Warum Hilfe nicht ankommt, und warum Empathie allein nicht genügt
Die Lage im Gazastreifen ist dramatisch: Hunger, zerstörte Infrastruktur, kaum medizinische Versorgung. Die Welt fragt: Warum tut Israel nichts? Warum sagt niemand: „Die Menschen in Gaza sind nicht unsere Feinde“?
Von Anatoli Loucher
Tatsächlich erklärt Israel regelmäßig genau das – und liefert Hilfsgüter in beispiellosem Umfang. Doch die Hamas blockiert, die UN verliert Kontrolle und die internationale Gemeinschaft bleibt ratlos. Wer helfen will, muss differenzieren – nicht vereinfachen.
Israel liefert – doch die Hilfe kommt nicht an
Laut der israelischen Zivilverwaltung COGAT wurden seit Kriegsbeginn über 1,8 Millionen Tonnen Hilfsgüter nach Gaza gebracht – mehr als bei der Berliner Luftbrücke. Im Juli 2025 allein über 70.000 Tonnen, täglich hunderte LKW über Kerem Schalom. Doch auf palästinensischer Seite versackt die Hilfe: Lager bleiben voll, während Menschen hungern.
Verteilung scheitert an Gewalt und Machtmissbrauch
Die Ursache liegt nicht im Mangel, sondern im Zusammenbruch der Verteilung:
Milizen plündern Konvois, konfiszieren Lebensmittel.
UNRWA verliert durch Verstrickungen mit Terrorgruppen Vertrauen und Einfluss.
Hamas blockiert gezielt Lieferungen, die nicht ihrer Kontrolle unterstehen.
Zivilisten werden so zu Spielbällen politischer Interessen. Hilfe wird eingesetzt, um Macht zu sichern – nicht, um Leben zu retten.
Hamas sabotiert Hilfe systematisch
Seit Jahren nutzt die Hamas die Not der Menschen als strategische Waffe:
Hilfsgüter werden zweckentfremdet, um Tunnel und Waffenlager zu versorgen.
Verteilung erfolgt selektiv: Loyalität wird belohnt, Abhängigkeit geschaffen.
Zivilisten werden in Kampfzonen gehalten, um Opferbilder zu erzeugen.
Das Leid der Bevölkerung wird instrumentalisiert, um internationalen Druck auf Israel zu erhöhen.
Warum Israel nicht direkt hilft – und keine sicheren Zonen schafft
Israel hat Fluchtkorridore geöffnet, Warnungen veröffentlicht und Hilfe koordiniert. Doch:
Die UN lehnt militärischen Schutz ab, um Neutralität zu wahren.
Israel kann Hilfen nicht selbst verteilen, ohne Soldaten zu gefährden.
Vertrauen in UNRWA fehlt, alternative Akteure fehlen.
Ein Paradox: Israel liefert – doch hat keine Kontrolle, was mit der Hilfe geschieht.
Was würde passieren, wenn Israel sich vollständig zurückzöge?
Ein hypothetisches – aber realistischstes – Szenario:
Israel zieht sich vollständig zurück, liefert weiter Wasser, Strom, Hilfsgüter.
Die Hamas übernimmt sofort wieder die Macht, beseitigt Gegner, kontrolliert alle Ressourcen.
Hilfe wird nach Loyalität verteilt – oder gegen Arbeit, z. B. beim Wiederaufbau von Tunneln.
Hamas verkündet den Sieg, mobilisiert ideologisch und rüstet sich militärisch neu.
Israel bleibt nur noch der sporadische Drohnenschlag – ein ewiger Kreislauf aus Raketen, Vergeltung, Elend.
Das ist keine Phantasie – sondern historische Erfahrung.
Bildquelle: KI Bild (ChatGPT, Generiert von Anatoli Loucher)
Warum Begriffe wie „Hungersnot“ präzise verwendet werden müssen
Die UN definiert eine Hungersnot mit klaren Kriterien: akute Mangelernährung, hohe Sterberaten, extreme Versorgungsknappheit. Gaza erlebt eine schwere Krise – aber nicht überall trifft diese Definition zu.
Wer Begriffe wie „Genozid“ oder „Blockadepolitik“ inflationär gebraucht, verharmlost tatsächliche Völkermorde – und erschwert gezielte Hilfe.
Warum Israels Sprache hart klingt – aber keine Feindschaft meint
Israel betont: Der Krieg richtet sich gegen die Hamas, nicht gegen die Bevölkerung. Doch:
Hamas versteckt sich gezielt unter Zivilisten.
Ein Teil der Bevölkerung unterstützt sie aktiv oder schweigend.
Israels Regierung steht unter Druck: Sicherheit hat innenpolitisch Vorrang vor Symbolik.
In einem Verteidigungskrieg klingt jede Erklärung wie ein Rechtfertigungsversuch.
Was jetzt nötig wäre – über Empörung hinaus
Moralischer Druck allein reicht nicht. Nötig sind:
1. International geschützter Hilfskorridor – ohne Hamas-Kontrolle
2. Neue Organisationen – unabhängig, glaubwürdig, transparent
3. Verteilung unter Kontrolle internationaler Beobachter
4. Stärkung lokaler Akteure, die sich von Extremisten abgrenzen
Denn Kinder verhungern nicht an fehlender Empathie – sondern an fehlender Verantwortung.
Wer helfen will, muss genau hinsehen
„Israel blockiert, Gaza leidet“ – das ist zu kurz gedacht. Die Realität:
Israel liefert, kann aber nicht kontrollieren.
Hamas blockiert und manipuliert Hilfe.
UNRWA hat versagt.
Die Weltöffentlichkeit reagiert – aber bleibt handlungsunfähig.
Wer wirklich helfen will, muss nicht nur laut fühlen, sondern präzise handeln.
Wer Israel kritisiert, muss auch Verantwortung übernehmen
Wer von Israel fordert, humanitär mehr zu leisten, muss bereit sein, praktisch mitzuhelfen – nicht nur moralisch zu urteilen. Ein realistischer Schritt wäre, dass Staaten mit funktionierenden Sicherheitsstrukturen, etwa europäische Demokratien oder arabische Nachbarn wie Jordanien oder Ägypten, eigene Kräfte zum Schutz neutraler Hilfslieferungen bereitstellen – sei es durch Militär, Polizei oder humanitäre Spezialteams. Auch die Ausbildung und Entsendung unabhängiger logistischer Akteure, fernab korrupter oder extremistischer Strukturen, wäre möglich. Nur wenn Kritik mit eigener Verantwortung verbunden wird, kann eine stabile, gerechte Versorgung der Zivilbevölkerung gelingen – ohne die Hamas zu stärken.
Quellen (Auswahl): COGAT, IDF, WFP, Ärzte ohne Grenzen, UN Watch, Human Rights Watch, FAZ, UNRWA-Berichte