50 Jahre Affenberg Salem – Eine Erfolgsgeschichte zwischen Tierbegegnung, Natur und Artenschutz

Affenberg Salem. Fotos: Bandi Koeck

Ein halbes Jahrhundert voller faszinierender Begegnungen: Der Affenberg Salem feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen. Was 1976 mit einer außergewöhnlichen Idee und 164 Berberaffen begann, hat sich zu einem der bekanntesten Natur- und Ausflugsziele am Bodensee entwickelt. Heute stehen hier nicht nur die berühmten Affen im Mittelpunkt. Auch die Störche, das frei lebende Damwild und die besondere Verbindung von Naturerlebnis, Forschung und Artenschutz machen den Besuch zu einem Erlebnis für die ganze Familie.

Wer den Affenberg Salem besucht, merkt schnell, dass dieser Ort mehr ist als ein gewöhnlicher Tierpark. Hier begegnet man Tieren nicht nur aus sicherer Entfernung hinter Gittern. Vielmehr taucht man in eine weitläufige Naturlandschaft ein, beobachtet Tiere in ihrer vertrauten Umgebung und erlebt dabei immer wieder überraschende Momente. Ein neugieriger Berberaffe, der sich am Wegesrand niederlässt, ein majestätisch kreisender Storch oder eine Gruppe Damhirsche, die gemächlich durch das Grün zieht: Es sind diese Begegnungen, die den besonderen Reiz des Affenbergs ausmachen.

2026 ist dafür ein ganz besonderes Jahr. Der Affenberg Salem blickt auf fünf Jahrzehnte Geschichte zurück – fünf Jahrzehnte, in denen aus einer ungewöhnlichen Idee ein bedeutender Ort für Tierbeobachtung, Naturvermittlung und Artenschutz geworden ist.

Von einer mutigen Idee zu einem besonderen Naturpark

Die Geschichte des Affenbergs begann 1976. Die beiden Gründer Baron Gilbert de Turckheim und Jacques Renaud hatten eine Vision: Sie wollten einen Ort schaffen, an dem Berberaffen möglichst naturnah leben und Besucher die Tiere ohne trennende Gitter oder tiefe Gräben beobachten können.

Mit 164 Berberaffen aus zwei französischen Tierparks wurde diese Idee am Mendlishauser Hof bei Salem Wirklichkeit. Das weitläufige Waldgebiet bot ideale Voraussetzungen. Die Tiere konnten sich frei bewegen, soziale Beziehungen entwickeln und ihr natürliches Verhalten zeigen. Für die Besucher entstand gleichzeitig eine außergewöhnliche Möglichkeit, den Primaten ganz unmittelbar zu begegnen.

Was damals als ambitioniertes Projekt begann, ist heute Deutschlands größtes Affenfreigehege. Knapp 200 Berberaffen leben mittlerweile auf einer Fläche von rund 20 Hektar. Die Tiere bewegen sich in ihrem Waldgebiet weitgehend frei und können selbst entscheiden, wo sie sich aufhalten möchten. Der etwa 1,5 Kilometer lange Rundweg führt die Besucher mitten durch dieses besondere Lebensumfeld.

Die Geschichte lässt sich auch an der Jubiläumsausstellung ablesen. Die historischen Stationen zeigen, wie sich der Affenberg über die Jahrzehnte entwickelt hat: von der Eröffnung 1976 über den Bau des Storchenweihers 1977 und die Gründung der Storchenstation 1978 bis zur zunehmenden Bedeutung wissenschaftlicher Verhaltensforschung in den folgenden Jahren.

Zum 50. Geburtstag wurde der Eingangsbereich des Affenfreigeheges neu gestaltet. Felsengrotten stimmen die Besucher auf die Welt der Berberaffen und deren ursprünglichen Lebensraum im nordafrikanischen Atlasgebirge ein. So verbindet der Park seine Geschichte mit neuen Ideen für die Zukunft.

Die Berberaffen – faszinierende Persönlichkeiten mit ausgeprägtem Sozialleben

Natürlich sind die Berberaffen die Stars des Affenbergs. Wer ihnen begegnet, erkennt schnell, dass es sich keineswegs um eine Ansammlung gleichartiger Tiere handelt. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter, seine Stellung innerhalb der Gruppe und seine individuellen Beziehungen zu den Artgenossen.

Die Heimat der Berberaffen liegt in den Gebirgsregionen Marokkos und Algeriens. Dort leben sie unter teilweise rauen klimatischen Bedingungen. Auch das Bodenseeklima bietet ihnen gute Voraussetzungen, weshalb die Tiere in Salem das ganze Jahr über im Freien bleiben können.

Besonders faszinierend ist ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Berberaffen leben in Gruppen mit komplexen Rangordnungen und engen familiären Bindungen. Sie kommunizieren durch Laute, Gesten und Körperhaltungen. Die gegenseitige Fellpflege spielt dabei eine wichtige Rolle. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Hygienemaßnahme aussieht, ist vor allem ein Ausdruck von Vertrauen, Freundschaft und sozialer Verbundenheit.

Mit etwas Geduld lassen sich auf dem Rundweg zahlreiche solcher Verhaltensweisen beobachten. Man sieht Jungtiere, die neugierig ihre Umgebung erkunden, Mütter, die ihren Nachwuchs beschützen, und ältere Tiere, die das Geschehen aufmerksam verfolgen. Manchmal wird gespielt, manchmal gestritten, manchmal ausgiebig miteinander gekuschelt.

Gerade diese unmittelbare Nähe macht den Besuch so eindrucksvoll. Die Affen sind nicht hinter Gittern zu sehen. Sie begegnen den Menschen in ihrer natürlichen Umgebung. Dabei gelten klare Regeln: Besucher dürfen die Berberaffen weder berühren noch füttern. Das schützt sowohl die Tiere als auch die Menschen und ermöglicht den Primaten, ihr natürliches Verhalten beizubehalten.

Ein zusätzliches Erlebnis bietet der 2023 eröffnete Treewalk. Der rund 250 Meter lange Baumwipfelpfad führt über Brücken und Plattformen in bis zu zwölf Metern Höhe durch den alten Buchenwald. Hier eröffnet sich eine ganz neue Perspektive auf das Leben der Affen. Mit etwas Glück begegnet man den Tieren sogar auf Augenhöhe in den Baumkronen.

Eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz

Der Affenberg ist jedoch nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch eine wichtige Einrichtung für den internationalen Artenschutz.

Die Berberaffen gehören zu den stark gefährdeten Tierarten. Lebensraumzerstörung, Abholzung, Überweidung und illegaler Tierhandel haben ihre Bestände in den vergangenen Jahrzehnten massiv schrumpfen lassen. Weltweit wird die Zahl der frei lebenden Tiere auf weniger als 8.000 geschätzt.

Die rund 200 Berberaffen in Salem bilden deshalb einen besonders wichtigen Reservebestand. Der Park versteht sich als eine Art Arche Noah für diese bedrohte Tierart.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist die wissenschaftliche Forschung. Schon in den Anfangsjahren wurden am Affenberg Verhaltensstudien durchgeführt. Die naturnahe Haltung ermöglicht es Wissenschaftlern, soziale Beziehungen, Kommunikation, Familienstrukturen und das Verhalten der Tiere über lange Zeiträume zu beobachten.

Die Erkenntnisse aus Salem und den Partnerparks haben wesentlich zum heutigen Wissen über Berberaffen beigetragen. Der Affenberg ist damit nicht nur ein Ort der Begegnung, sondern auch ein bedeutender Forschungsstandort.

Diese Verbindung von Tiererlebnis, Wissenschaft und Naturschutz gehört zu den Besonderheiten des Parks. Besucher sollen nicht nur schöne Eindrücke mit nach Hause nehmen, sondern auch ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und die Gefährdung der Tiere entwickeln.

Die Störche – vom bedrohten Vogel zur Erfolgsgeschichte am Bodensee

Wer den Affenberg besucht, wird bereits am Eingang auf eine weitere tierische Besonderheit aufmerksam: das unverwechselbare Klappern der Weißstörche.

Die Geschichte der Storchenkolonie reicht ebenfalls in die Anfangsjahre des Parks zurück. Ende der 1970er-Jahre war der Weißstorch in Baden-Württemberg stark bedroht. Im Jahr 1975 gab es im ganzen Bundesland nur noch etwa 15 Brutpaare. Die Gründer des Affenbergs wollten deshalb neben den Berberaffen auch dem heimischen Storch helfen.

1977 entstand zunächst der Storchenweiher. Er sollte einen neuen Lebensraum für Wasservögel und zahlreiche weitere heimische Tierarten schaffen. Ein Jahr später, 1978, wurde die Storchenstation gegründet. Sie widmete sich dem Schutz und der Wiederansiedlung des Weißstorchs am Bodensee.

Was damals begann, entwickelte sich zu einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte. Heute brüten auf dem Gelände rund 50 Storchenpaare. Damit beherbergt der Affenberg die größte freifliegende Storchenkolonie Süddeutschlands.

Die Störche sind längst zu einem Wahrzeichen des Parks geworden. Auf den Dächern der Gebäude reihen sich die Nester aneinander. Im Frühjahr kehren die Vögel aus ihren Winterquartieren zurück, besetzen ihre Horste und beginnen mit der Brut. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, wenn die Störche mit ausgebreiteten Flügeln auf den Dächern landen, ihre Partner begrüßen und mit lautem Schnabelklappern kommunizieren.

Im Frühsommer wird es besonders lebendig. Dann wachsen die Jungstörche in den Nestern heran. Die Altvögel sind ständig unterwegs, um Nahrung zu beschaffen. Im Juni werden die Jungtiere von den Storchenexperten beringt und teilweise mit Sendern ausgestattet. Dadurch lässt sich ihr späteres Zugverhalten wissenschaftlich untersuchen.

Im Spätsommer beginnt schließlich die große Reise nach Süden. Die Jungstörche üben ihre ersten Flugmanöver, sammeln sich und machen sich auf den Weg in ihre Winterquartiere. Wer den Affenberg im Laufe eines Jahres mehrfach besucht, kann diesen faszinierenden Kreislauf der Natur miterleben.

Auch der Storchenweiher ist ein lohnender Beobachtungsplatz. Er schafft Lebensraum für Wasservögel und zahlreiche weitere Tierarten. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass Naturschutz nicht bei einer einzelnen Tierart aufhört. Vielmehr entstehen Lebensräume, von denen ganze Artengemeinschaften profitieren.

Damwild – Begegnungen mit einer heimischen Hirschart

Neben den Berberaffen und den Störchen gehört das Damwild zu den großen Attraktionen des Affenbergs. In einer weitläufigen Anlage lebt eine stattliche Herde mit rund zwanzig Hirschkühen und ihren Jungtieren. Angeführt wird sie von Damhirsch Emil.

Damhirsche gehören zur Familie der Hirsche und sind vor allem wegen ihres charakteristischen Sommerfells bekannt. Die weißen Tupfen auf dem rotbraunen Fell verleihen ihnen ein besonders schönes Erscheinungsbild. Anders als bei vielen anderen Hirscharten verschwinden diese Flecken nicht mit zunehmendem Alter, sondern bleiben den Tieren lebenslang erhalten. Allerdings verändert sich das Fell im Winter zu einem eher einheitlichen Graubraun.

Die Tiere strahlen eine besondere Ruhe aus. Wer sie beobachtet, erlebt eine ganz andere Art der Tierbegegnung als bei den quirligen Berberaffen. Die Hirschkühe bewegen sich mit ihren Jungen durch das Gelände, während der Damhirsch seine Herde aufmerksam im Blick behält.

Ein besonderes Erlebnis sind die moderierten Fütterungen. Dabei dürfen sich auch die Besucher beteiligen und das Damwild selbst füttern. Das dafür vorgesehene Futter wird vom Park kostenlos bereitgestellt. Gerade für Kinder ist diese Begegnung ein unvergesslicher Moment.

Die Damwildanlage ergänzt das Gesamtkonzept des Affenbergs auf ideale Weise: Hier lassen sich heimische Wildtiere aus nächster Nähe erleben und beobachten.

Ein Ausflugsziel für jede Jahreszeit

Der Affenberg Salem ist kein Ort, den man nur einmal besucht und anschließend vollständig kennt. Vielmehr verändert sich das Erlebnis mit den Jahreszeiten. Wer wiederkommt, entdeckt immer wieder neue Details und erlebt die Tiere in unterschiedlichen Lebensphasen.

Im Frühling erwacht der Park zu neuem Leben. Die Störche kehren aus dem Süden zurück, beziehen ihre Nester und beginnen mit der Brut. Auch bei den Berberaffen steht die Zeit des Nachwuchses bevor. Die ersten Jungtiere sorgen für besonders lebhafte Szenen im Freigehege. Die Natur zeigt sich von ihrer frischen, grünen Seite.

Der Sommer ist die Zeit der Tierfamilien. In den Storchennestern wachsen die Jungvögel heran, die Berberaffenmütter tragen ihre Babys durch den Wald und das Damwild zeigt sein prächtiges, weiß getupftes Sommerfell. Gleichzeitig bieten die schattigen Buchenwälder angenehme Bedingungen für einen ausgedehnten Rundgang. Der Treewalk eröffnet zusätzliche Perspektiven und macht den Besuch gerade an warmen Tagen besonders reizvoll.

Im Herbst verändert sich die Atmosphäre. Die Blätter der Bäume färben sich, die Landschaft wird ruhiger und die Störche bereiten sich auf ihren Zug in den Süden vor. Die Berberaffen bleiben dagegen auch in der kühleren Jahreszeit draußen. Ihr dichtes Fell schützt sie vor den Temperaturen. Auch das Damwild zeigt nun sein winterliches Fellkleid. Der Herbst bietet deshalb ganz eigene fotografische Möglichkeiten und eine besondere Stimmung.

Der Winter ist die Zeit der Ruhe und der Vorbereitung. Zwar bleibt der Park für Besucher während der Winterpause geschlossen, doch die Tiere und die Arbeit des Teams stehen keineswegs still. Die Berberaffen leben weiterhin in ihrem Waldgebiet, die Störche befinden sich überwiegend in ihren Winterquartieren und hinter den Kulissen wird bereits an der nächsten Saison gearbeitet.

Es lohnt sich deshalb, den Affenberg nicht nur als einmaliges Sommerausflugsziel zu betrachten. Wer die unterschiedlichen Jahreszeiten bewusst erlebt, entdeckt immer wieder neue Seiten dieses Naturparks. Allerdings ist zu beachten, dass der reguläre Besucherbetrieb saisonal von März bis November stattfindet.

Ein Erlebnis für die ganze Familie

Ein Besuch am Affenberg verbindet Unterhaltung und Wissensvermittlung auf angenehme Weise. Kinder können Tiere aus nächster Nähe beobachten, Fragen stellen und bei den moderierten Fütterungen viel über ihre Lebensweise erfahren. Für Erwachsene bietet der Park interessante Einblicke in Biologie, Verhaltensforschung und Artenschutz.

Der Rundweg ist so gestaltet, dass man sich Zeit nehmen kann. Es lohnt sich, nicht einfach möglichst schnell von einer Attraktion zur nächsten zu gehen, sondern immer wieder stehen zu bleiben und die Tiere zu beobachten. Gerade bei den Berberaffen sind es häufig die kleinen Szenen, die besonders faszinieren.

Ein Informationsangebot mit geschulten Mitarbeitern, interaktiven Stationen und moderierten Fütterungen ergänzt das Naturerlebnis. Für Kinder gibt es einen Abenteuerspielplatz, während die Affenberg-Schenke mit ihrem Biergarten Gelegenheit zu einer gemütlichen Pause bietet.

Wer den Besuch mit einem besonderen Erlebnis verbinden möchte, sollte auch den Treewalk einplanen. Und wer sich für die Geschichte des Parks interessiert, findet im Jubiläumsjahr zusätzliche Informationen zur Entwicklung des Affenbergs seit seiner Gründung.

Mit seiner Lage in der reizvollen Bodenseeregion lässt sich der Besuch zudem gut mit weiteren Ausflugszielen verbinden.

50 Jahre – und die Geschichte geht weiter

Fünfzig Jahre nach seiner Gründung ist der Affenberg Salem ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie aus einer außergewöhnlichen Idee ein langfristig erfolgreiches Natur- und Artenschutzprojekt werden kann.

Die 164 Berberaffen des Gründungsjahres sind längst Geschichte. Heute leben rund 200 Tiere in einem großzügigen Waldgebiet. Aus den ersten Bemühungen um den Weißstorch ist eine der bedeutendsten freifliegenden Storchenkolonien Süddeutschlands entstanden. Der Storchenweiher bietet zahlreichen weiteren Arten einen wertvollen Lebensraum, und das Damwild ergänzt die vielfältige Tierwelt des Parks.

Dabei ist die eigentliche Erfolgsgeschichte nicht allein an Besucherzahlen oder Attraktionen zu messen. Sie zeigt sich vor allem darin, dass hier seit fünf Jahrzehnten Natur erlebbar gemacht und gleichzeitig Verantwortung für bedrohte Tierarten übernommen wird.

Der Affenberg Salem ist ein Ort, an dem man staunen, lernen und zur Ruhe kommen kann. Ein Ort, an dem Kinder ihre ersten intensiven Begegnungen mit Wildtieren erleben und Erwachsene die Natur aus einer neuen Perspektive entdecken. Ein Ort, an den man gerne zurückkehrt, weil sich mit jeder Jahreszeit, jedem neuen Tiernachwuchs und jeder Beobachtung eine andere Geschichte erzählt.

Das Jubiläum 2026 ist deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick auf fünf erfolgreiche Jahrzehnte. Es ist vor allem ein Versprechen für die Zukunft: Die Geschichte des Affenbergs ist noch lange nicht zu Ende.

FACTBOX: Affenberg Salem

50 Jahre Affenberg Salem – die wichtigsten Informationen auf einen Blick

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