit über die Grenzen Liechtensteins hinaus Wirkung entfaltet.


FACTBOX

Name: Metin Kayar

Geburtsort: Liechtenstein

Herkunft: Türkische Wurzeln

Wohnort: Nendeln, Liechtenstein

Beruf: Kampfkünstler, Unternehmer, Lehrer, Mentor

Organisation: budo7 Liechtenstein

System: Gründer des Budo-Khan-Systems

Weltmeistertitel: 16

Disziplinen:

  • Karate Kumite (6)
  • Kenjutsu (3)
  • Kickboxen (3)
  • Kobudo (2)
  • Karate Kata (2)

Erster Weltmeistertitel: Mit 14 Jahren

Eigene Schule gegründet: Mit 17 Jahren

Philosophie: Kampfkunst als Weg der Persönlichkeitsentwicklung

Kernwerte von budo7:
Höflichkeit – Haltung – Achtsamkeit – Ausgeglichenheit – Lernbereitschaft – Timing – Präsenz

Besondere Schwerpunkte:
Kinderförderung, Jugendentwicklung, traditionelle Kampfkunst, Fitness, Selbstverteidigung, Persönlichkeitsbildung

Motto seines Lebenswegs:
Nicht die Herkunft entscheidet über die Zukunft, sondern die Bereitschaft, niemals aufzugeben.

Tags: FreizeitGsibergerLiechtensteinNendelnPodcastPortraitSportTrendsTürkei
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