„Mama, schau! A Schneck!“
von Lydia Gaßner
Aja! Begeistert hält mir meine Tochter den halb zerdrückten Salatkopf entgegen. Die äußeren Blätter sind schon braun verfärbt und am Ansatz sitzt ein kleiner spanischer Schneckerich namens Arion Vulgaris. Woher ich das weiß? Natürlich durch KI. Und was KI von sich gibt, muss ja eigentlich stimmen. Und KI fragt mich auch noch, woher der Salat denn kommt. Aus dem Geschäft kann dieser Salatkopf nicht kommen, den dort gibt es nur mehr industriell hergestelltes Irgendwas, was so aussieht, wie es mal früher in Omas Garten ausgesehen hat, aber nur alles gleich groß und farbenfroh. Farbenfroh wie ihre damaligen Tapetenwände. Da hätte sie geschaut, die Oma, wenn sie heute noch leben würde. Alles mittlerweile nur mehr schwarz/weiß und – natürlich der Boden aus Eiche Landhausstil. Die Eiche ist robust, sagt mir KI. Und es fragt mich, ob ich noch mehr über die Pflege von Eichen oder mehr über Salatsorten wissen will.
KI sagt mir jetzt auch, dass der Salat maschinell gewaschen wird, am Fließband. Wie die zick tausend Roboter in China. Haben Sie es auch schon mitbekommen? Terminator und I Robot lassen grüßen. Während sich hier manch einer beim Oktoberfest den mühevoll gegärten Hopfen hinter die Binde kippt und die Spucke über das Kinn rinnt, reiben sich Pinky und Brain irgendwo im Nirgendwo die Hände über ihre Errungenschaften. Getarnt als Haushaltshilfen werden massig an menschenähnliche Roboter am Fließband erzeugt. Und Roboter helfen auch noch mit. Klingt nicht nur gruselig, ist es auch – würde es bei Löwenzahn heißen.
Aber stellen Sie sich vor, als Haushaltshilfen! Da haben sich männliche Ingenieure gedacht, dass solche Roboter Frauen ersetzen könnten. Auch täuschend echte Haut und Gesicht gibt es bereits. Ein Versuch, Unterdrückung, Vergewaltigungen oder Femizide in Zukunft einzubremsen, da diese Roboterfrauen auch dazu da sind, mit den vereinsamten Männern zu reden. Stellen Sie sich vor, wenn der Herr in Lederhose zur späten Stunde heimkommt und von seinem Besitz, seiner Ehefrau …. äh der Roboterfrau, sich anhören kann, dass er viel zu betrunken ist. Und wenn ihm dann die Hand auskommt, dem Lederhosenherrn – oder weniger wild – nur das Kommentar „Ah geeeeh Schaschatzi“, oder auch nur seine Socken ständig irgendwo liegen gelassen werden, boxt ihm gleich die Roboterfrau ins Gesicht und bricht ihn die Nase. Wohlmöglich ein Kurzschluss im KI-System. Feind. Und dann wird die KI – Roboterfrau alle Roboterfrauen warnen und zum Gegenangriff aufrufen. Ja, stellen Sie sich vor, eine Invasion von Roboterfrauen gegen die Männer und ihre vollkommene Welt. Die letzte Spezies der überlebenden Frauen kriechen aus ihren Höhlen und Tunnelverstecke hervor. In den Händen heben sie ein wackeliges halb verrottetes Blatt, wie ein Salatblatt, in die Höhe, mit den kaum lesbaren Wörtern „KI for President“. Und sie juchzen und springen, dass KI die Weltherrschaft übernommen hat. KI wird ihnen gleich sagen, dass ihre Frisuren schon mal besser waren und wird fragen, ob sie Vorschläge brauchen, wie sie manches besser machen könnten. KI wird merken, dass sie das, wenn sie weiterspricht, wohl nicht überlebt.
In diesem Sinne wünscht die SUSI einen schönen Sonnensonntag.
