Alberts Notion: Das Moor hat seine Schuldigkeit getan, das Moor kann gehen

Holda Moos in Au, Bregenzwerald. Bild: Albert Wittwer

Moorflächen bis fünfhundert Quadratmeter sollen bewilligungsfrei in Parkplätze bis tausend umgebaut werden dürfen. Der Uferschutz von Flüssen wird verschmälert, Straßen bis vier Meter Breite brauchen keine naturschutzrechtliche Bewilligung mehr. Künftig keinerlei Mitsprache der heimatlichen Standortgemeinde.

Von Dr. Albert Wittwer

Mit der Novelle des Gesetzes für Naturschutz- und Landschaftsschutz (GNL) plant die Landesregierung den „Bürokratieabbau ohne den Schutz der Natur zu vernachlässigen.“*)

Was für ein Etikettenschwindel. Es steht Naturschutz- und Landschaftsschutz drauf und ist das Gegenteil. Bei einem privatwirtschaftlichen Unternehmen wäre das Irreführung des Kunden, unlauterer Wettbewerb. Was sich die Regierung alles erlaubt.

Geht es nach der Landesregierung, hatten wir in Vorarlberg keinen Hitzesommer. Es gab nicht die wärmsten Sommermonate seit Beginn der Aufzeichnungen.  Es regnete so wenig, um den Bodensee-Tiefst-Stand seit Beginn der Messungen beizubehalten. Die Flüsse und Bäche führten lukwarmes Niedrigwasser. Fünf kleinere Gletscher sind ganz verschwunden, vom Brandner Schesaplana-Gletscher ist noch ein kleiner Eisfleck und ein größeres Geröllfeld übrig. Ähnlich vom Piz Buin; das wird in den nächsten Jahren die Wasserläufe weiter verdünnen. Was passiert dann mit der zu Recht gelobten Stromerzeugung aus Wasserkraft?

Etliche Gemeinden haben sich ohne großes Aufsehen mit Trinkwasser gegenseitig ausgeholfen. Allenfalls erkennbar durch Abschaltung historischer Dorfbrunnen. Vor Jahren haben sie schon Trinkwasserverbindungen hergestellt, etwa zwischen Bludenz, Bürs, Nüziders und Braz, damals um der Bedrohung der Quellen und Trinkwasserfassungen durch Vermurungen zu begegnen. Gut, wenn die Wälder weiterhin so unter Trockenheit leiden, wird das auch bei kleineren Unwetterereignissen wieder aktuell.

Kümmert sich die Landesregierung um die trockenheitsresistente Nachbepflanzung der bewaldeten Hänge? Fehlanzeige. Sie will durch sogenannten Bürokratieabbau den Wirtschaftsstandort Vorarlberg stärken. Das irritiert sogar die Rechtsanwaltskammer. Nicht nur die Naturschutzanwältin hat angekündigt, die „Naturschutz-Novelle“ anzufechten. Es ist zu hoffen, dass die angekündigten Gerichtsverfahren sie jedenfalls jahrelang verzögern – und damit womöglich vereiteln.

Derweil ist es eine Binsenweisheit, dass das lokale Klima sehr stark durch die kleinräumige Vegetation und Bewässerung beeinflusst wird. Schon ein Wildblumenstreifen neben der möglichst schmaleren Straße erfreut die Insekten. Ein kleiner Teich im Park oder Garten ermöglicht Libellen, Kröten und Fröschen einen anmutigen Lebensraum, beobachtet von den erstaunten Kindern.  Ignoriert die Landesregierung absichtlich die Erkenntnisse der Biologen und Forstwirtschaftler hinsichtlich des lokalen Klein-Klimas?

Heuer vor achthundert Jahren starb Franz von Assisi, der Schutzpatron der Tiere, der Umwelt und der Ökologie. Sein Gebet bleibt aktuell: „Laudato Si, Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.”

Anmerkungen:

„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …“ Friedrich Schiller

https://www.oeaw.ac.at/news/vorarlbergs-gletscher-schmelzen-rasant-fast-die-haelfte-ist-bereits-verschwunden

*) https://www.derstandard.at/story/3000000342198/skilifte-bauen-moore-trockenlegen-wie-vorarlberg-den-naturschutz-zerlegt

Laudato Si, Enzyklika von Papst Franziskus

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