In der evangelischen Kirche A. u. H. B. in Feldkirch, unweit des Bahnhofs, begegnen Besucher derzeit einer Ausstellung, die sich bewusst jeder lauten Inszenierung entzieht. Die Werke von Matthias Masu Baumgartner und Stefan Kresser entfalten ihre Wirkung gerade durch Zurückhaltung – und durch die besondere Atmosphäre des schlichten Kirchenraums.
Man spürt in den Arbeiten der beiden Künstler deutlich, dass sie sich den allgemeinen Schwingungen dieser Welt nicht entziehen konnten und können. Krieg, Unsicherheit, gesellschaftliche Spannungen und die Fragilität des Menschlichen scheinen in vielen Exponaten nachzuhallen. Die Werke spiegeln auf subtile Weise das aktuelle Weltgeschehen wider und wirken in der stillen Kirche beinahe wie Mahnmale unserer Zeit.
Gerade in diesem reduzierten sakralen Raum entsteht jedoch kein Gefühl der Bedrängnis. Vielmehr eröffnet sich für viele Besucher eine unerwartete Ruhe. Die Kirche wird zu einem Ort der Reflexion, vielleicht sogar der inneren Einkehr. Zwischen den Werken entsteht eine besondere Stimmung – eine Art „Geborgenheit im ewig Vergänglichen“.

Bilder: Helmut Köck
Hier zeigt sich auch, wie weit der Begriff Kunst reichen kann: Er umfasst das Verstörende ebenso wie das Tröstende, das Politische ebenso wie das Spirituelle. Gerade an diesem Ort wird diese Vielschichtigkeit besonders greifbar.
Besondere Aufmerksamkeit ziehen die nahezu reinweißen Arbeiten auf sich. Ihre zurückhaltende Farbgebung wirkt zunächst still und fast entrückt. Beim näheren Hinsehen offenbaren sich jedoch feine Strukturen und Überlagerungen: Die Darstellungen sind mit einer Schrift versehen, die sinnbildlich alle Sprachen kennt – und damit auch alle Religionen, Kulturen und Ausdrucksformen menschlicher Existenz einschließt. Diese Werkbeschreibung ist auch direkt in der Kirche nachzulesen und vertieft den Zugang zu den Arbeiten.
Auch fotografisch wurde für die Ausstellung ein ungewöhnlicher Zugang gewählt: Statt klassischer Künstlerporträts entstehen bewusst irritierende, zeitbezogene Bilder. Denkbar sind Aufnahmen der beiden begnadeten und äusserst talentierten Künstler auf dem angrenzenden Friedhof – nebeneinanderstehend, mit dem Rücken zum Betrachter. Oder frontal fotografiert, während beide eine Hand vor das Gesicht halten. Bilder als Zeichen einer Zeit, die zwischen Sichtbarkeit und Verbergen, zwischen Erinnerung und Unsicherheit schwankt.