Reise in die Welt der Trolle, Vulkane und Gletscher: Island im Sommer und Winter

Reise in die Welt der Trolle, Vulkane und Gletscher: Island im Sommer und Winter
Mitten im Filmset von Game of Thrones. © Bandi Koeck 

Unser zweiter Insidergeheimtipp führt uns ganz in den Norden Europas in eine völlig andere Welt, bei der nicht nur Flora und Fauna, sondern besonders die dort lebenden Menschen mit ihrer Kultur beeindrucken. Die Rede ist von Island, das nicht nur im Sommer, sondern gerade im Winter eine Reise wert ist.

Von Belinda und Bandi Koeck

Eines vorweg: Island ist anders. Dies wird bereits beim Anflug auf den internationalen Flughafen in Reykjavik, der Hauptstadt der Insel, klar. Wer zurzeit dorthin reist, finde eine grüne Insel vor, die mit ihrer Vegetation etwa an Irland erinnert. Während der Winterzeit ist dann alles anders: Die Insel ist weiß und von Schnee und Eis bedeckt.

Warum ausgerechnet Island?

Island hat ungefähr so viele Einwohner wie Vorarlberg. Die Menschen dort sind freundlich, gebildet, hilfsbereit. Unsere Hochzeitsreise führte uns im Juli per Kreuzfahrtschiff nach Island. Damals verbrachten wir drei wunderschöne Tage auf der Insel. In Reykjavik besuchten wir die Blaue Lagune (siehe Bilder unten) und fuhren den „Golden Circle“ ab, der viele Sehenswürdigkeiten für die benötigte Zeit eines Tages bereit hält. Isafjordur war der nächste Halt und dann in Myvatn/Akureyri mit dem eindrücklichen See und dem Godafoss-Wasserfall. Für die nur kurze Zeit haben wir unglaublich viel erleben dürfen.

Dieses Jahr im Februar suchten wir nach der perfekten Urlaubsdestination für unsere mittlerweile vierköpfige Familie. Da wir relativ wenig Zeit hatten und ein Langstreckenflug mit zwei Kleinkindern keinen Spaß macht, dachten wir, wenn schon keine Hitze und Sonne, dann mal wieder einen richtigen Winter mit viel Schnee. Außerdem hat man zu dieser Jahreszeit die Chance Polarlichter (Aurora Borealis) zu erspähen. Also packten wir unsere sieben Sachen und fuhren zunächst nach Wien. Dort schloss sich ein befreundetes Paar uns an. Mit der ungarischen Billigairline Wizz ging es in dreieinhalb Stunden von Schwechat nach Reykjavik. Dort angekommen holten wir unsere Allrad-Mietwagen ab. Die Kinder erfreuten sich über den ersten Schnee dieser Saison und tobten herum. Wir deckten uns mit ein paar Lebensmittel im nächstgelegenen Supermarkt ein, um für die Kinder stets Essbares parat zu haben, denn in Island sind die Restaurants rar und zudem sehr sehr teuer. Das Wetter war mystisch, sonnig und kalt. Wir beschlossen uns in der Blauen Lagune (www.bluelagoon.com) zu erholen. Das war bereits das erste Highlight für uns alle.

Erholt machten wir uns Stunden später auf den Weg Richtung Süden. Unsere erste Unterkunft lag direkt beim Skogarfoss (Video und Bild unten), einem majestätisch schönen Wasserfall. Das besondere an den meisten Unterkünften ist, dass man ins Jacuzzi und/oder eine Sauna gehen kann, um sich von einem kalten Tag optimal zu erholen.

Am darauffolgenden Tag ging es nach Víc, wo ein atemberaubend schöner schwarzer Sandstrand (Reynisfjara) wartete, von uns entdeckt zu werden. Die Gischt der hohen Wellen, schneeweiß, umspülte die einzelnen Steine. Lange Eiszapfen hingen von den vulkanischen schwarzen Steinen („Basaltsäulen“ genannt) und zauberten ein ungewohnt schönes Bild, das eine Wohltat fürs Auge war (zweites Video unten) und aufgrund ihrer Einzigartigkeit wohl nie wieder vergessen werden kann. Die Kinder haben dabei die Kälte vergessen und spielten vergnügt mit den langen Eiszapfen. Auf der Autofahrt begegneten uns kaum andere Autos und die ganze Fahrbahnbreite gehörte uns. Ständige Schneeverwehungen und leichte Schneestürme sorgten für kleinere Adrenalinschübe (Video unten) und spornten unsere Neugierde Neues zu entdecken weiter an.

Angekommen an der Gletscherlagune Jökulsarlon beeindruckte uns das arktische blau, das alles andere dahinstellte. Trotz der Hinweistafeln betrat eine größere Menschenmenge die verschiedenen Eisschollen, was zum Einschreiten der Polizei führte und uns eine witzige Szene bot, da einige asiatische Touristen Mühe hatten, wieder herunter zu steigen. Ein echtes Highlight für unsere Kinder war der in der Nähe befindliche „Diamond Beach„, ein schwarzer Sandstrand, an den die Eisblöcke des Gletschers angespült werden und unglaublich tolle Fotomotive bieten (s. Bilder unten).

Wir fuhren weiter bis Hella, wo wir ein wunderschönes zweistöckiges Blockhaus (Bild unten) bezogen. Am Morgen durften die Kinder die Isländerpferde in der näheren Umgebung füttern und streicheln. Diese tollen Tiere trotzen Wind und Wetter. Unsere Tochter durfte später auf einem Gestüt unter professioneller Führung eines erfahrenen Reiters auf einem Isländerpferd reiten. Wir waren beeindruckt, wie gutmütig und folgsam diese Tiere sind, denn sogar eine Katze durfte mit auf den Rücken des Pferdes. Am Nachmittag machten wir Halt beim teilweise gefrorenen Uridafoss. Die Stimmung war unbeschreiblich. In der Nähe befindet sich ein Naturbad namens „The Secret Lagoon“ Gamla Laugin/Fludir (www.secretlagoon.is). 90 – 100 Grad Celsius heißes Wasser aus dem Erdinnern wird in einem natürlichen Pool gefasst. Die heißen Quellen sind eine Wohltat gegen die eisige Kälte.

Unsere Unterkunft „The Frost and Fire Hotel“ (https://www.frostandfire.is/) bot kleine Hot Pots direkt am Fluss sowie eine Sauna, die man frühmorgens bis spätabends nach Belieben nutzen konnte. Nur in Badekleidung in so einem heißen Pot zu sitzen, umgeben von nichts als weißem Schnee und Eis ist ein Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Gulfoss: Ein imposanter Wasserfall, der als größter Wasserfall Europas gilt und uns bereits im Sommer beeindruckte. Es war so kalt und wehte ein derart starker Wind, dass wir kaum den Auslöser der Kameras drücken wollten. Nicht auslassen sollte man die Attraktionen Strokkur und Litli Geysir. Allerdings konnten wir hier im Winter aufgrund der Kälte nicht allzulange auf einen perfekten Ausbruch warten. Es riecht überall nach Schwefel und im Sommer sieht es aus, wie auf dem Mond. Da wir durchgeforen waren, beschlossen wir, uns im Laugarvatn Fontana aufzuwärmen. Neben den Pools mit dem Thermalwasser sowie den finnischen Räucherhütten gibt es Zugang zum Fluss, in dem sich heiße Vulkansteine befinden. Im Winter war ein Bad im Fluss jedoch äußerst erfrischen. Man hat hier auch mehrmals täglich die Möglichkeit, eine Führung mitzumachen, bei der man das typische isländische Roggenbrot (Kuchen), das in einer geothermalen Bäckerei hergestellt wird, selbst zu testen. Das Brot wird 24 Stunden lang gebacken. Diese Führungen finden allerdings nur im Winter und nicht über die Sommermonate statt.

In Reykjavik empfehlen wir den Besuch des Walmuseums (Whales of Iceland), Fly over Island (gleich gegenüber) sowie des PERLAN-Museums (genügend Zeit mitbringen). Die Halgrimskirka (größte Kirche) ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Kulinarisch sollten die typischen Zimtschnecken probiert werden, welche am besten frisch aus dem Ofen in einer der Bäckereien vor Ort gekauft werden können.

Fazit: Island ist im Sommer wie im Winter eine Reise wert. Achtung: Wiederholungsgefahr!

Warum ist Island gerade jetzt während Covid-19-Pandemie ein heißer Tipp?

Covid-19 war auch schon bei unserer Reise im Februar ein Thema in Europa. Zu dieser Zeit gab es die ersten Fälle in Innsbruck. An unserem Abreisetag landete ein Flugzeug, das in München gestartet war und Ischgl-Urlauber an Bord hatte. Fünf dieser Urlauber wurden in Island bei ihrer Ankunft positiv getestet. Zu diesem Zeitpunkt wusste in Österreich noch niemand, dass Ischgl ein Corona-Hotspot ist! Island zog sofort Konsequenzen und warnte vor der Gefahr ausgehend von Ischgl. Da Island ein sehr reiches Land mit sehr guter Gesundheitsvorsorge ist, begannen sie sofort mit zahlreichen wissenschaftlichen Studien. Island wurde quasi von heute auf morgen isoliert. Viele europäische Staaten schauten auf Island, wie sich die Zahlen dort entwickelten. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte gingen die Zahlen sehr rasch wieder nach unten (aktuell gibt es drei Fälle). Bereits Mitte April sanken die Zahlen auf Null bis maximal acht Neuinfizierte pro Tag. Als Tourist hält man sich fast ausschließlich in der freien Natur auf. Man bewegt sich auf dieser Insel meist nur mit dem Mietwagen und begegnet kaum Menschen.

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