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„Social Media – ein demokratiegefährdendes Geschäftsmodell?“

von SN
22. Dezember 2025
in Vorarlberg
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Foto: hak has fk

Foto: hak has fk

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Am 20. November.2025 durften Julio Wieser und ich, Emilio Madlener, eine Reise in unsere Hauptstadt Wien antreten, um im Haus der Europäischen Union eine Podiumsdiskussion zum Thema „Social Media – ein demokratiegefährdendes Geschäftsmodell?“ zu besuchen. Teilnehmer der Diskussion waren:

  • Verena Kontschieder (ehemalige Meta-Managerin im Policy-Bereich; heute CEO von Opendata.ch und aktiv im „Prototyp Fund CH“ für „Tech for Good“.)
  • Peter Knees (Professor an der TU Wien; UNESCO Chair for Digital Humanism; Experte für Empfehlungsalgorithmen.)
  • Desiree Schmuck (Wissenschafterin für politische Kommunikation und Social Media; tätig an der Universität Wien und KU Leuven.)
  • Filip Paspalj (Experte für digitale Rechtsfragen; Schwerpunkt auf Datenschutz und Plattformregulierung.)

Im Haus der Europäischen Union wurden wir herzlich empfangen. Die Atmosphäre war konzentriert, zugleich aber offen genug, um Raum für ehrliche Einschätzungen und kritische Fragen zu lassen. Die Podiumsdiskussion wurde von Idan Hanin moderiert, der eine sanfte Brise Humor und Leichtigkeit in die Veranstaltung brachte.

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Gleich zu Beginn betonte Frau Schmuck, wie stark junge Menschen von hyperpersonalisierten Inhalten beeinflusst werden. Filterblasen, Echokammern und sogenannte „Newssnacking“-Gewohnheiten – also das Bilden von Meinungen auf Basis kurzer Schlagzeilen – prägen die politische Wahrnehmung vieler Jugendlicher. Ihre Ausführungen zeigten sehr deutlich, dass dadurch ein verzerrtes Informationsbild entstehen kann.

Verena Kontschieder berichtete aus ihrer Zeit bei Meta und gewährte überraschend offene Einblicke in interne Abläufe. Unter anderem sprach sie von diskriminierenden Suchfunktionen, die zwar entdeckt, aber anschließend nur unzureichend kommuniziert wurden. Ihren Vergleich des Algorithmus mit einem Kochbuch – das der Plattform genau vorgibt, wie sie Aufmerksamkeit gewinnt – empfanden wir besonders aufmerksamkeiterregend. Interessant war auch die Information, dass negative Reaktionen wie das „Wut-Emoji“ algorithmisch deutlich stärker gewichtet werden als Likes. Dies erklärt, warum uns häufig möglichst polarisierende Inhalte präsentiert werden.

Peter Knees ergänzte die technische Perspektive. Er stellte die Frage, inwieweit Empfehlungsalgorithmen demokratiefeindliche Dynamiken begünstigen können. Seine Antwort ließ Raum für Interpretation, machte jedoch deutlich: Die emotionalisierende Funktionsweise vieler Plattformen ist kein Zufall, sondern systematisch verankert.

Abgerundet wurde die Diskussion durch rechtliche Einschätzungen, unter anderem von Filip Paspalj. Er hob hervor, dass Social Media ein grundrechtssensibles Gebiet sei, in dem es zwar Fortschritte gebe – etwa beim Zugang zu Forschungsdaten oder der Meldefunktion –, welches aber weiterhin regelmäßige Anpassungen und klare Regeln brauche.

Im Anschluss folgten zwei politische Statements aus dem Europäischen Parlament, die der Diskussion zusätzliche Tiefe gaben:

  • Alexandra Geese (The Greens/EFA) hob die Bedeutung des Digital Services Act hervor. Sie betonte, wie essenziell Transparenz, starke Regulierung und eine aktive Zivilgesellschaft seien, um Social Media demokratieverträglich zu gestalten. Ihr Fokus lag besonders darauf, Machtasymmetrien zwischen Plattformen und Nutzerinnen und Nutzer auszugleichen.
  • Helmut Brandstätter (Renew Europe) sprach über die Notwendigkeit einer besseren Zusammenarbeit zwischen Plattformen und politischen Institutionen. Er unterstützte zudem die Idee, dass Nutzerinnen und Nutzer künftig ihren Algorithmus selbst auswählen können sollen, um mehr Selbstbestimmung im digitalen Raum zu ermöglichen. Sein Beitrag betonte die Bedeutung klarer demokratischer Schutzmechanismen.

Zum Abschluss sprachen die Diskutierenden über Zukunftsvisionen und mögliche Maßnahmen. Genannt wurden mehr Transparenz, eine stärkere Selbstbestimmung der Nutzerinnen und Nutzer (z. B. die Auswahl des Algorithmus), sowie strengere gesetzliche Rahmenbedingungen. Auch eine Obergrenze für tägliche Veröffentlichungen wurde als interessante, wenn auch ungewöhnliche Idee angesprochen.

Für Julio und mich war der Besuch äußerst wertvoll. Die Veranstaltung bot einen tiefen Einblick in die komplexen Herausforderungen, die Social Media für unsere Demokratie darstellen kann und wie sowohl wir als auch die Betreiber der Sozialen Medien gefahrenbewusster mit den Konsequenzen umgehen sollten. Im Anschluss an den Vortrag durften wir auch noch ein kurzes Interview mit Idan Hanin führen und einem anschließenden Gespräch unterhielten wir uns weiterhin über Soziale Medien beziehungsweise deren Effekt auf unser Leben.

Emilio Madlener – EU-Juniorbotschafter (4db) hak fk

Tags: FeldkirchHAK Feldkirchhak has fkSchuleWien
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