I.K.H. Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein über Familie, Verantwortung und die Zukunft Liechtensteins
Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich die Sophie von Liechtenstein Stiftung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Mit Projekten wie love.li, schwanger.li oder Netzwerk Familie setzt sich die Stiftung insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien ein. Im Gespräch spricht Erbprinzessin Sophie über gesellschaftlichen Zusammenhalt, psychische Belastungen junger Menschen, persönliche Verantwortung – und darüber, warum Hoffnung selbst in schwierigen Zeiten nie verloren gehen darf. Gsi.News CR Bandi Koeck sprach mit Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein über ihre vielfältigen Projekte und gemeinnützigen Initiativen.
Bandi Koeck: Ihre Königliche Hoheit, die Sophie von Liechtenstein Stiftung engagiert sich seit Jahren für soziale und gesellschaftliche Anliegen. Was war ursprünglich Ihre persönliche Motivation, sich in diesem Ausmass für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einzusetzen?
Erbprinzessin Sophie:
Mein Mann und ich lebten am Anfang unserer Ehe ein paar Jahre in London und dort kam auch unser erstes Kind zur Welt. Unser zweites Kind wurde dann schon in Grabs geboren. Ich kannte also die Situation einer Ausländerin, die ein Kind erwartet und im Ausland zur Welt bringt, sozusagen doppelt und wollte deshalb für Mütter ohne eigene Familie vor Ort Unterstützung bieten. Zudem lernte ich damals zwei Frauen kennen, die in einem Schwangerschaftskonflikt schwere Entscheidungen getroffen hatten und daraus entstand das Bedürfnis, Frauen, die ungewollt schwanger sind, Hilfe und Beratung anbieten zu können.
Viele Menschen verbinden mit Ihrem Namen vor allem Empathie, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Welche Werte möchten Sie mit Ihrer Arbeit in Liechtenstein besonders stärken?
Erbprinzessin Sophie:
Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind sicher Werte, die heute schwinden und daher erneut gestärkt werden müssen.
Mit Projekten wie love.li setzt die Stiftung bewusst auf Prävention und Unterstützung für Kinder und Jugendliche. Warum ist gerade die mentale und emotionale Gesundheit junger Menschen heute ein so wichtiges Thema?
Erbprinzessin Sophie:
Ich denke wir sind uns zunehmend bewusst, dass die mentale und emotionale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährdet ist und psychische Erkrankungen zunehmen. Auch die Anzahl junger Erwachsener, die davon betroffen sind und daher nach Abschluss ihrer Schulbildung – so sie diese überhaupt abzuschliessen in der Lage sind – keinen Einstieg ins Berufsleben finden, steigt von Jahr zu Jahr. Es ist allein schon der demographischen Situation wegen eine gesellschaftliche Priorität, sich hier zu engagieren, aber darüber darf natürlich das einzelne Schicksal nicht vergessen gehen.
Jugendliche stehen zunehmend unter Leistungsdruck und erleben Unsicherheiten in einer sehr schnelllebigen Welt. Welche Botschaft möchten Sie jungen Menschen in Liechtenstein persönlich mitgeben?
Erbprinzessin Sophie:
Glaube an dich – auch dann, wenn es gerade schwierig ist. Lass dich nicht nur vom Tempo der Welt treiben, sondern finde deinen eigenen Weg und bleib dir selbst treu.
Sie engagieren sich als Schirmherrin des Liechtensteinisches Rotes Kreuz. Welche Bereiche des humanitären Engagement sollten aktuell höchste Priorität haben?
Erbprinzessin Sophie:
Das Einhalten des Humanitären Völkerrechts ist sehr wichtig und wird in den momentan etwa 130 weltweiten kriegerischen Konflikten leider zunehmend ignoriert.
Gerade kleinere Länder wie Liechtenstein leben stark von Solidarität und gegenseitiger Verantwortung. Wo sehen Sie die besonderen Chancen unseres Landes, gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv vorzuleben?
Erbprinzessin Sophie:
In der Freiwilligenarbeit, der unkomplizierten Nachbarschaftshilfe und im Vereinsleben.
Die Arbeit Ihrer Stiftung berührt oftmals sehr persönliche und sensible Lebensbereiche. Gibt es Begegnungen oder Erfahrungen, die Sie besonders geprägt oder bewegt haben?
Erbprinzessin Sophie:
Besonders bewegt mich, wenn Menschen auch in schwierigsten Lebenssituationen die Hoffnung nicht verlieren.
Wenn Sie auf die Entwicklung der Sophie von Liechtenstein Stiftung zurückblicken: Welche Projekte oder Initiativen erfüllen Sie besonders mit Stolz?
Erbprinzessin Sophie:
Dass es die Stiftung überhaupt gibt und wir seit 20 Jahren helfen können, freut mich sehr. Alle drei Bereiche, schwanger.li, love.li und Netzwerk Familie sind auf ihre Weise wichtig,
Viele Menschen schätzen an Ihrem Engagement, dass es nicht nur auf Aufmerksamkeit abzielt, sondern konkrete Hilfe bietet. Wie wichtig ist Ihnen dabei der direkte Kontakt zu Betroffenen und sozialen Einrichtungen (z.B. Spendentelefon)?
Erbprinzessin Sophie:
In den Beratungsstellen sind es vor allem die Beraterinnen und Berater, die Kontakt zu den Betroffenen habe. Da ich keine entsprechende Ausbildung habe, wäre es nicht sehr professionell, wenn ich in einer Beratungsstelle sitzen würde. Aber im Zuge meiner Schirmherrschaft bei der Stiftung „Liacht“ darf ich am jährlich ein Mal im Dezember stattfindenden Spendentag am Telefon Spenden entgegennehmen – eine Gelegenheit, die ich sehr schätze und die Freude macht.
In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft polarisiert geführt werden, scheint Ihre Arbeit stark auf Dialog und Menschlichkeit ausgerichtet zu sein. Wie gelingt es aus Ihrer Sicht, Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven zu bauen?
Erbprinzessin Sophie:
Indem man offen zuhört und einander mit Respekt begegnet.
Welche Rolle spielen Familie, persönliche Erfahrungen und Ihr Glaube für Ihre Motivation, sich langfristig sozial zu engagieren?
Erbprinzessin Sophie:
Wem viel gegeben ist, der hat die Verpflichtung viel zurückzugeben. Ich darf ein sehr privilegiertes Leben führen, habe die Gelegenheit interessante und spannende Menschen kennenzulernen, daher ist es nur selbstverständlich zurückzugeben und mich für jene einzusetzen, die Unterstützung brauchen. So wurde ich geprägt und so versuche ich es weiterzugeben und zu leben.
Sie begegnen durch Ihre Arbeit vielen Herausforderungen unserer Gesellschaft sehr unmittelbar. Wo sehen Sie derzeit den grössten Handlungsbedarf für Kinder, Familien und sozial benachteiligte Menschen in Liechtensteins?
Erbprinzessin Sophie:
Vor allem im Bereich der psychischen Belastungen, die auch bei Kindern und Familien spürbar zunehmen. Viele junge Menschen stehen unter Druck, fühlen sich verunsichert oder allein, Familien geraten an ihre Grenzen. Hier braucht es mehr Aufmerksamkeit, niederschwellige Unterstützung und das klare Signal, dass niemand mit solchen Herausforderungen allein bleiben muss.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von love.li und den weiteren Projekten der Stiftung in den kommenden Jahren?
Erbprinzessin Sophie:
Dass sie weiterhin so gut laufen und Unterstützung und Hilfe bieten können wie in den vergangenen 20 Jahren.
Viele Menschen betrachten Sie als Vorbild für verantwortungsbewusstes gesellschaftliches Engagement. Was bedeutet für Sie persönlich echte Verantwortung gegenüber einer Gesellschaft?
Erbprinzessin Sophie:
Das ehrt mich, aber ehrlich gesagt kenne ich viele Menschen, die sich noch weit mehr für den Nächsten und damit für die Gesellschaft einsetzen als ich. Echte Verantwortung zu übernehmen, bedeutet für mich hinzuschauen, Nöte zu erkennen und im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten sinnvoll zu helfen.
Wenn Sie einen Wunsch für die zukünftige Entwicklung Liechtensteins frei formulieren könnten: Welche Art von Gesellschaft möchten Sie kommenden Generationen hinterlassen?
Erbprinzessin Sophie:
Eine geerdete, vernünftige und menschliche Gesellschaft, die sich ihrer Wurzeln bewusst ist und auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens Gott eine Chance gibt.












