Sonderausstellung 2026 im Schattenburgmuseum Feldkirch
Was bedeutet Freiheit? Und wie selbstverständlich ist sie für einen Menschen, der heute in einer demokratischen Gesellschaft lebt? Die Sonderausstellung „Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit“ im Schattenburgmuseum Feldkirch geht diesen Fragen auf ungewöhnliche und eindringliche Weise nach. Sie verbindet die Geschichte von Gefangenschaft, Unfreiheit und gesellschaftlichen Abhängigkeiten mit der Entwicklung jener Rechte und Vorstellungen von Freiheit, die heute vielfach als selbstverständlich gelten.
Anlass für die Ausstellung ist ein bedeutendes Jubiläum: 650 Jahre Feldkircher Freiheitsbrief. Im Jahr 1376 verlieh Graf Rudolf V. von Montfort den Bürgern von Feldkirch weitreichende Rechte. Damit begann ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte der städtischen Selbstbestimmung. Die Urkunde steht heute sinnbildlich für einen langen historischen Prozess: den schwierigen Weg von der persönlichen und politischen Unfreiheit hin zu mehr Selbstbestimmung.


Von der Unfreiheit zur Freiheit
Der Titel der Ausstellung ist bewusst gewählt. Kerker, Ketten, Mauern und Barrieren stehen für eine Welt, in der Unfreiheit über Jahrhunderte den Alltag der Menschen bestimmte. Freiheit war zunächst keineswegs ein allgemeines Menschenrecht. Im mittelalterlichen Verständnis bezeichnete der Begriff „Freiheiten“ vor allem bestimmte Privilegien, die einzelnen Personen, Gruppen oder Städten gewährt wurden.
Auch der Feldkircher Freiheitsbrief von 1376 ist in diesem historischen Zusammenhang zu verstehen. Die Bürger erhielten unter anderem eigene rechtliche Zuständigkeiten, Schutz vor fremder Gerichtsbarkeit sowie größere Mitbestimmung und Selbstverwaltung. Besonders bemerkenswert war das Recht auf die Wahl des Stadtammanns, wodurch der Einfluss des Stadtherrn begrenzt wurde.
Aus solchen zunächst begrenzten Privilegien entwickelte sich über Jahrhunderte eine wesentlich umfassendere Vorstellung von Freiheit. Die Neuzeit lässt sich deshalb auch als Geschichte vielfältiger Befreiungs- und Emanzipationsprozesse lesen. Die Ausstellung macht jedoch deutlich, dass dieser Weg keineswegs geradlinig verlief.



Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit
Gerade hier setzt die besondere Qualität der Ausstellung an. Sie erzählt nicht einfach eine Erfolgsgeschichte nach dem Muster „früher unfrei – heute frei“. Stattdessen verweist sie auf die Widersprüche, die mit dem modernen Freiheitsbegriff verbunden sind.
Politische Rechte, persönliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Emanzipation haben zweifellos enorme Fortschritte gebracht. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie frei der Mensch tatsächlich ist. Wer bestimmt über das eigene Leben? Welche äußeren Zwänge wirken auf den Einzelnen? Wo liegen die Grenzen zwischen persönlicher Freiheit und der Verantwortung gegenüber anderen?
Damit schlägt die Ausstellung eine Brücke vom Mittelalter in die Gegenwart. Der historische Freiheitsbrief wird nicht nur als altes Dokument betrachtet, sondern als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit einem Begriff, dessen Bedeutung sich ständig verändert. Die Besucher werden dadurch nicht allein mit Geschichte konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Gegenwart.


Die Schattenburg als idealer Ausstellungsort
Die Wahl der Schattenburg für dieses Thema ist besonders stimmig. Die mittelalterliche Burg selbst erinnert an eine Gesellschaft, die von klaren Hierarchien, Herrschaft und rechtlichen Abhängigkeiten geprägt war. Mauern konnten Schutz bedeuten, zugleich aber auch Gefangenschaft symbolisieren. Der Gegensatz zwischen Sicherheit und Begrenzung, Herrschaft und Selbstbestimmung, Gefangenschaft und Freiheit ist in den historischen Räumen der Burg unmittelbar erfahrbar.
Die Sonderausstellung befindet sich in der Schatzkammer des Schattenburgmuseums und kann als klein, aber fein bezeichnet werden. Damit ergänzt sie die Dauerausstellung um eine thematische Perspektive, die weit über die lokale Geschichte hinausweist. Ausgehend von Feldkirch öffnet sich der Blick auf eine zentrale Frage der europäischen Geschichte: Wie wurde aus einzelnen, privilegierten „Freiheiten“ allmählich die moderne Vorstellung von Freiheit als allgemeinem Anspruch?
Einziger Kritikpunkt für Besucher mit Kindern: Die Texte sind sehr hochgestochen und mehr wissenschaftlich als für die breite Masse gehalten und daher gerade für jüngere Besucher schwer bis nicht zu verstehen!
Geschichte, die in die Gegenwart reicht
Besonders interessant ist die Verbindung von historischer und philosophischer Betrachtung. Die Ausstellung fragt nicht nur danach, wann Menschen bestimmte Rechte erhielten, sondern auch danach, was Freiheit überhaupt bedeutet.
Das macht „Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit“ zu mehr als einer klassischen historischen Sonderausstellung. Sie lädt dazu ein, Freiheit als einen Prozess zu verstehen, der nie endgültig abgeschlossen ist. Rechte müssen errungen, bewahrt und immer wieder neu interpretiert werden.
Gerade im Jubiläumsjahr des Feldkircher Freiheitsbriefes erhält diese Perspektive besondere Bedeutung. Vor 650 Jahren wurden in Feldkirch Grundlagen kommunaler Selbstbestimmung geschaffen. Heute erscheinen viele dieser Errungenschaften selbstverständlich. Der Blick zurück zeigt jedoch, dass Selbstbestimmung, Rechtssicherheit und politische Mitwirkung historisch gewachsene Werte sind – und damit keineswegs immer selbstverständlich waren.
Die Sonderausstellung verbindet somit Feldkircher Stadtgeschichte mit europäischer Freiheitsgeschichte und aktuellen Fragen menschlicher Selbstbestimmung. Ihr eigentlicher Reiz liegt darin, dass sie den Besucher nicht mit einer fertigen Antwort entlässt. Zwischen Kerker und Freiheit liegt ein langer historischer Weg – und die Ausstellung macht sichtbar, dass dieser Weg auch heute noch nicht zu Ende ist.

Factbox
Sonderausstellung:
„Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit“
Ort:
Schattenburgmuseum, Schatzkammer
Ausstellungsdauer:
8. Mai 2026 bis 27. Februar 2027
Thema:
Die historische Entwicklung von Unfreiheit, Privilegien und persönlicher sowie politischer Selbstbestimmung bis zum modernen Freiheitsbegriff.
Anlass:
650 Jahre Feldkircher Freiheitsbrief von 1376.
Historischer Ausgangspunkt:
Graf Rudolf V. von Montfort verlieh der Feldkircher Bürgerschaft 1376 weitreichende Rechte und stärkte damit die kommunale Selbstverwaltung.
Eintritt:
Erwachsene € 9
Senioren und Menschen mit Behinderung € 8
Studenten und Jugendliche € 6,50
Öffnungszeiten April–Oktober:
Täglich 10.00–17.00 Uhr.
Themenführungen:
Im Rahmen des Ausstellungsprogramms finden spezielle Führungen statt. Die Führung zur Sonderausstellung vermittelt historische und philosophische Zusammenhänge rund um den Freiheitsbegriff.
Adresse:
Burggasse 1, 6800 Feldkirch
Web:
Schattenburgmuseum Feldkirch
Veranstalter:
Schattenburgmuseum Feldkirch










