Für sein jahrzehntelanges Engagement in der historischen Forschung, der politischen Bildung und der Aufarbeitung der NS-Geschichte wurde Werner Bundschuh, langjähriger Obmann und heutiger Ehrenobmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft (JAMG), kürzlich von Landeshauptmann Markus Wallner mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet.
Werner Bundschuh hat als Historiker, Pädagoge, Autor und langjähriger Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in Vorarlberg nachhaltig geprägt. Seine Arbeit in Forschung, Vermittlung und Gedenkkultur – unter anderem bei erinnern.at und am Zentrum für Fernstudien in Bregenz – leistet einen wichtigen Beitrag zum historischen Bewusstsein und zur demokratischen Bildung. So würdigte die Vorarlberger Landesregierung seine Verdienste in ihrer Mitteilung.
Berufliche Stationen und wissenschaftliche Arbeit
Werner Bundschuh, Jahrgang 1951, studierte in Innsbruck Deutsch und Geschichte. Von 1975 bis 2011 unterrichtete er am BG Dornbirn-Realschulstraße Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung sowie Deutsch. Während seiner Lehrtätigkeit schloss er sein Doktoratsstudium mit der Arbeit „Heimatgeschichte als Ideologie. Studie zur Darstellung der Geschichte Dornbirns 1850–1950“ (1988) ab. Zudem absolvierte er den Universitätslehrgang Politische Bildung, den er 2022 mit dem MAS abschloss.
Von 1983 bis 1987 vertrat er die VLI (Vorarlberger Lehrerinitiative) im Fachausschuss (AHS). Über Jahrzehnte engagierte er sich im Bodensee-DidaktikerInnen-Kreis. Seit 1983 unterrichtet er am Eurostudienzentrum beziehungsweise Zentrum für Fernstudien der Johannes Kepler Universität Linz in Bregenz. Auch die Lehrtätigkeit an der Gewerkschaftsschule ist ihm bis heute ein wichtiges Anliegen.
1987 veröffentlichte er gemeinsam mit Harald Walser, dem damaligen Obmann der JAMG, den Band „Dornbirner-Statt-Geschichten“, der die Forschungen zur Dornbirner Zeitgeschichte wesentlich voranbrachte. 1990 folgte sein Buch „Bestandsaufnahme: Heimat Dornbirn 1850–1950“. 1991 übernahm Bundschuh den Vorsitz der Johann-August-Malin-Gesellschaft, den er mehr als drei Jahrzehnte lang bis 2022 innehatte. Bei seiner Verabschiedung wurde er zum Ehrenobmann des Vereins ernannt.
Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen unter anderem die Migrations- und Gewerkschaftsgeschichte, häufig in Zusammenarbeit mit Kurt Greussing, Reinhard Mittersteiner und Werner Dreier. Gemeinsam mit Margarethe Ruff beschäftigte er sich mit der NS-Zwangsarbeit, insbesondere auf den Baustellen der Illwerke. Auf Grundlage seines Forschungsberichts wurde 2025 unter anderem in Fußach eine Gedenkstele zur Erinnerung an die Opfer der dortigen NS-Zwangsarbeit errichtet.
Bereits 1995 verfasste Bundschuh eine Studie zu Schlins. Sie leistete einen wichtigen Beitrag zu einer neuen Form der Ortsgeschichtsschreibung, die auch in den Arbeiten von Harald Walser zu Altach und Mäder ihren Niederschlag fand. Sein 2004 erschienener Band „Vom Wandern und vom Ankommen. Biografische Reportagen aus Vorarlberger Dörfern – Altach, Tosters, Mäder“ (Studien zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Band 16, Bregenz 2004) dokumentiert diesen erweiterten Blick auf Heimatgeschichte.
Im Mittelpunkt: Die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte
Neben seiner Lehrtätigkeit war Werner Bundschuh von 2009 bis 2016 sieben Jahre lang für erinnern.at in Bregenz tätig. Gemeinsam mit dem Gründungsgeschäftsführer Werner Dreier und Maria Ecker-Angerer konzipierte er unter anderem die Wanderausstellung „darüber sprechen“, die bis heute an österreichischen Schulen gezeigt wird.
Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit. Sein besonderes Augenmerk galt dabei stets den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Auch das 2015 errichtete Widerstandsdenkmal in Bregenz geht wesentlich auf seine Initiative und sein Engagement für ein Denkmal für Deserteure zurück.
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Johann-August-Malin-Gesellschaft im Jahr 2022 gab Bundschuh den Band „Menschenverächter. Vorarlberger als Akteure bei Entrechtung und Vernichtung im Nationalsozialismus“ heraus. Gemeinsam mit Werner Dreier, Gernot Kiermayr, Meinrad Pichler und Harald Walser dokumentierte er darin Biografien von NS-Tätern aus Vorarlberg – von Schreibtischtätern bis zu Angehörigen der SS. Auch zum im Oktober 2026 erschienenen Band von Harald Walser und Michael Beyrer „Mitläufer, Täter, Opfer. Vorarlbergs Exekutive und der Nationalsozialismus“ steuerte er zwei Beiträge bei.
Anerkennung für jahrzehntelanges Engagement
Am 26. Oktober 2026 verlieh Landeshauptmann Markus Wallner Werner Bundschuh das „Große Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg“. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft gratuliert ihrem Ehrenobmann sehr herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung und bedankt sich für seine jahrzehntelange, kontinuierliche und unermüdliche Arbeit sowie für seine Unterstützung und sein Engagement für die Ziele und Anliegen der Gesellschaft.












