Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen gehörte Malbun am Samstag ganz den Eseln. Beim 28. Eselfest trafen sich Kinder, Familien, Eselfreunde und zahlreiche Zuschauer zu einem ungewöhnlichen Fest, bei dem es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern vor allem um Geschicklichkeit, Geduld und die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier ging.
Bilder und Videos: Bandi Koeck und Johannes Rinderer
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert gehört das Eselfest zum Sommerkalender von Malbun. Was einst aus einer landwirtschaftlichen Tradition hervorging, hat sich zu einem unverwechselbaren Familien- und Volksfest entwickelt. Im Mittelpunkt stehen dabei Tiere, die ihren ganz eigenen Kopf haben – und genau das macht den Reiz der Veranstaltung aus.
Vom Arbeitstier zum Feststar
Die Geschichte des Eselfestes ist eng mit der früheren Bedeutung des Esels in der Berglandwirtschaft verbunden. In der alpinen Umgebung von Malbun waren Esel einst wichtige Helfer. Sie transportierten unter anderem Apfel- und Weinmost zu höher gelegenen Alpflächen. Dabei waren Trittsicherheit und Ausdauer in dem steilen Gelände entscheidende Eigenschaften.
Aus dieser praktischen Nutzung entwickelte sich irgendwann ein spielerischer Wettbewerb: Welcher Esel liess sich am schnellsten dazu bewegen, den Aufstieg zu bewältigen?
Als später motorisierte Fahrzeuge die Transportarbeiten übernahmen, verschwand die ursprüngliche Notwendigkeit. Die Freude am Wettbewerb blieb jedoch bestehen. Aus dem kleinen Wettstreit entwickelte sich ein Brauch und schliesslich das heutige Eselfest. Seit 1996 wird der Anlass von einem eigenen Verein organisiert.
Die historische Entwicklung erklärt auch, weshalb das Fest seinen ursprünglichen Charakter bis heute bewahrt hat: Der Esel steht nicht einfach als Kulisse im Mittelpunkt, sondern als eigenwilliger, intelligenter und durchaus selbstbestimmter Partner.


Der Esel bestimmt das Tempo
Beim Eselfest gelten andere Regeln als bei gewöhnlichen Sportveranstaltungen. Hier entscheidet nicht allein die menschliche Vorbereitung über Sieg oder Niederlage. Wer mit einem Esel antritt, muss vor allem Geduld mitbringen.
Das zeigte sich besonders eindrücklich beim Hindernisparcours. Rund 50 Kinder und zehn Erwachsene stellten sich der Herausforderung. Die jungen Teilnehmer mussten ihre Esel durch verschiedene Hindernisse führen. Dabei war weniger entscheidend, möglichst schnell zu sein. Viel wichtiger war die Frage, ob der Esel überhaupt bereit war, sich auf die jeweilige Aufgabe einzulassen.
Ein Hindernis, das für einen Menschen völlig problemlos aussieht, kann für einen Esel plötzlich Anlass für eine gründliche Untersuchung sein. Stehen bleiben, schauen, überlegen und erst dann weitergehen gehört beim Eselfest deshalb durchaus zum normalen Ablauf.
Gerade für Kinder ist dieser Wettbewerb eine besondere Erfahrung. Sie lernen, auf das Tier einzugehen, Verantwortung zu übernehmen und mit Geduld ans Ziel zu kommen. Das Eselfest verbindet damit Unterhaltung mit einem unmittelbaren Erlebnis im Umgang mit Tieren.
Die Rangliste der Gewinner vom Eselfest 2026 in der Kategorie Parcours sind:
- 1. Gianna Schmid
- 2. Levia Pedrolini
- 3. Felipa Koeck



Ein ungewöhnlicher Teilnehmer mit Startnummer eins
Für eine besondere Überraschung sorgte in diesem Jahr Elias Marxer. Er nahm anlässlich seines Polterabends am Eselfest teil – allerdings nicht mit einem echten Esel.
Marxer erschien im Eselskostüm und erhielt die Startnummer 1. Damit wurde aus dem menschlichen Teilnehmer kurzerhand ein zusätzlicher «Esel» im Feld.
Der ungewöhnliche Auftritt sorgte für viel Heiterkeit und passte perfekt zum Charakter des Festes. Denn Humor gehört ebenso zum Eselfest wie die Tiere selbst.
Dass Marxer anschliessend sogar beim Grossen Preis von Malbun antrat, machte seinen Auftritt endgültig zu einer der Geschichten dieses Festtages.
Der Grosse Preis von Malbun
Am Nachmittag verlagerte sich die Aufmerksamkeit vom Hindernisparcours auf den Grossen Preis von Malbun. Sieben Reiter gingen mit ihren Eseln beim Galopprennen durch das Dorf an den Start.
Hier wurde es tatsächlich sportlich. Die Teilnehmer mussten ihre Tiere über die Rennstrecke bringen und möglichst schnell ins Ziel gelangen. Gleichzeitig blieb aber auch beim Grand Prix das grundlegende Prinzip des Eselfestes bestehen: Ein Esel lässt sich nicht wie ein Rennpferd steuern.
Unter den Zuschauern konnte sogar auf die Favoriten gewettet werden. Für zehn Franken durften die Festbesucher auf ihren persönlichen Favoriten setzen.
Eine besondere Rolle spielte dabei Annika Litscher, die 2024 mit ihrer Eselin Jona den Grossen Preis gewonnen hatte. Diesmal erwies sich die Titelverteidigerin allerdings nicht als Glücksgriff für die Wettfreudigen: Sie kam als Letzte ins Ziel.
Jelena Beck gewinnt den Grand Prix
Am Ende setzte sich Jelena Beck mit Esel Nummer 2, Alisha, durch. Sie gewann den diesjährigen Grossen Preis von Malbun und durfte sich über den Sieg beim Höhepunkt des Eselfestes freuen.
Die ersten drei Plätze:
1. Jelena Beck mit Alisha
2. Elias Marxer
3. Nicole Litscher mit ihrem Esel
Dahinter folgten Selina Lippuner, Michelle Giger und Lina Meier.
Damit war der Tag für Jelena Beck besonders erfolgreich. Das Foto im vorliegenden Zeitungsbericht zeigt sie kurz vor dem Zieleinlauf – mit erhobenen Armen und offensichtlich bereits im Wissen, dass der Sieg zum Greifen nahe ist.

Der menschliche Esel auf Platz zwei
Dass Elias Marxer im Eselskostüm den zweiten Platz belegte, gehört zu den kuriosesten Episoden des diesjährigen Festes.
Sein Auftritt war zunächst als humorvolle Einlage zu seinem Polterabend gedacht. Mit Startnummer eins nahm er am Parcours teil und sorgte dort für Unterhaltung. Beim anschliessenden Rennen wurde aus dem Spass schliesslich eine bemerkenswerte Platzierung.
Der zweite Rang eines menschlichen «Esels» hinter Jelena Beck und Alisha dürfte damit zu den ungewöhnlicheren Ranglistenmomenten in der Geschichte des Eselfestes gehören. Die Veranstaltung nahm den Auftritt mit dem nötigen Humor – schliesslich gehört ein gewisser Eigensinn zum Wesen des Festes.
Eine Tradition mit internationaler Ausstrahlung
Das Eselfest ist längst nicht mehr nur ein kleiner lokaler Anlass. Teilnehmer und Besucher kommen auch aus der Schweiz und anderen Regionen nach Malbun. Die Verbindung zum Esel ist dabei ein wichtiger Bestandteil des besonderen Charakters.
Eine Teilnehmerin aus der Schweiz erklärte im Bericht, dass gerade die Verbindung zum Esel das Fest so besonders mache. Man könne dabei viel über die Tiere lernen und neue Menschen kennenlernen.
Auch ältere Esel gelten bei den Wettbewerben keineswegs als chancenlos. Im Gegenteil: Erfahrung kann ein entscheidender Vorteil sein, weil ältere Tiere die Hindernisse bereits kennen und wissen, was auf sie zukommt.
Ein Fest, bei dem der Esel im Mittelpunkt steht
Bemerkenswert ist, dass das Eselfest trotz seines sportlichen Wettbewerbscharakters nicht primär auf Leistung ausgerichtet ist. Vielmehr steht die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Vordergrund.
Das zeigt sich auch bei den Preisen. Nach Angaben der Veranstalter erhalten die Teilnehmer letztlich denselben besonderen Lohn: einen Sack Rüebli für den Esel. Medaillen und Pokale gibt es ebenfalls, doch der eigentliche Star des Tages bekommt seine Belohnung in Form einer der Lieblingsspeisen.
Damit bleibt das Eselfest seinem ursprünglichen Charakter treu. Es geht um Gemeinschaft, Spass und eine besondere Form des Umgangs mit einem Tier, das jahrhundertelang zum Leben in den Bergen gehörte.
Ein Stück lebendige Tradition
Das 28. Eselfest zeigt eindrücklich, wie aus einer früheren landwirtschaftlichen Notwendigkeit ein lebendiger Brauch entstehen kann. Der Esel, der einst Lasten über die alpinen Wege transportierte, steht heute im Mittelpunkt eines Sommerfestes, das Generationen zusammenbringt.
Kinder führen ihre Esel durch den Parcours, Erwachsene verfolgen das Rennen, Teilnehmer messen sich miteinander – und am Ende bekommt jedes Tier seinen Sack Rüebli.
Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz des Eselfestes aus. Es ist Sport, Brauchtum, Familienfest und Unterhaltung zugleich. Vor allem aber ist es ein Fest, bei dem der Mensch lernen muss, sich auf das Tempo des Tieres einzulassen.
Und dieses Tempo kann manchmal durchaus langsam sein.
Das macht den Esel aber nicht weniger zum Star.

Factbox – Eselfest Malbun 2026
| Fakt | Information |
|---|---|
| Veranstaltung | Eselfest Malbun |
| Ausgabe 2026 | 28. Eselfest |
| Datum | Samstag, 8. August 2026 |
| Ort | Malbun, Triesenberg |
| Tradition | Eselfest seit 1996 |
| Hintergrund | Aus einem landwirtschaftlichen Esel-Wettbewerb entwickelte sich der heutige Brauchtumsanlass |
| Hindernisparcours | Rund 50 Kinder |
| Esel | Rund 15 Esel nahmen am Fest teil |
| Besonderer Teilnehmer | Elias Marxer als «menschlicher Esel» mit Startnummer 1 |
| Grosser Preis von Malbun | Galopprennen durch das Dorf |
| Teilnehmer Grand Prix | 7 Reiter-Esel-Paare |
| Siegerin Grand Prix | Jelena Beck mit Alisha (Esel Nr. 2) |
| 2. Platz | Elias Marxer |
| 3. Platz | Nicole Litscher mit ihrem Esel |
| Weitere Platzierungen | Selina Lippuner, Michelle Giger, Lina Meier |
| Titelverteidigerin | Annika Litscher mit Jona, Siegerin 2024 |
| Besonderheit | Annika Litscher kam 2026 als Letzte ins Ziel |
| Traditioneller Preis | Sack Rüebli für die Esel |
| Besonderheit des Festes | Tierwohl und der respektvolle Umgang mit den Eseln stehen im Mittelpunkt |
| Historische Einordnung | 2016: 20. Eselfest; 2023: 25.; 2024: 26.; 2025: 27.; 2026: 28. Ausgabe |











