Drei Wochen lang wird das Alte Hallenbad im Reichenfeld zur Kinderstadt. Mehr als 30 Stationen, eigene Währung, Arbeitsplätze, Universität, Stadtrat, Zeitung und zahlreiche Exkursionen machen aus „Klein Feldkirch“ ein außergewöhnliches Lern- und Gemeinschaftsprojekt.
Wer das Alte Hallenbad im Reichenfeld betritt, findet für einige Wochen eine Stadt vor, die nach ihren eigenen Regeln funktioniert. Es gibt ein Meldeamt, ein Arbeitsmarktservice, eine Bank, ein Rathaus, ein Gasthaus, eine Universität, ein Stadttheater, eine Zeitung, Werkstätten und sogar eine eigene Währung. Die Bewohner sind Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren.






Klein Feldkirch findet 2026 bereits zum 16. Mal statt. Vom 24. August bis 11. September können rund 250 Kinder täglich von 9 bis 16 Uhr in ihre eigene Stadt eintauchen. Die Stadt Feldkirch beschreibt das Projekt als Möglichkeit, spielerisch zu erfahren, wie vielfältig das Leben in einem Gemeinwesen funktioniert.
Das Konzept ist dabei erstaunlich konsequent. Wer arbeitet, erhält für eine Stunde fünf „Lasuten“. Eine davon wird als Steuer einbehalten. Das verdiente Geld kann in der Kinderstadt ausgegeben oder gespart werden. Wer studiert, erhält ebenfalls ein Stipendium. Die Kinder lernen damit nicht nur verschiedene Berufe kennen, sondern erleben ganz praktisch, was Arbeit, Einkommen, Steuern, Konsum und gemeinschaftliche Verantwortung bedeuten.



Eine Stadt mit echten Aufgaben
Das Zentrum von Klein Feldkirch ist nicht eine einzelne Attraktion, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Stationen.
Im Meldeamt beginnt das Stadtleben, das Arbeitsmarktservice vermittelt Jobs. Bei der Bank wird der Lohn ausbezahlt und können Sparbücher eröffnet werden. Im Rathaus werden Bürgermeister und Stadtrat gewählt, im Bürgerservice können Anliegen eingebracht werden. Das Stadtgericht kümmert sich um Regelverstöße.
Die Universität ist ein besonderer Bestandteil: Hier wird gelernt, vorgetragen und diskutiert. Die Zeitungsredaktion produziert die „KleinFeldkirch Nachrichten“, im Fernsehstudio entstehen Nachrichten und Interviews. Im Stadttheater können die Kinder Schauspiel und Tanz ausprobieren.
Daneben gibt es eine beeindruckende Vielfalt praktischer Stationen: Bäckerei, Musik, Coding, Sport- und Spielstudio, Forschungsinstitut Natur, Zirkus, Bauhof und Müllabfuhr, Apotheke, Friseur- und Kosmetikstudio sowie zahlreiche Werkstätten. Dazu gehören unter anderem Bildhauerei, Kerzenfabrik, Papier- und Buchwerkstatt, Tischlerei, Spenglerei, Filz-, Schmuck-, Woll-, Designer- und Nähwerkstatt.
Damit wird aus dem alten Hallenbad tatsächlich eine kleine Gesellschaft. Die Kinder sind nicht nur Besucher eines Ferienprogramms. Sie übernehmen Rollen, treffen Entscheidungen und erfahren, dass eine Stadt nur funktioniert, wenn viele unterschiedliche Tätigkeiten ineinandergreifen.




Exkursionen öffnen die Stadt nach außen
Besonders gelungen ist das begleitende Exkursions- und Workshopprogramm. Der Blick bleibt nicht auf das Alte Hallenbad beschränkt. Die Kinder lernen Institutionen, Vereine und Einrichtungen kennen, die zum tatsächlichen Leben in Feldkirch gehören.

Der aktuelle Wochenplan vom 31. August bis 4. September zeigt die große Bandbreite:
Montag geht es unter anderem zur Feuerwehr der Stadt Feldkirch. In einem Workshop zur Kunstvermittlung steht außerdem die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur auf dem Programm. Ein weiterer Workshop widmet sich dem Thema „Inklusives Vorarlberg“.
Dienstag führen Exkursionen zum Jugendhaus Graf Hugo und zu den Werkstätten Nofels. Ergänzt wird das Programm durch einen Workshop des Roten Kreuzes.
Mittwoch verbindet die Kinderstadt Kultur, Politik und Soziales: Auf dem Programm stehen ein Workshop von Mensch zuerst in Kooperation mit dem Verein Himmelblau, ein Besuch des Luaga-&-Losna-Theaterfestivals im Reichenfeld, ein Vortrag von Clemens Rauch zu Umwelt und Politik sowie eine Exkursion in die Haus Schillerstraße.

Donnerstag führt die Kinder zur Polizeiinspektion. An der Universität geht es gemeinsam mit der Musikschule um „Auf die Plätze, fertig … Klang!“. Im Stadttheater stehen Wahlen auf dem Programm, anschließend folgt ein Workshop des Samariterbundes.
Freitag schließen Workshops der Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie Exkursionen zum Bauhof/neuen ASZ und in das Probelokal der Stadtmusik die Woche ab.
Gerade diese Verbindung aus Spielstadt und realer Stadt ist pädagogisch interessant. Die Kinder erfahren nicht nur abstrakt, was Feuerwehr, Polizei, Rettungsorganisation, Verwaltung, Musikschule oder Abfallwirtschaft leisten. Sie können die Menschen und Arbeitsplätze dahinter unmittelbar kennenlernen.

Inklusion ist Teil des Konzepts
2026 steht Klein Feldkirch erneut unter dem Schwerpunkt Inklusion. Für Kinder, die aufgrund einer Beeinträchtigung nicht selbstständig am Spiel teilnehmen können, wird zusätzliche Unterstützung organisiert. Damit soll die Kinderstadt tatsächlich eine Stadt für alle Kinder sein.
Der Inklusionsgedanke passt dabei unmittelbar zum Grundprinzip des Projekts: Unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen gehören zu einer funktionierenden Gemeinschaft. Bereits bei der „familieplus“-Zertifizierung der Stadt Feldkirch wurde Klein Feldkirch als inklusives Ferienprogramm ausdrücklich positiv hervorgehoben.
Beeindruckende Organisation
Hinter dem scheinbar spielerischen Betrieb steckt eine erhebliche organisatorische Leistung. Mehr als 30 Stationen müssen eingerichtet, betreut und mit Material versorgt werden. Arbeitsplätze müssen funktionieren, Löhne ausbezahlt, Wahlen organisiert, Workshops vorbereitet und Exkursionen koordiniert werden.
Dass Klein Feldkirch nur alle zwei Jahre stattfindet, hängt auch mit diesem beträchtlichen Aufwand zusammen. Bereits historische Berichte der Stadt zeigen, dass für den Aufbau der Kinderstadt zahlreiche Helfer benötigt werden und innerhalb weniger Tage eine komplette Infrastruktur entstehen muss.
2026 stehen erneut mehr als 30 Helfer hinter dem Projekt. Die Eröffnung wurde am 24. August mit einer symbolischen Schlüsselübergabe gefeiert.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Das Alte Hallenbad, das heute als Kultur- und Veranstaltungsort genutzt wird, wird für drei Wochen zu einer eigenständigen Welt. Ein Ort, an dem Kinder arbeiten, studieren, einkaufen, wählen, diskutieren, produzieren und Verantwortung übernehmen.
Ein Punkt sollte künftig anders gelöst werden
Bei aller Qualität des Projekts gibt es einen Punkt, der bei der nächsten Ausgabe in zwei Jahren kritisch überprüft werden sollte: die Specksteinwerkstatt im Außenzelt.
Wenn für diesen Bereich eine Asbestgefährdung des Umfelds bekannt oder nicht zweifelsfrei ausgeschlossen ist, sollte dort keine staubintensive Arbeit mit Kindern stattfinden. Gerade bei einer Veranstaltung für Sieben- bis Zwölfjährige muss der Gesundheitsschutz absolute Priorität haben. Für die nächste Kinderstadt sollte die Specksteinwerkstatt deshalb ersatzlos entfallen oder an einen nachweislich unbelasteten Standort verlegt werden.
Die Kritik schmälert die Gesamtleistung der Kinderstadt nicht. Im Gegenteil: Ein derart gut organisiertes und pädagogisch wertvolles Projekt sollte auch bei den Sicherheitsstandards kompromisslos sein.
Eine Stadt, die Kindern etwas zutraut
Klein Feldkirch ist mehr als ein Ferienprogramm. Das Projekt nimmt Kinder ernst. Es gibt ihnen Geld in die Hand, lässt sie arbeiten, wählen, entscheiden und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig dürfen sie spielen, gestalten, experimentieren und eigene Ideen entwickeln.
Das vielleicht Wichtigste dabei geschieht nebenbei: Kinder erleben, dass eine Stadt nicht einfach funktioniert, sondern von Menschen gemacht wird. Von Bäckern und Handwerkern, Journalisten und Musikern, Polizisten und Feuerwehrleuten, Politikern und Verwaltungsmitarbeitern – und von Bürgern, die sich einbringen.
Für drei Wochen heißt diese Stadt Klein Feldkirch. Und für ihre jungen Bewohner ist sie ziemlich real.

FACTBOX: Kinderstadt Klein Feldkirch 2026
Name: Kinderstadt „KleinFeldkirch“
Termin: 24. August bis 11. September 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9–16 Uhr
Alter: 7–12 Jahre
Ort: Altes Hallenbad und Reichenfeld, Reichenfeldgasse 10, 6800 Feldkirch
Veranstalter: Amt der Stadt Feldkirch, Jugendservice
Teilnehmer: rund 250 Kinder täglich
Stationen: mehr als 30
Eintritt: 5 Euro pro Tag
Mitspielheft: einmalig 5 Euro
Währung: „Lasuten“
Arbeitslohn: 5 Lasuten pro Arbeitsstunde, davon 1 Lasute Steuer
Schwerpunkt 2026: Inklusion
Stationen: unter anderem Meldeamt, AMS, Bank, Rathaus, Bürgerservice, Gasthaus, Universität, Zeitung, Stadttheater, Forschungsinstitut Natur, Zirkus, Bäckerei, Fernsehen, Musik, Coding, Sport- und Spielstudio, Bauhof, Müllabfuhr, Apotheke, Friseur/Kosmetik und zahlreiche Werkstätten.
Exkursionen und Workshops der Woche 31. August–4. September: Feuerwehr Feldkirch, Jugendhaus Graf Hugo, Werkstätten Nofels, Luaga & Losna, Haus Schillerstraße, Polizeiinspektion, Bauhof/neues ASZ, Probelokal Stadtmusik sowie Workshops mit Inklusives Vorarlberg, Kunstvermittlung, Rotes Kreuz, Mensch zuerst/Himmelblau, Musikschule, Samariterbund und Kinder- und Jugendanwaltschaft.









