Wußten Sie, dass es in Italien noch sehr viele dieser orangefarbenen Radarsäulen gibt, diese aber nicht mehr durchgehend in Betrieb sind?
Wer durch Südtirol, die Lombardei oder die Toskana fährt, entdeckt sie noch überall am Straßenrand: die bekannten orangefarbenen Radarsäulen. Viele davon dienen heute lediglich als Gehäuse, in die bei Bedarf mobile Messgeräte eingesetzt werden. Gleichzeitig hat Italien die Regeln für Geschwindigkeitskontrollen in den letzten Jahren deutlich verschärft. Die Regierung unter Verkehrsminister Matteo Salvini hat 2024 neue Vorschriften erlassen, welche die Platzierung von Radarfallen stärker regeln und deren Einsatz an bestimmte Voraussetzungen knüpfen. Ziel war es, die vielfach kritisierte „Blitzerflut“ einzudämmen und den Fokus wieder stärker auf die Verkehrssicherheit statt auf mögliche Einnahmen zu legen. Feste und mobile Kontrollen bleiben weiterhin zulässig, allerdings unter strengeren Rahmenbedingungen. Die Behauptung, es dürften nur noch Polizisten mit Radar-Pistolen messen, wäre hingegen nicht korrekt. Auch stationäre und mobile Anlagen sind weiterhin erlaubt, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Diese Diskussion führt zwangsläufig zu einer Frage, die viele Verkehrsteilnehmer auch bei uns im Ländle beschäftigt:
Wann dient ein Radar tatsächlich der Sicherheit – und wann entsteht zumindest der Eindruck, dass es vor allem ums Kassieren geht?
Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass Tempokontrollen notwendig sind. Vor Schulen, Kindergärten, Seniorenheimen oder an gefährlichen Kreuzungen können sie Leben retten. Wer dort deutlich zu schnell unterwegs ist, gefährdet andere Menschen und muss mit Konsequenzen rechnen.
Doch gleichzeitig wächst bei vielen Bürgern das Gefühl, dass in manchen Gemeinden ein regelrechter Radarwettbewerb entstanden ist.
Man fährt durch eine einzige Region und begegnet innerhalb weniger Kilometer einer verwirrenden Abfolge von Geschwindigkeitsbeschränkungen:
30 km/h.
40 km/h.
50 km/h.
60 km/h.
70 km/h.
80 km/h.
90 km/h.
100 km/h.
110 km/h.
120 km/h.
130 km/h.
In der Schweiz und Liechtenstein gibt es Innerorts zumindest das GENERELL 50 km/h. Doch zurück nach Gsiberg: Kaum hat man sich an eine Geschwindigkeit gewöhnt, folgt bereits das nächste Schild. Wer sich ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren möchte, muss gleichzeitig permanent den Tacho und die Beschilderung im Auge behalten. Die Folge ist nicht mehr Sicherheit, sondern oftmals Verunsicherung.
Besonders problematisch wird es dort, wo Geschwindigkeitsbeschränkungen für Ortsfremde nur schwer nachvollziehbar erscheinen. Der durchschnittliche Autofahrer fragt sich dann nicht mehr: „Wie kann ich hier sicher fahren?“, sondern: „Welche Geschwindigkeit gilt hier eigentlich gerade?“
Genau diesen Punkt greifen zwei Leserbriefe in den Vorarlberger Nachrichten von vergangener Woche auf.
Ein Leser aus Götzis schildert die Situation in Hohenems. Dort gelte innerhalb des Stadtgebiets grundsätzlich Tempo 30, obwohl auf einzelnen Straßenabschnitten ausdrücklich Tempo 40 erlaubt sei. Wer eine solche Straße verlässt, falle automatisch wieder in die allgemeine 30-km/h-Regelung zurück. Der Leser kritisiert dabei nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung selbst, sondern die aus seiner Sicht komplizierte und für Ortsfremde schwer verständliche Regelung.
Ein weiterer Leser aus Zwischenwasser äußert sich zur Situation in Rankweil. Er betont ausdrücklich, dass Tempokontrollen grundsätzlich wichtig seien. Kritik übt er jedoch an mobilen Messstellen, die seiner Wahrnehmung nach teilweise an weniger offensichtlichen Stellen positioniert würden, während andere Verkehrssicherheitsprobleme im Alltag nicht dieselbe Aufmerksamkeit erhielten.

Beide Zuschriften haben einen gemeinsamen Nenner:
Es geht nicht um die Forderung nach rechtsfreien Straßen.
Es geht um Nachvollziehbarkeit.
Denn Akzeptanz entsteht dort, wo Regeln verständlich und logisch erscheinen.
Wenn Verkehrsteilnehmer erkennen, warum eine Beschränkung notwendig ist, wird sie wesentlich eher akzeptiert als dort, wo sie lediglich als bürokratische Vorschrift wahrgenommen wird.
Genau deshalb sollte die öffentliche Diskussion sachlich geführt werden.
Radaranlagen sind weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht.
Entscheidend ist ihr Einsatz.
Ein Radar vor einer Schule erfüllt einen anderen Zweck als ein Radar an einer Stelle, an der kaum jemand ein Sicherheitsrisiko erkennen kann.
Eine Gemeinde darf selbstverständlich Tempokontrollen durchführen. Sie darf auch Geschwindigkeitsbeschränkungen festlegen. Dennoch sollte sie sich immer wieder die Frage stellen:
Versteht ein durchschnittlicher Verkehrsteilnehmer den Sinn dieser Maßnahme auf Anhieb?
Wenn die Antwort „Nein“ lautet, besteht Verbesserungsbedarf.
Vielleicht braucht es weniger neue Radarboxen und stattdessen mehr Klarheit bei der Verkehrsführung.
Vielleicht braucht es weniger komplizierte Temporegelungen und dafür nachvollziehbare, einheitliche Konzepte.
Vielleicht braucht es auch weniger Schilderdschungel.
Denn Verkehrssicherheit entsteht nicht allein durch Kontrollen.
Sie entsteht vor allem dann, wenn Regeln verständlich, glaubwürdig und für die Bevölkerung nachvollziehbar sind.
Und genau dort liegt die eigentliche Herausforderung für Gemeinden, Verkehrsplaner und Behörden.
Nicht möglichst viele Strafen zu verhängen.
Sondern dafür zu sorgen, dass die Menschen freiwillig und aus Überzeugung die richtige Geschwindigkeit fahren.