Riesiger Andrang beim Stadttunnel: Hunderte Besucher kamen mit dem Fahrrad, um einen Blick in den Berg zu werfen.
Wann kann man schon einmal dorthin, wo sonst nur Bauleute Zutritt haben? Beim „Tag der offenen Baustelle“ beim Stadttunnel Feldkirch bekamen interessierte Bürger gestern die seltene Gelegenheit, eines der größten Infrastrukturprojekte des Landes aus nächster Nähe zu erleben. Der Andrang war enorm: Schon früh strömten die Besucher auf das Baustellengelände bei Frastanz. Auffallend viele, es waren hunderte, reisten klimafreundlich mit dem Fahrrad an.

Ein Rundgang mit sieben Stationen
Ein Stationenplan führte die Gäste über das Gelände und bis in den Tunnel hinein. Sieben Stationen luden zum Staunen und Fragen ein:
- Projektvorstellung
- Logistik
- Geologie
- Vortrieb
- Tunnelausrüstung und -sicherheit
- Umwelt
- Bewirtung
Der Parcours war so angelegt, dass sich Besucher sicher und gut geführt bewegen konnten. In den Tunnelbereichen waren der rund 400 Meter lange Haupttunnel und der ebenso lange Fluchtstollen zugänglich. Hier wurden die Gäste von Fachleuten durch den Berg geleitet und bekamen tolle Führungen mit anschaulichen Erklärungen.




Das Projekt im Überblick
Schon die erste Station machte die Dimensionen greifbar: Der Stadttunnel Feldkirch umfasst vier Tunneläste mit insgesamt 3.950 Tunnelmetern. Herzstück ist ein unterirdischer Kreisverkehr mit 70 Metern Durchmesser. Auf Modellen und Plänen sahen die Besucher, wie sich Verkehrsströme künftig unter der Stadt verteilen sollen.
Logistik mit der Bahn: Der Berg rollt auf Schienen
Besonders beeindruckend war die Station zur Logistik. Das Ausbruchmaterial wird nicht per Lkw abtransportiert, sondern über die Anschlussbahn Felsenau auf die Schiene verladen. Auf den Infotafeln gab es dazu viele Zahlen:
- 482,3 Meter Gleislänge
- 945 Tonnen Transportkapazität je Zug (15 Wagen)
- bis zu drei Züge pro Tag, sieben Tage die Woche
- ein Umwurfturm (Silo) mit 630 m³ bzw. rund 1.130 Tonnen Fassungsvermögen
- ein batterieelektrischer Verschubroboter (BR100)
- Verladung von drei Güterwagen gleichzeitig
Über Förderbänder gelangt das Material vom Brecher zum Silo und von dort in die Bahnwagen. Ein Anblick, der Alt und Jung gleichermaßen faszinierte.



Baumaschinen zum Staunen
Für leuchtende Augen, vor allem bei den jüngsten Gästen, sorgten die Baumaschinen. Zu sehen war unter anderem ein mobiler Backenbrecher, der Kleemann MOBICAT MC 120 PRO, der Gestein vor Ort zerkleinert. Die Maschine bringt je nach Ausstattung über 70 Tonnen auf die Waage und misst in Betriebsstellung rund 18,6 Meter Länge. Wer neben so einem Koloss stand, bekam ein Gefühl dafür, mit welcher Kraft hier gearbeitet wird.
Sicherheit unter Tage
Die Station zur Tunnelausrüstung und Tunnelsicherheit zeigte, was später für die Verkehrsteilnehmer wichtig wird: Leiteinrichtungen, Notrufnischen und Kameraüberwachung. Überwacht wird der Tunnel künftig von der Überwachungszentrale Hohenems, deren riesige Bildschirmwand ebenfalls auf einer Tafel zu sehen war.

Foto: Helmut Köck
Politik im Gespräch mit den Bürgern
Viel Prominenz aus Politik und Verwaltung war vor Ort, doch nicht für Reden, sondern zum Zuhören. Zahlreiche Politikerinnen und Politiker, u.a. LH Markus Wallner, Christof Bitschi, Bgm. Manfred Rädler u.a. mischten sich unter die Besucher und standen für Fragen, Anliegen und offene Gespräche zur Verfügung. Ein Zeichen für die Nähe zwischen Projektverantwortlichen und Bevölkerung.



Für das leibliche Wohl gesorgt
Auch für die Verpflegung war bestens gesorgt: An der Station „Bewirtung“ gab es freie Getränke für alle Besucher, ein willkommener Moment zum Durchatmen und Austauschen nach dem Rundgang.
Gsi.News Leser Mario „Tiroler Roggy“ Roggenhofer hat uns dieses Video zugeschickt:
Fazit
Der Tag der offenen Baustelle war ein voller Erfolg. Er zeigte nicht nur die technische Dimension des Stadttunnels, sondern auch das große Interesse der Region an diesem Jahrhundertprojekt. Viele Besucher gingen mit neuen Eindrücken, Fachwissen und der Gewissheit nach Hause, dass hier mit Know-how, Sorgfalt und Blick auf Sicherheit und Umwelt gebaut wird.
Hinter dem Projekt stehen das Land Vorarlberg, die Stadt Feldkirch, die Vorarlberg Netz sowie die Bauunternehmen Jäger, Strabag und Hilti & Jehle.










