Der 6. Dezember ist seit Jahrhunderten ein Tag, an dem sich Kinder und Erwachsene gleichermaßen freuen: der Nikolaustag. Er fällt in eine Zeit des frühen Winters, in der die Tage kurz sind und die Sehnsucht nach Wärme, Licht und Gemeinschaft wächst. Genau in diese Atmosphäre fügt sich die Figur des heiligen Nikolaus ein – ein Mann, dessen Güte und Hilfsbereitschaft bis heute weiterleben.
Die Legende vom heiligen Nikolaus von Myrrha
Nikolaus wurde im 3. Jahrhundert in Patara in Kleinasien geboren und war später Bischof von Myrrha. Schon zu Lebzeiten galt er als großzügiger Wohltäter. Viele Geschichten ranken sich um sein Wirken, aber eine davon ist besonders prägend:
Es wird erzählt, dass in seiner Stadt ein armer Vater lebte, der seine drei Töchter nicht versorgen konnte. In seiner Not sah er keinen anderen Ausweg, als sie in ein Leben der Armut und Ausweglosigkeit zu schicken. Als Nikolaus von dieser Verzweiflung erfuhr, schlich er sich in der Nacht heimlich an das Haus des Mannes und warf einen Beutel mit Gold durch das Fenster. So konnte die älteste Tochter verheiratet werden und erhielt eine Zukunft. In zwei weiteren Nächten tat Nikolaus dasselbe für die anderen Töchter.
Diese Tat machte ihn berühmt: nicht wegen des Goldes, sondern wegen der Art, wie er es schenkte – lautlos, ohne Anerkennung zu erwarten. Ein Sinnbild für echte Nächstenliebe.
Der Nikolaustag heute – Bräuche rund um die Welt
Auch heute ist der 6. Dezember ein Tag des Schenkens, der kleinen Aufmerksamkeiten und der liebevollen Rituale. In vielen Ländern stellen Kinder am Vorabend ihre Stiefel vor die Tür, die am nächsten Morgen mit Nüssen, Mandarinen, Süßigkeiten oder kleinen Geschenken gefüllt sind. In anderen Regionen klopft der Nikolaus persönlich an die Tür, begleitet vom Knecht Ruprecht oder einem Engel.
In den Niederlanden fährt der „Sinterklaas“ auf einem Schiff ein, begleitet von bunt gekleideten Helfern. In Teilen Osteuropas bringt der Nikolaus gemeinsam mit seiner himmlischen Begleitung – oft einem Engel – süße Gaben für die Fleißigen. Selbst in Ländern ohne christliche Tradition hat der Gedanke des freundlichen Schenkers Eingang in winterliche Feste gefunden.
So unterschiedlich die Bräuche auch aussehen: Überall steht die Idee im Mittelpunkt, mit kleinen Gesten Freude zu schenken.
Eine kleine Fabel zum Schluss
Es war einmal ein kleiner Spatz, der sich darüber beklagte, dass er im Winter so wenig Futter fand. Eines Tages sah er unter dem Fenster einer Hütte eine Handvoll Körner liegen. Verwundert schaute er sich um, doch niemand war zu sehen.
Am nächsten Morgen lag wieder eine kleine Gabe da – gerade genug, um seinen Hunger zu stillen. Schließlich entdeckte er den alten Mann, der jeden Abend heimlich hinausging, um die Körner zu streuen.
Der Spatz fragte ihn:
„Warum tust du das? Du bekommst doch nichts davon zurück.“
Der Mann lächelte und sagte:
„Freude ist wie ein Funke. Sie springt auch dann über, wenn derjenige, der sie entzündet, im Dunkeln bleibt.“
Der Spatz zwitscherte dankbar und verbreitete die Geschichte. Bald fingen auch andere Tiere an, einander kleine Geschenke zu hinterlassen – und der Winter wurde ein wenig heller.













