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Start Meinung gsi.kolumne

Über die Wahrnehmung der Politik

von Red
25. März 2021
in gsi.kolumne, Politik
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Von Dr. Albert Wittwer

Wie wir Politik bewerten.

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Sie gönnen sich kaum Schlaf, unser Kreis von jugendlichen, bestgekleideten Ministerinnen und Ministern, legen höchsten Wert auf Kommunikation mit uns, ihren Wählern. Unvermeidlich über die Medien, daher schalten sie fleißig Inserate, das hilft auch den Redaktionen. Und beschäftigen eindrucksvolle „Kabinette“ qualifizierter, stromlinienförmiger Experten. Das war bei der Bierlein schon mickrig. Wir wissen und schätzen das.

Konzernbesteuerung, Transparenz, Kinder aus Moira, CO2-Abgabe, Mindestsicherung, Bodenversiegelung, Ganztagsschulen? Gut, wir wollen keine fruchtlosen Diskussionen beim Familienabendessen und später dann am Stammtisch, wenn die Kneipe wieder offen hat. Halten ihnen, wie der Kirche, die Treue. Aber das ist ein anderes Thema. Die Chefs dort sind ja auch geweiht, nicht bloß gewählt. Außerdem sind sowieso alle Politiker irgendwie gleich, auch die Nörgler von den Oppositionsparteien. „Es kommt nichts Besseres nach!“

Diskussionen führen zu nichts. Wir wissen, wo wir stehen und dazu stehen wir. Die Überstudierten nennen das kognitive Dissonanz, das Ausblenden von Fakten, die nicht zu unserem Weltbild passen. Ein unverdächtiges Beispiel: Entweder: Der ignorante Beamte Auer hat selbstherrlich 1,9 Millionen Impfdosen, die für uns reserviert waren, nicht abgerufen. Oder: Über alle möglichen Impfangebote wurde stets im Ministerrat berichtet und man glaubte im November 2020, darauf verzichten zu können. Das erste gefällt uns besser.

Damit kein Irrtum aufkommt: Wer wußte schon im November, welche der damals allesamt noch ungeprüften Impfungen dann funktionieren, ob die veranschlagten € 200 Millionen reichen werden. Nur alle Hellseher ex post. Während bei uns seit zwei Monaten gratis getestet wird, diskutieren die Schweizer noch, ob das einen Sinn hat und ob es wirklich der klamme Bund oder der jeweilige Wohnsitzkanton bezahlen soll. Es ist auch kein Naturgesetz, daß Österreich alle diese Coronahilfen fast diskussionslos überweist und jeden, der will, gratis impft.

Wir haben zwar alle dieselben Informationen. Aber wir lesen sie verschieden.

Wer glaubt, daß die Regierenden sich vor einigen Kindern und Müttern aus Moira wirklich fürchten? Aber hier wollen sie ihre Schäfchen bei Laune halten. Mit allen Mitgliedsstaaten der EU ohne Mittelmehrküste lassen sie einträchtig die Griechen und Italiener bei der Aufnahme Geflüchteter im Stich. Willkommenskultur ist inzwischen ein Schmähwort. Die Seepolizei der Europäischen Union Frontex, berichten die Nichtregierungsorganisationen, führe inzwischen einen ungeklärten Abwehrkrieg gegen Gummiboote. Nur mit viel Glück landen sie in der Türkei, die mit den Milliarden der EU eine seriöse Flüchtlingsversorgung leistet. Ein notwendiges Übel oder ein unrühmliches Versagen gegen Geist und Buchstaben der Europäischen Menschenrechtskonvention. Werden wir uns dereinst rechtfertigen, wir hätten nichts davon gewußt?

Anmerkungen:

Hellseher ex post: Im Nachhinein ist man immer klüger.

Die Eidgenossenschaft hat eine konsolidierte Staatsverschuldung inkl. Coronahilfen von ca. 25 % des Sozialproduktes, die Österreichische dürfte jetzt gegen 90 % des Sozialproduktes tendieren.

Ein ganzes Drittel der Mitglieder der Schweizer Bundesversammlung verzichtet auf die wiederkehrenden Corona-Tests; was für ein Vorbild. Quelle: SRF news.

Nach einer Studie der Donau Universität Krems waren von fünf Millionen Schnelltests 100.000 falsch positiv – und wurden durch PCR-Test rasch widerlegt. Aber nur 6.000 falsch negativ!

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