Was als Traum eines elfjährigen Schülers begann, wurde zu einer der ungewöhnlichsten Pionierleistungen der modernen Elektromobilität: Louis Palmer wollte schon als Kind einmal mit einem Auto um die Welt fahren – allerdings nicht auf Kosten der Schönheit unseres Planeten. 2007 setzte er diesen Traum in die Tat um. Mit seinem selbst entwickelten Solartaxi umrundete er als erster Mensch die Erde mit einem solarbetriebenen Fahrzeug. 54.000 Kilometer in 18 Monaten wurden dabei zu einem eindrucksvollen Beweis dafür, dass Mobilität auch ohne fossile Brennstoffe möglich ist.
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Louis Palmer wurde am 12. Dezember 1971 geboren und lebt heute in Luzern. Die ungewöhnlich genaue Geburtszeit – 6.12 Uhr morgens – nennt er im Gespräch selbst. Sein beruflicher Ausgangspunkt war nicht die Technik, sondern die Pädagogik: Palmer war Lehrer. Seine eigentliche Stärke sollte sich später genau dort zeigen, wo Technik allein nicht genügt – beim Erklären, Vermitteln und Begeistern.
Der Traum beginnt in der fünften Klasse
1982, Palmer war elf Jahre alt, stellte sein Lehrer der Klasse eine scheinbar einfache Frage: Was wollt ihr später einmal machen?
Palmer wusste es sofort: eine Weltreise. Mit einem Auto wollte er die Erde umrunden.
Doch im gleichen Unterricht wurde über Umweltverschmutzung und den beginnenden Klimawandel gesprochen. Benzin verursachte Abgase, Abgase schädigten das Klima – und Palmer wollte die Schönheit der Welt sehen, nicht zerstören.
Damit war die entscheidende Idee geboren: Wenn er einmal um die Welt fahren würde, dann mit einem Solarauto.
Jahrzehnte später sollte aus dieser kindlichen Vorstellung Realität werden.
„Ich hatte 4.000 Franken – gebraucht hätte ich vier Millionen“
Als Palmer Anfang der 2000er Jahre ernsthaft begann, sein Projekt umzusetzen, hatte er weder das technische Studium noch das notwendige Kapital. Er selbst beschreibt die Ausgangslage mit einer fast absurden Rechnung: Für sein Projekt wären rund vier Millionen Franken notwendig gewesen. Auf seinem Konto lagen damals gerade einmal 4.000 Franken.
Aufgeben kam trotzdem nicht infrage.
Palmer begann, Unterstützer zu suchen. Er schrieb 431 Briefe an mögliche Sponsoren. Zunächst ohne Erfolg. Kurz vor dem geplanten Start schickte er noch elf Briefe nach Deutschland. Einer davon führte schließlich zum entscheidenden Durchbruch: Ein Sponsor stellte das benötigte Geld zur Verfügung.
Das Solartaxi konnte gebaut werden.
Die technische Umsetzung entstand mit Unterstützung von Partnern aus der Schweizer Hochschul- und Technikwelt. Entscheidend war dabei jedoch nicht nur Technik, sondern ein Prinzip, das Palmer bis heute begleitet: nicht aufgeben, um Hilfe bitten und kreativ bleiben.



54.000 Kilometer mit der Sonne
2007 begann die Weltreise. 18 Monate lang fuhr Palmer mit dem Solartaxi rund um die Erde. Insgesamt legte er rund 54.000 Kilometer zurück. Damit gelang ihm die erste Weltumrundung mit einem solarbetriebenen Fahrzeug.
Das Solartaxi war dabei weit mehr als ein Fahrzeug. Es war ein fahrendes Argument.
Palmer wollte zeigen, dass Solarenergie und Elektromobilität keine abstrakten Zukunftsvisionen sein mussten. Man konnte tatsächlich einsteigen, losfahren und mit elektrischer Energie große Entfernungen zurücklegen.
Das Projekt wurde international wahrgenommen. Die Reise erreichte Menschen in zahlreichen Ländern; Schweizer Botschaften unterstützten Veranstaltungen, Medien berichteten, und Palmer wurde in vielen Ländern zu Interviews und Präsentationen eingeladen. Nach Angaben von SolarButterfly erreichte seine Botschaft während der damaligen Weltreise rund 770 Millionen Menschen.
Auch die Vereinten Nationen dokumentierten das Solartaxi bereits während der Reise. Bei der UN-Klimakonferenz 2007 auf Bali wurde das Fahrzeug als solarbetriebenes Taxi eingesetzt.
Bemerkenswert ist dabei eine kleine Episode: Palmer wollte tatsächlich ausschließlich mit Sonnenenergie fahren. Doch eine Weltreise lässt sich schlecht nach dem Wetterbericht eines Fernsehsenders planen. Für rund 150 Pressekonferenzen musste er pünktlich erscheinen. Deshalb entwickelte er ein System, bei dem anderswo eingespeister Solarstrom seine Stromentnahme unterwegs ausglich. So konnte er seine Termine einhalten, ohne das Grundprinzip des Projekts aufzugeben.

Vom Solartaxi zum SolarButterfly
Nach der Weltreise wurde Palmer zum gefragten Vortragenden. Er organisierte zudem über viele Jahre die WAVE, eine internationale Rallye für Elektrofahrzeuge, bei der zeitweise bis zu 120 Fahrzeuge teilnahmen. Schulen, Universitäten, Unternehmen und Gemeinden wurden besucht, um Elektromobilität praktisch erlebbar zu machen.
Doch Palmer dachte bereits weiter.
Wenn Elektromobilität irgendwann selbstverständlich wird, reicht es nicht, nur über Elektroautos zu sprechen. Der Klimawandel betrifft Energieversorgung, Gebäude, Ernährung, Industrie, Konsum, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und viele weitere Bereiche.
2022 begann deshalb das nächste große Kapitel: der SolarButterfly.
Der SolarButterfly ist ein ungewöhnliches Fahrzeug: ein solarbetriebener Anhänger, der von einem Elektroauto gezogen wird. Werden die seitlichen Solarmodule ausgeklappt, erinnert das Fahrzeug an einen riesigen Schmetterling. Die Solarflächen erzeugen Strom für das Fahrzeug und ermöglichen – abhängig von den Bedingungen – eine Tagesleistung von bis zu rund 220 Kilometern.
Technisch ist der SolarButterfly zugleich ein kleines mobiles Haus: Küche, Dusche, Toilette, Schlafplätze, Wasserversorgung und Energiespeicher sind integriert. Das Fahrzeug ist rund zehn Meter lang, mit Zugfahrzeug etwa 16 Meter, besitzt eine Spannweite von 6,6 Metern und verfügt über rund 40 Quadratmeter fest installierte sowie weitere 40 Quadratmeter externe Solarmodule. Die Solarproduktion kann bis zu 120 Kilowattstunden pro Tag erreichen.
Vier Jahre, sechs Kontinente, 90 Länder
Von 2022 bis 2025 war der SolarButterfly auf einer Weltreise unterwegs. Die offizielle Route führte über sechs Kontinente und 90 Länder. Startpunkt war am 23. Mai 2022 bei den Vereinten Nationen in Genf. Ziel der Reise war die UN-Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém.
Dabei ging es diesmal nicht primär darum, eine technische Rekordfahrt zu absolvieren.
Der SolarButterfly wurde zu einem rollenden Labor, einer Ausstellung und einem Kommunikationsprojekt.
Das Team suchte weltweit nach Menschen, Unternehmen und Erfindern, die konkrete Lösungen für die Klimakrise entwickeln. Im Gespräch berichtet Palmer von mehr als 200 besuchten Erfindern in 47 Ländern; die offizielle Projektbeschreibung spricht von einer Suche nach rund 1.000 praktischen Klimalösungen.
Damit veränderte sich auch die Botschaft.
Beim Solartaxi lautete sie im Kern: Seht her, Solarenergie und Elektromobilität funktionieren.
Beim SolarButterfly lautet sie: Die Lösungen für die Klimakrise existieren bereits – wir müssen sie finden, bekannt machen und umsetzen.
Der vielleicht wichtigste Motor sitzt nicht im Fahrzeug
Besonders interessant ist deshalb, dass Palmer heute wieder dort anknüpft, wo seine Geschichte begann: bei Kindern und Jugendlichen.
Der SolarButterfly ist inzwischen zu einem mobilen Klima-Lösungsmuseum umgebaut worden und wird für Bildungsarbeit eingesetzt. Das Projekt besucht Schulen und verbindet dabei Technik, Klimawissen, Nachhaltigkeit und persönliche Handlungsmöglichkeiten.
Palmer erzählt den Schülern nicht nur von Solarpaneelen und Elektroautos. Er erzählt von einem elfjährigen Jungen, der einen Traum hatte – und davon, was passiert, wenn man einen Traum nicht als unrealistisch ablegt.
Seine Botschaft ist dabei bemerkenswert einfach: Nicht aufgeben. Hilfe suchen. Kreativ sein.
Genau darin liegt vielleicht die eigentliche Bedeutung des Solartaxis.
Es war nie nur ein Auto.
Es war ein fahrendes Bildungsprojekt, ein Experiment und ein Symbol dafür, dass technischer Wandel nicht zwangsläufig bei großen Konzernen, Forschungszentren oder Regierungen beginnen muss. Manchmal beginnt er mit einem Gedanken eines Kindes.
Und manchmal braucht es Jahrzehnte, bis dieser Gedanke auf vier Rädern um die Welt fährt.


Zur Person:
Name: Louis Palmer
Geboren: 12. Dezember 1971
Wohnort: Luzern, Schweiz
Beruflicher Hintergrund: Lehrer, Unternehmer, Solar- und Elektromobilitäts-Pionier, Referent
Solartaxi: 2007 – 2008
Leistung Solartaxi: rund 54.000 Kilometer in 18 Monaten
Historische Leistung: Erste Weltumrundung mit einem solarbetriebenen Fahrzeug
Internationale Reichweite: Nach Projektangaben rund 770 Millionen erreichte Menschen während der Solartaxi-Weltreise
Auszeichnungen: Europäischer Solarpreis 2008; UNEP „Champion of the Earth“ 2011
WAVE: Organisator der internationalen Elektroauto-Rallye über viele Jahre
SolarButterfly: Weltreise 2022 – 2025
SolarButterfly Dimension: Nach Projektangaben größtes solarbetriebenes Fahrzeug der Welt
SolarButterfly-Weltreise: 6 Kontinente, 90 Länder, 2022 – 2025
Technische Besonderheit: Solarflächen bis rund 80 m², bis zu 120 kWh Solarstrom pro Tag, bis zu rund 220 km Fahrleistung pro Tag
Bildungsarbeit: Mobile Klima-Ausstellung und Schulprogramm; inzwischen als Klima-Lösungs-Museum weitergeführt
Kontakt: solartaxi@gmail.com
Webseite: solarbutterfly.org










