Zwei außergewöhnliche Bildbände aus dem Midas Verlag zeigen, warum die schönsten Reiseerlebnisse oft dort beginnen, wo die üblichen Touristenrouten enden.
Es gibt Städte, die glaubt man zu kennen. Man hat ihre berühmten Wahrzeichen gesehen, ihre Postkartenmotive bewundert und ihre Namen mit großen Geschichten verbunden. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt hinter den bekannten Fassaden eine zweite Stadt: kleine Gassen, versteckte Innenhöfe, charmante Geschäfte, überraschende Architektur, stille Parks und Orte, an denen sich das eigentliche Leben abspielt.
Genau diesen verborgenen Seiten widmen sich die Bildbände „WIEN – Wie es keiner kennt“ von Oskar Hejlek und „LONDON – Wie es keiner kennt“ von Siobhan Ferguson, beide erschienen in der Midas Collection. Sie sind Reiseführer, fotografische Liebeserklärungen und Inspirationsquellen für alle, die Städte nicht einfach besichtigen, sondern entdecken möchten. Beide Ausgaben umfassen 256 Seiten und verbinden eindrucksvolle Bilder mit Hintergrundinformationen und Anregungen für eigene Erkundungen.

1. WIEN – Wie es keiner kennt: Die eigene Stadt neu entdecken
Wien ist die Stadt der Ringstraße, der Kaffeehäuser, der prachtvollen Palais und der großen kulturellen Traditionen. Doch die österreichische Hauptstadt besteht nicht allein aus Stephansdom, Schönbrunn und Prater. Ihre besondere Atmosphäre entsteht ebenso in unscheinbaren Gassen, zwischen historischen Häusern, in kleinen Geschäften und an Plätzen, die im Alltag leicht übersehen werden.
Der Bildband von Oskar Hejlek setzt genau dort an. Er lädt dazu ein, Wien mit einem neugierigen Blick neu zu erkunden und hinter den bekannten Sehenswürdigkeiten weitere Facetten der Stadt zu entdecken. Historische Architektur trifft auf modernes Stadtleben, repräsentative Plätze auf verborgene Winkel, vertraute Straßenzüge auf überraschende Details.
Inhalt: Wien jenseits der Postkartenmotive
Die Stärke des Buches liegt in seinem Perspektivenwechsel. Es geht nicht darum, die bekannten Attraktionen erneut abzuhaken, sondern darum, die Stadt als lebendigen Organismus wahrzunehmen. Wien ist ein historisches Gesamtkunstwerk, aber ebenso eine moderne Metropole, die sich ständig verändert.
Die fotografischen Eindrücke lenken die Aufmerksamkeit auf Details, die im hektischen Alltag häufig unbeachtet bleiben: die Gestaltung einer Fassade, die besondere Wirkung eines Innenhofs, das Zusammenspiel von Licht und Architektur oder die Atmosphäre eines kleinen Stadtviertels. Ergänzende Informationen und Insider-Tipps machen aus dem Bildband mehr als eine reine Sammlung schöner Ansichten.
Gerade für Wiener selbst besitzt dieser Ansatz einen besonderen Reiz. Wer täglich durch dieselben Straßen geht, verliert manchmal den Blick für deren Eigenheiten. Das Buch erinnert daran, dass Entdecken nicht zwingend eine Flugreise oder einen langen Urlaub voraussetzt. Manchmal genügt es, eine bekannte Straße aus einer anderen Richtung zu betrachten oder sich bewusst in ein Viertel zu begeben, das bisher nur am Rand der eigenen Wahrnehmung lag.
Rezension: Ein Plädoyer für den neugierigen Blick
„WIEN – Wie es keiner kennt“ ist besonders dann überzeugend, wenn es die Neugier auf die unmittelbare Umgebung weckt. Der Band vermittelt kein starres Besichtigungsprogramm, sondern eine Haltung: genauer hinsehen, Umwege zulassen und sich auf Orte einlassen, deren Bedeutung sich erst beim zweiten Blick erschließt.
Die Verbindung von Fotografie und praktischen Hinweisen macht das Buch zu einem schönen Begleiter für Spaziergänge und Wochenendausflüge. Es funktioniert aber ebenso als Inspirationsquelle zu Hause. Man kann darin blättern, sich an vertrauten Motiven erfreuen und gleichzeitig feststellen, wie viele Facetten der eigenen Stadt noch unbekannt sind.
Seine besondere Qualität liegt in der Verbindung von ästhetischem Genuss und konkreter Entdeckungslust. Die Bilder laden zum Verweilen ein, während die Tipps dazu anregen, selbst aktiv zu werden. Der Bildband ist damit nicht nur für Besucher interessant, sondern gerade auch für Menschen, die Wien bereits gut zu kennen glauben.
Fazit zu Wien: Ein hochwertig angelegter Entdeckungsband, der den Blick schärft und Lust auf neue Wege durch die eigene Stadt macht. Für Wien-Liebhaber, Architekturinteressierte, Fotografen und neugierige Spaziergänger ist er eine Einladung, das Vertraute wieder überraschend zu finden.

2. LONDON – Wie es keiner kennt: Eine Metropole voller verborgener Geschichten
London ist eine Stadt der Superlative. Buckingham Palace, Tower Bridge, Westminster und die Themse gehören zum festen Bild einer Weltmetropole, die Geschichte, Politik, Kultur und Popkultur miteinander verbindet. Doch London erschließt sich nicht allein über seine großen Sehenswürdigkeiten. Seine unverwechselbare Atmosphäre entsteht auch in den unterschiedlichen Vierteln, auf kleinen Märkten, in ruhigen Straßen und an Orten, die vom internationalen Tourismus oft übersehen werden.
Die 2026 erschienene Ausgabe von Siobhan Ferguson richtet den Blick auf genau diese weniger bekannten Seiten. Die Fotografin stellt unter anderem Stadtteile wie Islington, Little Venice und Spitalfields vor und zeigt, wie vielfältig und widersprüchlich London jenseits der bekannten Wahrzeichen ist.
Inhalt: Von charmanten Vierteln bis zu stillen Rückzugsorten
London ist keine Stadt, die sich auf eine einzige Identität reduzieren lässt. Historische Gebäude stehen neben moderner Architektur, geschäftige Straßen neben stillen Wasserwegen, traditionelle Märkte neben kreativen Szenen und kleine Nachbarschaftsläden neben internationalen Marken.
Fergusons Bildband macht diese Vielfalt sichtbar. Die fotografischen Streifzüge führen in Viertel, deren Charakter sich nicht auf ein einziges Wahrzeichen reduzieren lässt. Sie zeigen Straßenbilder, besondere Plätze, grüne Rückzugsorte und urbane Details, die den Charakter der britischen Hauptstadt prägen.
Ergänzt werden die Bilder durch Hinweise für eigene Erkundungen. Damit lässt sich das Buch sowohl als Vorbereitung auf eine Reise nutzen als auch als Einladung zu einer gedanklichen Stadterkundung vom Sofa aus. Die Stadt wird nicht als fertige Sehenswürdigkeitenliste präsentiert, sondern als Raum, den man Schritt für Schritt entdecken kann.
Das ist gerade bei London wichtig. Die Metropole ist so groß und facettenreich, dass selbst mehrere Aufenthalte kaum ausreichen, um sie umfassend kennenzulernen. Ein guter Bildband muss deshalb nicht behaupten, die ganze Stadt abzubilden. Er muss vielmehr Lust darauf machen, immer wieder neue Ausschnitte zu entdecken.
Rezension: London als Stimmung, nicht nur als Reiseziel
Die Stärke dieses Bandes liegt in seiner fotografischen Atmosphäre. Die Bilder vermitteln nicht nur Informationen darüber, wo sich ein Ort befindet, sondern wecken eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlen könnte, dort unterwegs zu sein.
Das unterscheidet einen solchen Bildband von einem rein funktionalen Reiseführer. Man erhält nicht einfach eine Liste mit Sehenswürdigkeiten, Öffnungszeiten und Verkehrsverbindungen. Stattdessen entsteht ein visuelles Porträt einer Stadt, die von Kontrasten lebt und sich ständig neu erfindet.
Fergusons Ansatz ist besonders für jene Leser interessant, die bereits einmal in London waren und bei einem weiteren Besuch nicht ausschließlich dieselben bekannten Ziele ansteuern möchten. Aber auch für Erstbesucher bietet der Band eine wertvolle Ergänzung: Er zeigt, dass die berühmten Attraktionen nur einen Teil dessen ausmachen, was London zu bieten hat.
Eine Einschränkung gehört allerdings zur ehrlichen Betrachtung: Ein fotografischer Inspirationsband kann eine aktuelle Reiseplanung nicht vollständig ersetzen. Öffnungszeiten, Zugänglichkeit und konkrete Wege müssen gegebenenfalls zusätzlich geprüft werden. Seine Stärke liegt weniger in der minutiösen Organisation einer Reise als in der Vermittlung von Atmosphäre, Perspektiven und Entdeckungsideen.
Fazit zu London: Ein atmosphärischer Bildband für London-Liebhaber, Fotografieinteressierte und Reisende, die lieber eine Stadt erleben als bloß ihre Sehenswürdigkeiten sammeln. Er zeigt, dass London gerade in seinen weniger bekannten Vierteln besonders viel von seiner Eigenart preisgibt.











