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Alberts Notion: Wish you were gay

von ANDA
13. Juni 2024
in gsi.kolumne
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Das Meersburger Schloß hält für BesucherInnen drei Wickelräume bereit: männlich, weiblich und divers. Foto: Albert Wittwer

Das Meersburger Schloß hält für BesucherInnen drei Wickelräume bereit: männlich, weiblich und divers. Foto: Albert Wittwer

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Wish you were gay – aktuelle Ausstellung im KUB

Gefühlt die Hälfte der österreichischen darstellenden Künstlerinnen, der Maler und Bildhauer mit deutscher Muttersprache und sicher alle jene, die „performen“ und „reels“ darbieten, geben ihren Werken oder der ganzen Ausstellung englische Titel. Oder was sie für Englisch halten. Es entsteht eine Art Marketing-Werbebotschaft. Anglizismen, die vermeintlich internationales Flair verströmen. Als käme die Ausstellung direkt aus New York oder wenigstens LA.

Von Dr. Albert Wittwer

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Einige aktuelle Beispiele (unvollständig):

Chemical Beings: Eva Seiler

Wish You Were Gay: Anne Imhof

STAGE contemporary fair / art / design

The Beauty of Diversity: Miriam Cahn

The 2000 sculpture: Walter de Maria

I could not agree with you more: Pipilotti Rist

Walk a dog: Elsbeth Gisinger-Fessler

Flashback: Angela Glajcan

No limits: Abramovic u.a.

Burning down the House: Alexander Noel u.a.

Sicher alles sehr sehenswert!

Schämen sich die Künstlerinnen der Sprache von Kant, Bachmann, Rilke und Goethe? Wessen Hauptsprache ist Englisch, „das Idiom des Menschen, der unseren Planeten zum Kippen zu bringen droht“. So sprechen die Spitzenmanager und Politiker, ein selbstgefälliges Kauderwelsch, nicht das Englisch von Shakespeare oder John Donne. Ich vermute, das Zitat „Any man’s death diminishes me, because I am involved in mankind“ ist ihnen fremd. Gut, gleichviele Verantwortliche für das Anthropozän sprechen wohl Mandarin oder Hindi. Wird in unserer neuen Mittelschule (noch) nicht unterrichtet.  

Zum Zweiten: Das Private ist politisch. Noch viel mehr ist die Kunst unvermeidlich politisch. Eine Form der Kommunikation von Mensch zu Mensch, die Rute im Fenster, die Anrufung höherer Instanzen. „Wish you were gay“, an das breite Publikum gerichtet, soll uns Heteros den Spiegel vorhalten. Oder das Objekt der Begierde, einen konkreten Menschen verführen? Das wohl eher nicht.

Die Aktualität der sexuellen Nicht-Diskriminierung im libertären Westen ist bescheiden. Kein heute spielender Film kommt mehr ohne äußerlich gleichgeschlechtliches Paar, zumeist mit unterschiedlicher Hautfarbe der Partner, aus. Udo Jürgens, ein bekennender Liebhaber von Frauen, hätte beim Eurovisions Song Contest, ohne Röcklein am Klavier, mit dem Evergreen Merci Cherie kläglich verloren. Das Meersburger Schloß hält für BesucherInnen drei Wickelräume bereit: männlich, weiblich und divers. Ich habe nicht herausgefunden, ob sich das Divers auf das Baby bezieht oder die wickelnde Person.

Derweil dient diese offen zur Schau getragene Sexualität, egal in welcher Spielart, den Diktatoren weltweit als Beweis ihrer moralischen Überlegenheit und zur Rechtfertigung ihrer kriegerisch-russischórthodoxen, kriegerisch-muslimischen oder kriegerisch-hinduistischen Regime. Ich wünschte, die Malerinnen und die Bildhauer könnten erwägen, ihre unfreiwilllige Unterstützung der Agenda von Vladimir Putin und Ali Chamenei zu überdenken.

Natürlich maße ich mir nicht an, vorzuschlagen, welche Themen die Kunst in die Öffentlichkeit und damit in die Politik tragen könnten. Das ist ihre Freiheit. Aber:

„Was sind das für Zeiten, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Anmerkungen:

  • Beispiele aus Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft, Vorarlberg.
  • Hans Magnus Enzensberger in „Ach Europa“: „…ihre Hauptsprache ist Englisch…“
  • Helmut Konrad: „Das Private ist Politisch“, über Marianne und Oskar Pollak“, Pius Verlag 2021
  • Berthold Brecht, zur moralischen Verantwortung der Künstler. Aber heute ist ein Gespräch über Bäume und Biotope gerechtfertigt.
Tags: Albert WittwerKolumneKommentar
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