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Serie: Frauenleben in Alt-Feldkirchs letztem Jahr – Teil 8: Politikum Kriegerdenkmal

von CAWA
31. Mai 2025
in Vorarlberg
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Gsi.News Chefredakteur Bandi Koeck (links) mit Prof. Gerhard Wanner vor seiner Vorarlbergensien-Bibliothek im Domizil Bazora. Foto: derpodcaster.com

Gsi.News Chefredakteur Bandi Koeck (links) mit Prof. Gerhard Wanner vor seiner Vorarlbergensien-Bibliothek im Domizil Bazora. Foto: derpodcaster.com

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Der renommierte Vorarlberger Historiker und Gründer der Rheticus Gesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Wanner, stellt Gsi.News seine erst Ende 2025 veröffentlichte Publikation zu einem Thema zur Verfügung, welches in der Geschichtsschreibung ein Novum darstellt und seinesgleichen sucht: Das Leben der Frau vor 100 Jahren. Teil 8 widmet sich dem Thema Politikum Kriegerdenkmal.

Von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Wanner

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Politikum Kriegerdenkmal

Ein eigenes und von Kreuzschwestern geführtes Altersheim gab es in Feldkirch erst 1923. Bis dahin fanden alte Bürger allenfalls im städtischen Spital gegen erhebliche Bezahlung eine Unterkunft. Das desolate Stadtspital war ein Altbau aus dem Jahr 1875 an der Eisenbahnlinie und verfügte 1925 über nur 25 Betten. (W 2000, 74-78) Es bot 1924 Anlass für wochenlange Kontroversen innerhalb der Gemeindevertretung und dem sogenannten „Denkmalausschuss“ unter Bürgermeister Anton Gohm. Dieser hatte die Errichtung eines Kriegerdenkmales an der Pfarrkirche in die Wege geleitet. Den Bürgern sollte ein prächtiges Kriegerdenkmal „zur Freude und unseren Nachkommen als leuchtendes Beispiel des Opfersinnes und des Zusammenhaltes auch in schwerer Zeit“ dienen. Er stieß jedoch auf beträchtlichen Widerstand! Eine informelle Opposition in der Gemeindevertretung verband ihre Zustimmung mit dem Bau eines neuen Krankenhauses und einer dringenden Sozialversorgung der Kriegsgeschädigten: „Die erste Pflicht ist und bleibt, das Los der noch lebenden Opfer des Krieges zu erleichtern. (…) Ja, wenn die toten Helden zu uns herabsteigen könnten, würden sie sicherlich erst dafür Sorge tragen, daß erst einmal den armen Kriegswaisen, Kriegerwitwen, Invaliden und Blinden in gebührender Weise der Dank abgestattet werde.“ (FA, 28.5.1924)

Als sich auch die Großdeutschen für das Denkmal aussprachen, gab die Opposition auf. Die Heldenverehrer feierten im Mai 1924 ihren Sieg: „Scheut die Gaben nicht! Unsere Helden haben den Tod auch nicht gescheut. Denkt an Eure Kinder. Sie sollen lernen, denen dankbar zu sein, die der Heimat ihr Leben geopfert haben (…) und an ihnen tagtäglich ein leuchtendes Beispiel edelster Pflichterfüllung und Aufopferung nehmen.“ Die Haussammlung in Feldkirch und Levis übernahmen „Damen des Rotenkreuzes“. Größere Beträge konnten auch „in Raten“ abbezahlt werden. (FA, 28.5.1924)

Zu Feldkirchs „Helden“, die beispielhaft und „siegesfroh den Todesweg betraten“, zählten in Feldkirch (Altstadt mit Levis) 51 Gefallene, 59 Verstorbene und 18 Vermisste. (W 2000, 92)

An die Bürger und Einwohner der Stadt und die Geldsammlerinnen wurden folgende flammende Appelle gerichtet:

„Auf die Herzen. Auf die Hände!

Reichlich fließe edle Spende

Daß das Denkmal sich erhebe

Und den Helden Leben gebe.

An die Tat mit Mut und Kraft!

Nur wer handelt, Großes schafft.“ (FA, 28.5.1924)

Ab Juli 1924 wurden über Wochen im Feldkircher Anzeiger die Spender und Spenderinnen veröffentlicht. Eine entsprechende Spende war Ausdruck des sozialen Status, des Patriotismus und auch der Vermögensverhältnisse. Unter den Hunderten von Geldgebern finden sich nur etwa 10 % Frauen. Es verweist auf ihre geringe Verfügung über finanzielle Mittel aus Lohn und Einkommen. In ihren auf den Listen angeführten unterschiedlichen Nachnamen drückt sich die gesellschaftliche Zugehörigkeit aus. Es wurden mit Anrede drei Kategorien von Spenderinnen unterschieden: „Witwen, Frauen und Fräulein“ und eine Gruppe nur mit Nachnamen. Unter „Frauen“ haben wir wohl verheiratete Bürgerinnen zu verstehen, „Fräulein“ waren unverheiratet und jene ohne Anrede vermutlich in Alt-Feldkirch wohnhafte Zugezogene unterschiedlicher Berufe.

Unter 30 ausgewählten Frauenspersonen spendeten

7 – je 100.000 Kronen

7 –   50.000

1 –   30.000

8 –   20.000

5 –     10.000

2 –   5.000 Kronen

Die höchsten Beträge stammten von Witwen, Gattinnen von Unternehmern und hohen Beamten. Die Geldbeträge, noch in Kronenwährung, scheinen hoch, doch ihre Kaufkraft entsprach der hohen Inflation. Die „Opferbereitschaft“ und Möglichkeiten dieser Frauen kann an folgenden Preisen eingeschätzt werden:

  • Ein Exemplar „Illustrierte Zeitung“: 6.000 Kronen
  • Besuch der städtischen Badeanstalt: 10.000
  • Konzertbesuch-Eintritt: 5.000 – 10.000
  • 1 kg. Kalbfleisch 30.000 (1920: 36 Kronen)
  • 1 kg. Fettkäse: 40.000
  • 1 kg. Butter: 50.000
  • 1 kg. Zucker:  9.000
  • 1 kg. Kartoffel: 1.000
  • 1 kg. Mehl: 8.000
  • 1.40 Lit. Milch: 5.880
  • 1 Kopf Salat 1.000
  • Ein Stück Ei: 1.700 Kronen (FA, 28.5. 1924 / VW, 21.1.1925)

Ein weiteres Politikum, das seit 1920 die Gemüter nicht nur in Feldkirch, sondern in ganz Vorarlberg erregte, war die Abtreibungsfrage, die im § 144 aus dem Jahr 1852 geregelt worden war und zu schweren Kerkerstrafen der Frauen führte. Das Vorarlberger Volksblatt veröffentlichte dazu seitenlange Beiträge, Vorträge wurden abgehalten und es wurden vor allem die Sozialdemokraten angegriffen, weil sie zumindest eine Entschärfung des Gesetzes anstrebten. Zu einer Änderung kam es nicht. Eine sozialistische Aufklärungsveranstaltung endete mit folgenden Worten: Es werde sich auch in Zukunft nichts ändern, „dies so lange, bis alle erkennen, daß es die primitivste Freiheit des Menschen, besonders der Frau ist, Kinder Leben zu geben und über ihren Körper allein zu verfügen. Und die Zeit wird kommen, ist erst die niederträchtige Heuchelei besiegt.“ (VW, 8.11.1924 / Ebenhoch, 110-123)

Tags: Feldkirch 100FrauenGeschichteSerieVorarlberg
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