Krieg der Welten – Die Serie

Krieg der Welten – Die Serie
 

Von Thomas Bertram

Muss das sein, darf man sich bestimmt fragen, wenn der Krieg der Welten erneut verfilmt und vermarket wird. 2019 kam die BBC auf den glorreichen Gedanken, einen Dreiteiler aus der Geschichte zu machen und Amazon Prime bietet brandaktuell Teil 1 an. Ich habe ihn angeschaut und meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Positiv: Die Handlung spielt tatsächlich vor dem ersten Weltkrieg im viktorianischen England. Nicht in den USA, wie die erste Verfilmung von 1953, die mit dem Gurkenglas (*) und die zweite von 2015, Stephen Spielberg gab Millionen für tolle visuelle Zerstörungen aus und Tom Cruise als Familienvater kämpft nicht mit den Aliens sondern einzig um das Überleben seiner Kinder.

Negativ: Die Familiengeschichte als Haupthandlungsstrang wird hier extrem überdehnt. Ein verheirateter Journalist aus gutem Haus (Rave Spell als „George“) hat eine unerlaubte Liebesbeziehung mit einer reichen hübschen Erbin (Eleanor Tomlinson als „Amy“. Soweit so gut, aber er übertreibt, denn er steht zu ihr und lebt mit ihr zusammen. Seine Frau (Freya Allan als „Mary“) willigt nicht in die Scheidung ein. Sein älterer Bruder Ogilvy (Robert Carlyle), der ein hohes Tier im Marineministerium ist, will ihn wieder zurück „in der Familie“ haben. Der erste Angriff trennt George und Amy.

Positiv über neutral bis negativ: Die Idee, die Welt nach dem Angriff als zerstört und fast unbewohnbar zu beschreiben, mit Amy als allein erziehende Mutter, ist zumindest bedenkenswert. Allerdings wird so auch einfach nur die Geschichte endlos in die Länge gezogen.

Ganz negativ: George, von Amy getrennt, schlägt sich mit einem überlebenden Soldaten zu der nächsten Armeeeinheit durch, Artilleristen. George wird zwangsrekrutiert, das gab es in England nicht! Es war und ist eine Freiwilligenarmee. Und dann sind es diese Beiden und nur sie, die die einzige Kanone dieser „Artillerie“-Einheit mit jeder Menge Soldaten und sogar einem Maschinengewehr bedienen können/müssen. Also wenn die Handlung schon ungefähr in das Alter des Originalromanes gelegt wird (plus 10/15 Jahre, aber immer noch vor den ersten Weltkrieg), dann bitte mehr historische Genauigkeit.

Da bleibt also nicht viel. Teil 2 werde ich noch eine Chance geben, so er denn auf Prime kommt, aber wenn der nicht wesentlich besser wird, bleibt Teil 3 von mir ungesehen und hier unkommentiert.

PS: (*) „das Gurkenglas“ – ein Insider für Cineasten. Der Regisseur verriet in einem Interview, wie sie das unheimliche Geräusch des sich öffnenden Raumschiffs erzeugt haben: es wurde ein Gurkenglas in einer Kloschüssel aufgedreht und dieser hohle hallende Klang war dann herrlich fies im Film zu hören und ließ schon Böses erahnen.

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