Susis Gedankenwelt #43: Heiliger Tee

Susis Gedankenwelt #43: Heiliger Tee
 

Heute geht es bei der Susi um Wachsspiele aus längst vergangenen Tagen, welche aufgrund der sicherheitsbetonten LED-Kerzen in den selbstbestalteten Laternen leider nicht mehr möglich sind. Wer kennt diese alte Tradition des Laternenumzugs – oder wie die Schweizer Nachbarn dazu sagen „Räbaliachtli“ – nicht. Alsdann: Kindheitserinnerungen, lasst euch wecken:

„Mama, schau mol was i baschtelt ha:  A Laterne!“

„Wow!“

„Fürn heilga Martin! Woasch, Mama, da gibts an heiliga Martin. Der isch heilig, mit seinem Mantel. Des war an gaaaanz an Heiliger. Und da gibts noch oanen. Der Heilige vo da Tiere. Also haben ma scho zwoa Heilige.“

Ja, genau: Laterne! Laterne! Ich geh mit meiner Lateeeerne! Ich denke, das kennt jeder. Das Schallplattenlied schlechthin. Schon die Ur-Ur-Ur-Oma lief damit als kleines Kind herum. Mit der Laterne. Trillionenfach gesungen. Und die Erwachsenen mit feuchten Augen natürlich überstolz hinten nach.

Sowieso. Weil so ein kleines Kind mit brennender Kerze am Herumschwingen und schiefen Tönen – Eltern am Jubeln und Freuen, tausende Fotos und Videos sowieso. Und das Theaterspiel mit dem roten Reißverschlussmantel. Und der heilige Martin selbst fand das wahrscheinlich eigentlich gar nicht so toll, dass der dann doch wegen diesen vielen Laternen im Gänsestall im Dunklen gefunden wurde. Und die Kinder heutzutage auch nicht mehr, weil natürlich auch die Sicherheitsvorkehrungen etwas strenger geworden sind seit den Ur-Ur-Ur-Omatagen.

Mit den Batteriekerzen ist natürlich so eine Wanderung nur mehr halb so lustig, und die ganzen Wachsspielereien fallen weg (auch für die Eltern…) und die „Woah, verbrenn deine Handschuhe nicht!“-Sätze. Ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, aber so Kerzen in Laternen immer wieder von Neuem anzünden, mit Feuerzeug, da hab ich dann selber auch oft Schiss, weil es doch etwas gefährlich ist. Wie in der Küche. Immer schön mal die Finger verbrennen. Oder kochend heißes Wasser auf Gliedmaßen. Alles möglich. „Kalt kann man halt nicht kochen!“ Ein Hammerspruch von meiner Mutter! Den höre ich immer noch, wenn ich eine zu heiße Suppe oder heiße Gnocchi am Gaumen spüre. Herrlich. Autsch. Aber der heilige Martin lässt nicht auf sich warten, wir starten mit dem Umzug.

Kinder mühevoll mit allen Drum und Dran und Handschuhen angezogen, losmarschiert und das Laternenlied eine halbe Stunde rauf und runter gesungen. Natürlich mit echten Kerzen. Und danach gibt es eine Suppe, eine heilige natürlich. Und Brot. Und heiligen Tee, sowieso.

„Woasch Mama, des is an ganz besonderer Tee. Ein heiliger“

Und sowieso alles heilig. Auch die nassen Socken, weil die Abkürzung durch die Wiese  so schlau war. Auch die sind heilig. Und die volle Windel vom kleinen Zwerg sowieso. Alles heilig! Bis zum Hals hinauf – und das Wachsspiel im Bett auch: bis zum Hals und heilig.

Einen schönen Sonntag vor dem erneutem Lockdown wünscht Euch die Susi!

P.s.: Schöne Grüße nach Klaus!

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