Yad Vashem, die internationale Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, wird in München ein neues Holocaust-Bildungszentrum errichten – das erste seiner Art außerhalb Israels. Mit diesem bedeutenden Projekt will die Institution ihre internationale Bildungs- und Erinnerungsarbeit massiv ausbauen und zugleich ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus, Geschichtsverfälschung und Holocaust-Leugnung setzen.
Die Entscheidung für München fiel nach einer umfassenden bundesweiten Machbarkeitsstudie, die mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung durchgeführt wurde. Der neue Standort entsteht am Karolinenplatz im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt und soll als bundesweite Plattform für Holocaust-Bildung dienen – mit Strahlkraft weit über Deutschland hinaus.
München wurde laut Yad Vashem aufgrund seiner strategischen Lage, seiner Bildungslandschaft und seiner historischen Bedeutung ausgewählt. Die Stadt, die einst als Geburtsstätte der NSDAP galt, stehe symbolisch für die Notwendigkeit, sich der Geschichte genau dort zu stellen, wo sie ihren Ursprung nahm.
Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, bezeichnete das Projekt als wichtigen Schritt in einer Zeit, in der Antisemitismus und die Relativierung des Holocaust weltweit zunehmen. Historisch fundierte Holocaust-Bildung sei heute wichtiger denn je, insbesondere da die Generation der Zeitzeugen zunehmend verschwindet. Das neue Zentrum werde den besonderen pädagogischen Ansatz von Yad Vashem nach Deutschland bringen und dazu beitragen, die Wahrheit über den Holocaust auch für kommende Generationen zu bewahren.
Geplant ist außerdem eine Außenstelle in Leipzig. Diese kleinere Einrichtung soll interaktive Lernräume schaffen und Pädagogen in Sachsen sowie in benachbarten Regionen und Ländern unterstützen. Parallel dazu wird die bestehende Bildungspartnerschaft mit Nordrhein-Westfalen weiter ausgebaut. Ziel ist ein bundesweites Kooperationsmodell für Holocaust-Bildung.
Auch die deutsche Politik misst dem Projekt große Bedeutung bei. Bundesbildungsministerin Karin Prien erklärte, dass das Wissen über die Shoah entscheidend sei, um zukünftiges Unrecht zu verhindern. Gerade junge Menschen wüssten heute oft zu wenig über die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus. Das neue Bildungszentrum biete die Chance, innovative Bildungsformate zu entwickeln und die Perspektive der Opfer noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Prien betonte zudem die enge Unterstützung durch Bund und Länder. Erste Pilotprojekte sollen bereits vor der offiziellen Eröffnung gefördert werden, damit das Zentrum möglichst rasch seine Arbeit aufnehmen kann. Besonderen Dank sprach sie den Ministerpräsidenten Markus Söder, Michael Kretschmer und Hendrik Wüst aus, die die Bewerbungen ihrer Bundesländer aktiv unterstützt hatten.
Auch Kai Diekmann, Vorsitzender des Freundeskreises Yad Vashem e.V., sprach von einem historischen Signal. Die Entscheidung für Deutschland als Standort des ersten internationalen Bildungszentrums zeige das tiefe Vertrauen zwischen Yad Vashem und Deutschland und baue auf jahrzehntelanger Zusammenarbeit auf. Er dankte sowohl der früheren Bundesregierung unter Olaf Scholz als auch der aktuellen Bundesregierung unter Friedrich Merz für ihre Unterstützung.
Die Idee für das Bildungszentrum entstand bereits 2023 bei einem Treffen zwischen Dani Dayan und dem damaligen deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz. Seitdem wurde das Projekt auf Bundes- und Landesebene intensiv vorangetrieben.
Nach einer ersten Machbarkeitsstudie hatte Yad Vashem im September 2025 Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen in die engere Auswahl aufgenommen. Es folgten umfangreiche Recherchen, Standortbesichtigungen und Gespräche mit Behörden sowie potenziellen Partnerinstitutionen.
Letztlich sprach eine Reihe von Faktoren für München: die zentrale Lage innerhalb Deutschlands und Europas, die vorhandene Infrastruktur, hohe Sicherheitsstandards, das starke Netzwerk relevanter Institutionen sowie die finanzielle Unterstützung durch die Bayerische Staatsregierung.
Die Eröffnung des Bildungszentrums ist innerhalb der kommenden drei Jahre geplant.
Das neue Zentrum soll die bereits bestehenden Programme von Yad Vashem in Deutschland ergänzen und vertiefen. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte arbeitet bereits heute mit allen 16 deutschen Bundesländern zusammen und hat in den vergangenen Jahren Tausende Pädagogen, Schüler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geschult. Die Unterrichtsmaterialien und Bildungsprogramme von Yad Vashem konzentrieren sich dabei besonders auf die Erfahrungen und Stimmen der jüdischen Opfer des Holocaust.











