Auch im Arbeiten kann man „Den Sinn im Leben finden“. (Viktor Frankl)
„Österreich hat die Schallmauer durchbrochen. Die Summe der Pensionisten, der öffentlich Bediensteten und der Sozialleistungsbezieher ist inzwischen größer als die Zahl jener, die in der Privatwirtschaft arbeiten und alle anderen mit ihren Steuern und Abgaben finanzieren müssen…. Wenn eine wachsende Mehrheit der Wählerschaft von dem lebt, was eine immer kleinere Minderheit erwirtschaftet, dann ist das ein Problem.“ Agenda Austria: newsletter@agenda-austria.at
Von Dr. Albert Wittwer
Werte Agenda: hier kommt etwas Nachhilfe in Volkswirtschaftslehre:
Ist es zutreffend, dass die Angestellten der Privatwirtschaft und die Unternehmer „alle anderen mit ihren Steuern und Abgaben finanzieren“?
Die Kinder der Angestellten und der Unternehmer besuchen nicht die öffentlichen Kindergärten, Schulen oder Universitäten? Wird jemand von ihnen krank, besucht er nur private Wahlärzte? Keinesfalls baden sie am öffentlichen Donaukanal oder gehen im Türkenschanzpark gratis spazieren. Gemeindestrassen sind teuer und nutzlos. Wenigstens kostet die Benützung des Arlbergtunnels eine Zusatzmaut, wenn auch nicht die durch Pfänder und Schattenburg.
Kleine Erinnerung: Die „Bürokraten“ in den Gemeinden, Land und Bund bauen und verwalten die Schulen, erteilen Musikunterricht, legen außerdem Abwasserkanäle und reinigen es, bauen Quellfassungen in den Bergen und Wasserleitungen und vergeuden sauberes Trinkwasser in öffentlichen, historischen Brunnen. Sinnloserweise kümmern sie sich um das oft noch erhaltene, denkmalgeschützte Ortsbild. Gut, das kann man wenigstens touristisch vermarkten *) Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sei noch erwähnt: Rettungswesen, Feuerwehr, öffentliche Krankenanstalten, der öffentliche Rundfunk, damit wir nicht in Werbung ersticken. Und nicht vergessen die zu Recht hoch geachtete Polizei und Justiz. Sonst würden die Reicheren sowieso mit uns Ärmeren Schlitten fahren. Das nützt auch den und schützt sogar die ATX-Unternehmen.
Zum einen werden die in einer Volkswirtschaft hergestellten, verfügbaren Waren und Dienstleistungen tatsächlich zunehmend von öffentlichen Rechtsträgern bereitgestellt, teilweise allerdings gegen Gebühren, oft aus Steuern. Die allerdings auch die öffentlich Bediensteten selbst und sogar die Pensionisten beisteuern.
Zum anderen ein Blick auf die Rentner. Die Pensionistinnen Österreichs leisten außerdem, nach einer aktuellen Studie des ÖGB, jährlich 202 Millionen Stunden Carearbeit besonders für ihre Enkel, entlasten damit die Eltern und erleichtern bzw. ermöglichen oft deren Berufstätigkeit.
Byung-Chul Han sieht im Leistungszwang eine Gefahr: „Das leistungsaffine Ich produziert nicht bloß ein Objekt, sondern produziert sich, verausgabt sich. … Es beutet sich freiwillig und leidenschaftlich aus, bis es zusammenbricht. Sein Scheitern heißt Depression oder Burnout.“ **)
Vor Jahrzehnten entwickelte der Österreicher Viktor Frankl die Existenzanalyse. Ihr Ziel ist, „Menschen zu einem freien Erleben, authentischen Stellungnahmen und einem eigenverantwortlichen Leben zu verhelfen“, wodurch sie ihr Leben als sinnvoll erfahren. Das können wir auch in der Privatwirtschaft, den Verwaltungen und selbst noch in der Pension.
Anmerkungen:
Die Agenda Austria ist eine privat finanzierte, wirtschaftsliberale Denkfabrik, sh homepage: www.agenda-austria.at
*) Nächtigungrekord im Tourismus 2026 im Vergleich zu allen Vorjahren, sh. Statistik Austria,
ATX-Unternehmen: Der ATX der Wiener Börse weist die Aktien-Performance der größten österr. Gesellschaften aus.
**) Byung-Chul Han: Vom Verschwinden der Rituale, Ullstein 2025, S. 22












