Wenn heute in Kommentarspalten oder auf Social Media behauptet wird, „Israel ist und bleibt immer Kriegstreiber“, klingt das zunächst nach Meinung – tatsächlich ist es ein Echo alter Propaganda, geboren in Moskau und Ost-Berlin.
Ein Gastbeitrag von Anatoli Loucher
Die Vorstellung vom „zionistischen Aggressor“ war keine spontane Empörung, sondern ein ideologisches Produkt, gezielt entworfen – und bis heute wirksam, auch in westlichen Köpfen.
Ein Feindbild mit Geschichte
In den 1960er- und 70er-Jahren galt Israel für die Sowjetunion als „Vorposten des Westens“ im Nahen Osten. Während Moskau seine arabischen Verbündeten – Ägypten, Syrien, Irak – mit Waffen versorgte, unterstützte und schulte es palästinensische Guerillagruppen wie die PLO und die Fatah.
In dieser Zeit begann auch die gezielte Umdeutung arabischer Bevölkerungsgruppen in und um Palästina zu einer neuen nationalen Identität – den „Palästinensern“.
Was ursprünglich eine politische Etikettierung war, um den arabisch-israelischen Konflikt ideologisch zuzuspitzen, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer eigenständigen nationalen Bewegung. Doch diese Identität blieb von Beginn an nicht auf eigene Staatlichkeit oder gesellschaftliche Entwicklung ausgerichtet, sondern wurde – verstärkt durch sowjetische Propaganda – über den Gegensatz zu Israel definiert.
Das Ziel, das damals geprägt wurde – „From the River to the Sea“, also die Auslöschung Israels zugunsten eines durchgehend „palästinensischen“ Gebiets – ist bis heute fester Bestandteil dieses Narrativs, das seine Wurzeln weniger in lokaler Selbstbestimmung als in geopolitischer Instrumentalisierung hat.
Auch die DDR spielte aktiv mit.
Sie bildete palästinensische Kämpfer militärisch aus, stellte ihnen Papiere aus und organisierte Propaganda-Schulungen. Stasi-Akten belegen, dass Mitglieder palästinensischer Organisationen in Ost-Berlin, Leipzig und Dresden trainierten – offiziell im Namen der „antiimperialistischen Solidarität“.
So entstand das Narrativ vom „zionistischen Aggressor“: Israel als Werkzeug des Westens, als Störfaktor im arabischen Raum.
Diese Denkfigur prägte Jahrzehnte von UNO-Resolutionen, Ostblock-Medien und arabischer Staatspropaganda – und lebt heute fort, in Hashtags und Parolen, als „Kritik“, die in Wahrheit alte Feindbilder wiederholt.
Der Mythos vom Kriegstreiber
Tatsächlich hat Israel keinen der großen Nahostkriege begonnen.
– 1948: Fünf arabische Armeen griffen den jungen Staat an – einen Tag nach seiner Gründung.
– 1967: In den Wochen vor dem Sechstagekrieg massierten Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak massive Truppenverbände an Israels Grenzen, während Ägypten die Meerengen von Tiran blockierte und öffentlich zur Vernichtung Israels aufrief. Geheimdienstberichte belegten, dass ein gemeinsamer Angriff unmittelbar bevorstand. Israel schlug wenige Tage vor dem geplanten Angriff präventiv zu.
– 1973: Ägypten und Syrien überfielen Israel am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur.
In allen drei Kriegen war Israel Verteidiger, nicht Aggressor. Doch das Etikett blieb: „militaristisch“, „unversöhnlich“, „expansiv“. Ein Bild, das auf jahrzehntelanger Wiederholung beruht – nicht auf Fakten.
Wer Israel heute als „Kriegstreiber“ bezeichnet, wiederholt unbewusst dieselben Schlagworte, mit denen schon die Sowjetpropaganda arbeitete – nur in moderner Sprache.
Kritik ja – aber bitte mit Kontext
Natürlich: Israels Politik im Westjordanland ist nicht unantastbar.
Siedlungsbau, Übergriffe extremistischer Siedler und Versäumnisse bei der Rechtsdurchsetzung sind reale Probleme. Doch Kritik an Politik ist etwas anderes als die Verdrehung von Ursache und Wirkung.
Wer das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 – bei dem über 1.200 Menschen ermordet und rund 250 weitere als Geiseln verschleppt wurden – als „Reaktion“ auf israelische Politik rechtfertigt, hat den moralischen Kompass verloren.
Die überwältigende Mehrheit der Opfer und Entführten waren Zivilisten – Kinder, Frauen, Alte.
Die Hamas hat diesen Krieg bewusst geplant, ausgelöst und propagandistisch kalkuliert, in dem Wissen, dass ihr Terror die nächste Eskalation entfesseln würde.
Der vergessene Moment: Gaza 2005
Israel hat bewiesen, dass es zu Frieden und Rückzug fähig ist.
2005 zog es sich vollständig aus dem Gazastreifen zurück, räumte alle Siedlungen, zerstörte Militärposten und siedelte 8.000 Israelis um – in der Hoffnung auf Frieden.
Das Ergebnis: kein Frieden, sondern Terror.
2007 putschte die Hamas gegen die Fatah, errichtete eine Diktatur und machte den Gazastreifen zur Festung. Statt Aufbau folgten Waffenlager, Tunnel und Raketen.
Wer heute behauptet, „Israel wolle keinen Frieden“, blendet diese Realität aus.
Frieden braucht einen Partner – nicht eine Organisation, deren Charta Israels Vernichtung fordert.
Falsche Moral – alte Rhetorik
Wer Israel pauschal als Kriegstreiber diffamiert, betreibt moralischen Relativismus.
Ja, Israels Handeln muss rechtsstaatlich geprüft werden – aber die systematische Tötung, Vergewaltigung und Entführung von Zivilisten war keine israelische Handlung, sondern Auslöser dieses Krieges.
Die Behauptung, Israel führe einen Vernichtungskrieg, ist eine Lüge, geboren aus alter Ideologie und moderner Desinformation.
Es gibt keinen Beleg für eine israelische Strategie zur gezielten Tötung von Zivilisten – wohl aber unzählige Beweise für den Missbrauch der eigenen Bevölkerung durch Hamas.
Das Erbe der alten Propaganda
Die Täter-Opfer-Umkehr hat eine Geschichte.
Sie wurde im Kalten Krieg geschaffen, um Machtpolitik zu tarnen – und sie wirkt bis heute.
Die Sowjetunion dämonisierte Israel, um eigene Bündnisse zu legitimieren. Hamas führt diese Erzählung fort, westliche Aktivisten übernehmen sie unkritisch.
Wer heute ehrlich über Frieden sprechen will, muss dieses Erbe hinter sich lassen.
Israel ist nicht fehlerfrei – aber es ist nicht der Kriegstreiber, als der es dargestellt wird.
Der wahre Kriegstreiber ist der Hass, der seit Generationen gezüchtet wird – in Schulbüchern, Moscheen, Medien und Ideologien, die aus Israels Vernichtung Identität schöpfen.
Solange dieser Hass weiterlebt, scheitert jeder Versuch von Frieden – nicht, weil Israel ihn verweigert, sondern weil die Gegenseite ihn verachtet.
Israel verteidigt sich – gegen Terror, gegen jahrzehntelange Hetze und gegen eine Ideologie, die seine Existenz leugnet.
Wer das „Kriegstreiberei“ nennt, verwechselt Verteidigung mit Aggression – und fällt auf ein altes Narrativ herein, das längst Geschichte sein sollte, aber immer noch weiterlebt.

Image: ChatGPT von Anatoli Loucher
Hinweis: Unter der Rubrik „Kolumne“ haben unsere Gastkommentatoren Raum für ihre persönliche Meinung. Diese muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Gsi.News übernimmt auch keine Gewähr für Richtigkeit, Korrektheit und Vollständigkeit des jeweiligen Inhaltes.











