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Alice Bermann-Cohn: Eine mutige Frau in stürmischer Zeit

von BAKI
5. Februar 2023
in Gsiberger, Liechtenstein
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Ihr Leben im deutschen Breslau fand 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten eine jähe Veränderung. Als Jüdin musste sie ihre Berufsausbildung zur Innenarchitektin abbrechen. Der Verfolgung durch die Nazis entkam sie 1936 nach Holland, das jedoch 1940 von Deutschland besetzt wurde. Alice schloss sich unter einem anderen Namen einer holländischen Widerstandsgruppe an. Durch ihre Arbeit als Fälscherin von Ausweisen und Lebensmittelkarten rettete sie vielen Menschen das Leben. 1947 kam sie nach Liechtenstein.

Text: Evelyne Bermann und Albert Eberle

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Nach einer glücklichen Jugendzeit in ihrer Geburtsstadt Breslau in Deutschland entkam Alice Cohn der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten durch ihre Auswanderung nach Amsterdam. Als Holland 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde, war sie erneut in Gefahr. Sie schaffte es immer wieder, der Deportation zu entkommen. Unerschrocken konnte Alice 1943 ein kleines Mädchen vom Sammelplatz entführen und vor der Deportation retten. Sie schloss sich einer holländischen Widerstandsgruppe an und tauchte unter. Durch ihre Arbeit als Fälscherin von Ausweisen und Lebensmittelkarten rettete sie vielen Menschen das Leben. Angst und Hunger waren ständige Begleiter dieser mutigen Frau, die es als persönliche Aufgabe empfand, Widerstand zu leisten. 2017 wurde sie durch die internationale Organisation ‚Bnei-Brith‘ posthum dafür geehrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte sie ihre Liebesheirat mit Rudolf Bermann nach Schaan. Die stadtgewohnte Berufsfrau übersiedelte 1947 in das ländlich bäuerliche Liechtenstein, was keine leichte Entscheidung war, denn die Welt schien Alice offen zu stehen. Aus Amerika und Australien erreichten sie Briefe mit Einladungen und für ihre Tätigkeit im Widerstand wurde ihr der Holländische Pass angeboten. Was im Holland der Nachkriegszeit noch nicht realisierbar war, als Unternehmerin eine Spielzeugherstellung in Utrecht aufzubauen, konnte Alice Bermann-Cohn später in Liechtenstein verwirklichen.

Alice wurde Mutter und Hausfrau, begann jedoch auch bald, ihren Ehemann Rudolf Bermann beim Aufbau der Lack- und Farbenfabrik Schekolin AG zu unterstützen. Ihre gestalterische Begabung setzte sie als Grafikerin um und baute die Werbeabteilung auf, auch als erste Frau in Messehallen war sie ihrer Zeit voraus. Die Firma war Mittelpunkt der Familie Bermann und Alice trug wesentlich dazu bei, dass sie zu einem stattlichen Betrieb anwuchs.
In der Schekolin AG fanden viele Menschen Arbeit. Die soziale Einstellung von Rudolf und Alice Bermann kam der Belegschaft immer zu Gute. Besondere Verdienste erwarb sich die Firma in der Lehrlingsausbildung.

Die neue Heimat ist Alice Bermann-Cohn sehr ans Herz gewachsen. Trotz tiefen Enttäuschungen, wie der Ablehnung des Einbürgerungsgesuches 1968 durch die Bürger der Gemeinde Schaan, wurden es viele glückliche Jahre in Liechtenstein. 1973 erhielt die vorher staatenlose Familie Bermann die Liechtensteinische Staatsbürgerschaft, mit 59 Jahren besass Alice erstmals volle bürgerliche Rechte und konnte an Wahlen teilnehmen.  

Ihrer Zivilcourage ist Alice Bermann-Cohn auch Liechtenstein treu geblieben. Sie zeigte ihr Leben lang Mut, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren. So hat sie auch die „Aktion Dornröschen“ öffentlich unterstützt, bei der ihre Tochter Evelyne im Kampf ums Frauenstimmrecht aktiv mitwirkte.

Zeitlebens engagierte sie sich für Gerechtigkeit, Frieden, soziale Anliegen und Menschenwürde, war eine unerschrockene Kämpferin gegen Rassismus. Im Rückblick auf dieses engagierte Frauenleben soll ihr Wunsch für eine tolerante Welt stehen, in der es normal ist, alle Menschen als gleichwertig anzuerkennen.

Hier kann der bebilderte Katalog über diese mutige Frau heruntergeladen werden:

https://www.schaan.li/application/files/7716/6125/7728/Katalog_Alice_Bermann-Cohn_2014.pdf

Tags: GeschichteHolocaustLiechtensteinPolen
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