Frei- oder Eintrittstesten im Kulturbereich – Ein Drama in mehreren Akten

Frei- oder Eintrittstesten im Kulturbereich – Ein Drama in mehreren Akten
 

Die IG Kultur Vorarlberg warnt in ihrer heutigen Presseaussendung vor Eingangsbeschränkungen zu Kulturveranstaltungen und der Spaltung der Gesellschaft.

„Was wöchentlich von der Bundesregierung ohne gesetzliche Grundlage angekündigt und dann wieder verworfen wird, nimmt uns zunehmend den Atem. Dabei werden wir noch viel Luft brauchen, um diese Krise zu meistern“, fasst Mirjam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg die Atmosphäre innerhalb der Interessensvertretung zu den mittlerweile als „Eintrittstestungen“ bezeichneten Zugangsbeschränkungen im Kulturbereich zusammen. Die IG Kultur Vorarlberg bestätigt nochmals ein in den vergangenen Monaten vorausschauendes und den gesundheitlichen Verordnungen entsprechend vorbildliches Verhalten im gesamten Kultursektor. Die Umsetzung von Präventionskonzepten, die Ernennung von COVID-19-Beauftragten und das souveräne Abwägen von Kunst- und Kulturverantwortlichen, was wirtschaftlich und dem Kulturauftrag entsprechend ermöglicht werden kann, zeigten die Flexibilität und das Verantwortungsbewusstsein der Veranstaltenden. Entsprechende Publikumszahlen veranschaulichen die Relevanz des Kulturbereichs. „Nur für den Fall, dass noch jemand bezweifeln sollte, wie wichtig dieser Aspekt für unser Leben ist“ betont Steinbock. „Wir gehen auch davon aus, dass der Besuch bei den Vorarlberger Kultureinrichtungen sicherer war als bspw. der Besuch eines Einkaufszentrums oder das Warten an einem Skilift.“

Rechtliche Grundlagen vor Ankündigungen

Dem Kultursektor nun die Rolle einer gesundheitlichen Kontrollinstanz zuschreiben zu wollen würde laut IG Kultur Vorarlberg einerseits den Erfolg auf die Umsetzung vergangener Verordnungen Lügen strafen und andererseits der Wahrnehmung eines Kulturlebens für die gesamte Bevölkerung in ein zu eng geschnürtes Korsett zwängen. „Ausgangsbeschränkungen und das Fehlen von Abendveranstaltungen behindern den Großteil der erwerbstätigen Bevölkerung an der Teilhabe des kulturellen Lebens und dann noch Zugangsbeschränkungen? Woche für Woche wird uns intransparent und häppchenweise medial vorgeworfen, was in den zwei folgenden Wochen möglich sein soll, eine rechtliche Grundlage dazu fehlt jedoch. Veranstaltungen kann man so nicht planen. Selbstverständlich sind Kulturveranstaltende bemüht, dem Publikum einen gesundheitlich sicheren Raum zu bieten, diesen aber in einem durch Zugangsbeschränkungen für ausschließlich negativ Getestete gewährleistet zu sehen, ist Augenwischerei. Und nicht nur darum, weil ein Test nur eine Momentaufnahme sein kann“, beklagt die IG Kultur Vorarlberg. „Und welcher Teil des Publikums will und kann bei diesem Hin und Her eigentlich noch kommen“, fragt sich Steinbock.

Details zur Umsetzung erforderlich

Auch der Nebeneffekt, dass die Bevölkerung über Eintrittstestungen zu Kulturveranstaltungen dazu motiviert werden könnte, den Gesundheitsbehörden relevante Daten zur Pandemiebekämpfung zu liefern, hält die IG Kultur Vorarlberg für einen zweifelhaften Schritt und wehrt sich gegen jede Form von Instrumentalisierung. „Das muss schon allein aus datenschutzrechtlicher Sicht genau überprüft werden, ob und inwiefern Menschen in ihren persönlichen Rechten eingeschränkt sein könnten“, sagt Mirjam Steinbock, die zudem betont, dass zur soliden Beurteilung des Vorhabens von Eintrittstestungen zuerst Details zur Umsetzung notwendig seien.

Spaltungen befürchet

Laut der Vorarlberger Interessensvertretung für autonome Kulturveranstalter sieht ein Verständnis für eine vielfältige, diverse Gesellschaft und der entsprechende Umgang damit auch anders aus. „Wir arbeiten ja per se mit Meinungsvielfalt, diversen Ausdrucksmöglichkeiten, Diskussion und auch Reibung. Diese Aspekte können wir dem Publikum aktuell kaum bieten, das macht aber sonst auch niemand und es fehlt schmerzlich. Die Unterteilung von getestet und nicht getestet, krank und gesund oder geimpft und nicht geimpft mag epidemiologisch gesehen unerlässlich sein, für die kulturelle Praxis und ein gesellschaftliches Selbstverständnis kann das jedoch zu Spaltungen führen, die einem souveränen Krisenmanagement und einem demokratiepolitischem Vorgehen widersprechen“, betont Mirjam Steinbock und weist auf die Wichtigkeit Gleichbehandlung, von transparenten Informationen und auf breite, öffentliche Diskurse hin. Mehr denn je plädiert die IG Kultur Vorarlberg dafür, vor allem nachhaltig angesetzte Maßnahmen zu erarbeiten. „Kunst- und Kulturschaffende mit ihrer Erfahrung und Professionalität sollten dringend zu Arbeitsgruppen der Regierungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene eingeladen werden – auch deshalb, um Wege aus dem Prekariat und der Existenzgefährdung heraus zu beschreiben.“ Mit verlängerten Lockdowns seien wiederum die Existenzen vieler Kunst- und Kulturakteur*innen sowie Kultureinrichtungen gefährdet. „Und damit jener, die fortwährend dafür sorgen, dass auch der Erhalt der mentalen Gesundheit der Bevölkerung beachtet wird“, heißt es seitens IG Kultur Vorarlberg.