Fasten. Ein uraltes Wort. Und doch aktueller denn je.
Ob im Christentum die 40 Tage vor Ostern, im Islam der Ramadan, im Judentum Jom Kippur oder in buddhistischen Traditionen Tage der Enthaltsamkeit – Fasten zieht sich wie ein roter Faden durch alle großen Weltreligionen. Es ist mehr als bloßer Verzicht. Es ist ein bewusster Schritt zurück, um innerlich voranzukommen.
Und während wir früher vor allem an Fleischverzicht, Alkoholpause oder weniger Süßes dachten, braucht es heute vielleicht eine ganz andere Form des Fastens dringender denn je: Medienfasten.
Fasten – seit Jahrtausenden verankert
Im Christentum bedeutet Fasten Besinnung und Vorbereitung.
Im Islam steht der Ramadan für Selbstdisziplin, Dankbarkeit und Gemeinschaft.
Im Judentum dient etwa Jom Kippur der inneren Reinigung.
Im Buddhismus ist Enthaltsamkeit ein Weg zur Achtsamkeit.
Fasten heißt: Bewusst verzichten, um klarer zu sehen. Körperlich wie geistig.
Heute wissen wir: Intervallfasten kann Stoffwechselprozesse ankurbeln, Entzündungen reduzieren und das Wohlbefinden steigern. Alkoholpause entlastet Leber und Gehirn. Zuckerreduktion stabilisiert den Blutzucker und die Stimmung.
Aber was entlastet unseren Kopf?
Das Handy als moderne Versuchung
Wir leben in einer Welt permanenter Verfügbarkeit. Dauerbeschallung. Dauervergleich. Dauerempörung.
TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook. Messenger, WhatsApp. Breaking News im Minutentakt. Push-Meldungen. Schlagzeilen, die zu 90 Prozent aus Schreckensmeldungen bestehen. Krisen hier, Katastrophen dort.
Kein Wunder, dass viele Menschen sich müde, gereizt oder innerlich leer fühlen.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, das Handy bewusst wegzulegen. Für ein paar Stunden. Für einen Tag. Für ein ganzes Wochenende. Noch besser: Das Teil, das den Menschen permanent am Hintern oder Hosenbein zu kleben scheint, einfach abschalten.
Kein Internet heißt:
- kein zielloses Scrollen
- kein Vergleichen mit inszenierten Idealbildern
- kein Berieseln
- kein digitales Dauerrauschen
Und vor allem: keine Lebenszeitverschwendung.
Denn seien wir ehrlich – vieles ist Schein. Filter. Pose. Perfekt inszenierte Sekunden. Und wir vergleichen unser echtes Leben mit den Hochglanzmomenten anderer. Das kann nur unzufrieden machen.
Natur statt Newsfeed
Wer stattdessen in die freie Natur geht, spürt sofort den Unterschied. Wald statt WLAN. Bergluft statt Bildschirmlicht. Vogelgezwitscher statt Benachrichtigungston.
Ein Spaziergang in Wald und Wiese. Eine Wanderung in den Bergen. Barfuß durchs Gras. Ein Gespräch ohne Handy am Tisch.
Das ist echtes Leben. Es riecht, es klingt, es berührt.
Natur erdet. Bewegung befreit. Stille klärt.
Und plötzlich ist da wieder Lebenslust. Tatendrang. Kreativität.
Kinder und Jugendliche – unsere Verantwortung
Was mir besonders Sorge bereitet: Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Smartphone in der Hand auf. Oft unkontrolliert. Oft ohne Grenzen.
Unsoziale Medien sind für junge Menschen keine harmlose Spielerei. Sie sind Bühne, Vergleichsplattform, Bewertungsmaschine.
Likes ersetzen Selbstwert. Follower ersetzen Freundschaften. Der Algorithmus entscheidet, was wichtig ist.
Wie viele wertvolle Momente der Kindheit gehen verloren, weil der Blick am Display klebt, und das wahre Leben an uns vorbeizieht?
Wie viele echte Abenteuer und unbezahlbare Erlebnisse werden verpasst?
Wie viele persönliche Begegnungen und wichtige Gespräche finden nicht statt?
Kindheit und Jugend kommen nie zurück. Sie sind kein wiederholbarer Livestream.
Wir Erwachsenen tragen Verantwortung. Für Vorbilder. Für Regeln. Für bewusste Auszeiten.
Mein Appell
Fasten ist kein Rückschritt. Es ist ein Gewinn.
Vielleicht sollten wir in der kommenden Fastenzeit nicht nur auf Fleisch, Alkohol oder Süßes verzichten. Vielleicht ist es an der Zeit, auch einmal auf das Dauerrauschen der digitalen Welt zu verzichten.
Ein Abend ohne Handy.
Ein Sonntag ohne Social Media.
Ein Wochenende ohne News.
Wer es ausprobiert, wird merken: Die Welt dreht sich weiter. Und man selbst vielleicht endlich wieder ein Stück langsamer – aber bewusster.
Fasten heißt nicht, weniger zu leben.
Fasten heißt, wieder mehr vom Wesentlichen zu spüren.
Und das beginnt manchmal ganz einfach:
Mit dem Ausschalten eines Geräts.










