Kerstin Köck Resch macht aus Stoff Figuren, aus Kostümen Charaktere und aus einer Bühne eine eigene Welt.
Die Vorarlberger Schneiderin arbeitet seit vielen Jahren für Theater, Film, Werbung und Fotografie. Ihr Arbeitsplatz ist dort, wo andere längst Feierabend machen: Zwischen Nähmaschine, Kostümfundus, Schminkkoffer und den letzten Vorbereitungen hinter der Bühne.
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Dass sie einmal Schneiderin werden würde, zeichnete sich früh ab. Stoffe faszinierten sie schon als Kind, richtig konkret wurde der Wunsch im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren. Ein Schulprojekt und eine engagierte Lehrerin gaben den entscheidenden Anstoß. Gemeinsam mit ihrer Mutter suchte sie eine Lehrstelle – und fand sie im Atelier Ärmelfisch in Feldkirch bei Maria Walter. Dort absolvierte Köck Resch ihre dreijährige Lehre.
Ihre Lehrmeisterin erkannte früh, dass in ihr mehr steckte als handwerkliches Talent. Sie ermutigte die junge Schneiderin, den kreativen Weg weiterzugehen. Köck Resch folgte dem Rat und besuchte in Zürich eine zweijährige Modeschule. Der Schritt aus dem Ländle in die Großstadt fiel ihr zunächst nicht leicht. Doch die neue Umgebung eröffnete ihr wichtige Erfahrungen. Bei dem Modedesigner Daniel Herrmann lernte sie anschließend, wie aus ersten Entwürfen komplette Kollektionen entstehen – von der Produktionsvorbereitung bis zum fertigen Kleidungsstück und Fotoshooting.
2005 führte ihr Weg zurück nach Vorarlberg und direkt zu den Bregenzer Festspielen. Ihre erste Produktion war „Der lustige Krieg“ im Kornmarkt. Neun Jahre lang arbeitete sie während der Sommermonate bei den Festspielen. Parallel dazu versuchte sie, ein eigenes Label aufzubauen – ein Vorhaben, das sich als schwierig erwies.
Die entscheidende Tür zur Theaterwelt öffnete sich schließlich mit dem Vorarlberger Volkstheater. Köck Resch wurde gefragt, ob sie Kostümbilder entwickeln und umsetzen wolle. Aus der Arbeit an den Kostümen wurde bald weit mehr. Hinter der Bühne kümmerte sie sich auch um Requisiten, Schminke und die zahlreichen unsichtbaren Abläufe, die eine Vorstellung überhaupt erst möglich machen. Sie lernte von Traudl Meyer und entschloss sich schließlich, auch den Bereich Make-up professionell zu erlernen.
Dafür ging sie nach München und absolvierte eine Ausbildung im Make-up-Bereich – in ungewöhnlich konzentrierter Form. Was normalerweise wesentlich länger dauert, absolvierte sie mit individueller Betreuung innerhalb von vier Wochen. Danach hieß es: lernen durch Erfahrung. Fotografen kamen hinzu, Werbeproduktionen, kleinere Theaterarbeiten und später zunehmend bewegte Bilder. Köck Resch entwickelte sich zu einer vielseitigen Spezialistin, die Kostüm und Maske miteinander verbindet.
Ihr eigentliches Geheimnis liegt jedoch nicht nur im handwerklichen Können. Köck Resch versteht Kostüme als Teil des Erzählens. Sie will nicht einfach historische Kleidung oder schöne Einzelstücke herstellen. Sie möchte, dass ein Kostümbild eine Geschichte sichtbar macht.

Dafür greift sie immer wieder auf ihren gewaltigen Fundus zurück. Von „Tonnen“ an Kleidungsstücken spricht sie selbst. Mittelalterliches findet sich neben Modernem, Bekanntes wird mit Neuem kombiniert. Ein bereits verwendetes Kleidungsstück kann dadurch völlig anders wirken. „Ich möchte auch das Erlebnis für den Zuschauer immer wieder neu gestalten“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise.
Besonders deutlich wird das bei einer Produktion der Werdenberger Schlossfestspiele. Für das dortige Stück wurde die Handlung regional verankert. Köck Resch übersetzte diese Idee in Farben und Kleidung: Werdenberg erschien in Blau-, Braun- und Beigetönen, die Glarner in Rot, Braun und Gold. Die Verschwörer erhielten Grün als eigene Farbe. Kostüme wurden damit zu einer visuellen Orientierung für das Publikum – und zugleich zu einem Teil der Dramaturgie.
Ihre Arbeit ist aufwendig. Ein anspruchsvolles Kostüm kann mehrere Tage beanspruchen. „Nähen braucht Zeit“, sagt die einfache Mutter. Schnell müsse es nicht unbedingt gehen, denn wer zu schnell arbeite, dem fehle am Ende meistens etwas. Dass sie häufig bis spät in die Nacht arbeitet, passt zu ihrem Rhythmus. Köck Reschbezeichnet sich selbst als „Eule“. Wenn andere längst schlafen, kann sie noch konzentriert ein neues Stück beginnen.
Zu ihren persönlichen Höhepunkten zählt „Volpone“ mit dem Theater Carousell. Besonders geblieben sind ihr die außergewöhnlichen Kostüme, in denen sich Theaterfiguren und Tierwelt miteinander vermischten. Die Kostüme lagern bis heute als besonderes Paket in ihrem Fundus. Auch „Was ihr wollt“ von William Shakespeare auf der Burg ist ihr in Erinnerung geblieben.
Wer Köck Resch nach ihrem Lieblingsprojekt fragt, bekommt allerdings keine einfache Antwort. Zu viele Produktionen, zu viele Begegnungen und zu viele unterschiedliche Herausforderungen haben ihren Weg geprägt. Jedes Stück habe etwas für sich, sagt sie. Genau darin liegt vielleicht die Besonderheit ihres Berufs: Sie produziert nicht einfach Kleidung, sondern arbeitet immer wieder an neuen Welten.
Der Beruf verlangt dabei nicht nur Kreativität, sondern auch Flexibilität. Theater, Werbung, Film und Fotografie wechseln sich ab. Mal gibt es mehr von der einen Branche, dann wieder von der anderen. In der Region Vorarlberg, Liechtenstein, der Ostschweiz und Süddeutschland ist das Feld für Menschen, die Kostüm und Maske professionell miteinander verbinden, überschaubar.
Köck Resch selbst ist inzwischen langfristig ausgebucht. Projekte sind bis Mitte 2028 geplant, manches davon darf oder kann sie noch gar nicht öffentlich benennen. Gleichzeitig bleibt sie ihrer Grundhaltung treu: Das Kostüm muss zum Stück, zur Regie und zu den Figuren passen.
Und wenn die Nähmaschine einmal stillsteht? Viel bleibt nicht übrig. „Mein Hobby ist auch mein Beruf“, sagt Kerstin Köck Resch. Die wirklich freie Zeit gehört der Familie. Ihrem Mann und ihrem Kind ist sie besonders dankbar, weil ihr Beruf auch ihnen einiges abverlangt.
So steht hinter den großen Bildern auf der Bühne eine Frau, deren Arbeit oft erst dann auffällt, wenn sie perfekt funktioniert. Wenn eine Figur glaubwürdig erscheint, eine Epoche sichtbar wird oder eine Gruppe auf der Bühne allein durch ihre Kleidung erkennbar ist, hat Kerstin Köck Resch ihr Ziel erreicht. Dann erzählt der Stoff seine Geschichte – und die Schneiderin tritt wieder einen Schritt zurück.
Factbox: Kerstin Köck Resch
Beruf: Schneiderin, Kostümbildnerin und Make-up-Spezialistin
Region: Vorarlberg, Liechtenstein, Ostschweiz und süddeutscher Raum
Ausbildung: Dreijährige Schneiderlehre im Atelier Ärmelfisch in Feldkirch; anschließend zweijährige Modeschule in Zürich; zusätzliche Make-up-Ausbildung in München
Beruflicher Start: 2005 erste Produktion bei den Bregenzer Festspielen, „Der lustige Krieg“ im Kornmarkt
Theater: Langjährige Mitarbeit bei den Bregenzer Festspielen und beim Vorarlberger Volkstheater; zahlreiche weitere Theaterproduktionen
Arbeitsfelder: Theater, Kostümbild, Make-up, Film, Werbung und Fotografie
Besonderheit: Verbindung von Kostüm und Maske sowie Entwicklung kompletter visueller Erscheinungsbilder für Produktionen
Kostümfundus: Umfangreicher eigener Fundus mit Kleidungsstücken und Kostümen aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen
Arbeitsweise: Vorhandene Kostümteile werden mit neu gefertigten Elementen kombiniert und für jede Produktion neu zusammengestellt
Besondere Produktionen: Unter anderem „Volpone“ mit dem Theater Chaosel, „Was ihr wollt“ auf der Burg sowie „Maskenball“ bei den Werdenberger Schlossfestspielen
Aktuelle Perspektive: Produktionen sind bereits bis Mitte 2028 geplant
Persönliches Motto: Das Hobby zum Beruf gemacht – und die freie Zeit gehört der Familie.