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Briefe von Gerd: Liebe Schwäche – Lieber Löwenzahn!

von GEEN
4. Februar 2021
in gsi.kolumne
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Wir leben in einer Welt, in der Stärke gefragt ist. Stark wird mit gesund in Verbindung gebracht, stark wird mit mächtig in Verbindung gebracht, stark wir mit erfolgreich in Verbindung gebracht – ABER immer stark sein, DAS braucht Kraft. Reicht diese Kraft ein Leben lang?  Darf man nicht auch mal schwach sein?

Stark zu sein bedeutet starke Muskeln zu haben, um das Leben gut „tragen“ zu können, stark sein bedeutet, nicht zu weinen, auch wenn einem zum Heulen ist.

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Woher kommt das? Was wird uns da eingeredet? Die Wirtschaft braucht starke Mitarbeiter, die Kinder brauchen starke Väter – sogar ein erfolgreicher Mann braucht eine starke Frau im Hintergrund – immer wieder: stark, stark, stark.

Ja keine Schwächen zeigen – sich immer besser darstellen als man ist – vor allem in Vorstellungsgesprächen – nie Schwächen zeigen – BLÖDSINN – ich habe eine andere Erfahrung gemacht: Schwäche zeigen bedeutet menschlich, ehrlich zu sein. Wir sind keine Autos, deren Motoren nach PS unterschieden werden. WIR sind Menschen – und bei Menschen kommt es auf ganz andere Dinge an.

Innere Stärke kommt ganz ohne Muskeln aus – Und wer seine Schwächen nicht zugeben kann, der ist nicht stark, der ist ganz, ganz schwach. Ich mag diese verlogene Welt nicht, ich mag die Welt der Starken nicht – es ist eine Welt der Lügner und der Betrüger. Ich mag Menschen, die über ihre Schwächen reden können, die ihre dunklen Seiten beschreiben können, ohne sich zu schämen. DAS wandelt das Bild dieser Menschen in mir in Stärke um.

WER das noch nicht gleich schafft, der kann anders beginnen – er kann versuchen, seine Schwächen oder die von anderen zu „lieben“ – auch das geht. Versuchts mal..

Schon Jesus Christus sprach: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2.Korinther 12, 9)
Wie wundervoll ist es doch, diese Worte zu verstehen, zu glauben und täglich zu erleben.

UND ich mag Menschen, die trotz der Schwächen von anderen treu bleiben – treu in Freundschaften, treu in Beziehungen, treu in Verantwortungen – DAS geht – und dazu gibt es eine einfache kleine Geschichte: Sie ist gut – und sagt viel – und wer es versteht, der versteht ganz viel vom Leben. Wahre Särke ist es, Schwäche zu zeigen..

„Das Harte und Starre begleitet den Tod. Das Weiche und Schwache begleitet das Leben. “

Laotse, Tao Te King, Zensho W. Kopp (Übers.)

UND noch was: In Zeiten der Schwäche kann etwas ganz Großes, etwas ganz Starkes entstehen.  Die größten Krisen können die Geburtsstunden der größten und besten Veränderungen sein.

„In Zeiten der Schwäche liegt die Chance, stark zu werden.„

Helga Schäferling (*1957), deutsche Sozialpädagogin

Hier die Geschichte:
Ein Mann beschloss, einen Garten anzulegen. Also bereitete er den Boden vor und streute den Samen wunderschöner Blumen aus.
Als die Saat aufging, wuchs auch der Löwenzahn. Da versuchte der Mann mit mancherlei Methoden, des Löwenzahns Herr zu werden. Weil aber nichts half, ging er in die ferne Hauptstadt, um dort den Hofgärtner des Königs zu befragen.
Der weise, alte Gärtner, der schon manchen Park angelegt und allzeit bereitwillig Rat erteilt hatte, gab vielfältig Auskunft, wie der Löwenzahn loszuwerden sei. Aber das hatte der Fragende alles schon selbst probiert.
So saßen die beiden eine Zeitlang schweigend beisammen, bis am Ende der Gärtner den ratlosen Mann schmunzelnd anschaute und sagte: “Wenn denn alles, was ich dir vorgeschlagen habe, nichts genützt hat, dann gibt es nur noch einen Ausweg: Lerne, den Löwenzahn zu lieben.”

So wünsche ich euch allen einen schönen Abend – lebt gut mit euren Schwächen und versucht auch die Schwächen der anderen ein ganz klein wenig zu „lieben“.

Tags: Gerd Ender
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