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Alberts Notion: Die KI und das moralische Dilemma

von ALWI
9. September 2026
in gsi.kolumne, Meinung
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Dr. Albert Wittwer

Dr. Albert Wittwer

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Welchem moralischen Dilemma uns die KI aussetzt! Das beginnt damit, dass wir sie überhaupt anwenden. Die Hälfte der Schulkinder lässt sich von der KI bei den Hausaufgaben „helfen“. Dann ist für gut zehn Prozent der Vorarlberger „Lesen und Schreiben eine Hürde“. Die Drohnen suchen ihre Ziele nach Programmen – und irren sich. Die Juristen lassen sich die Bescheide ausstellen, etwa auch das österreichische Finanzamt.

Von Dr. Albert Wittwer

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Trotzdem kann die KI eine großartige Errungenschaft sein. Werkzeug. Außer sie wird von den Menschen sich selbst überlassen. Sie kann zweifellos Eisenbahnzüge und Flugzeuge steuern und Autos. Inzwischen beginnt sie damit, sich selbständig zu machen, oft aus Bequemlichkeit der menschlichen Sachbearbeiter, als sogenannter Agent. Das gelang den früher erfundenen Werkzeugen noch nicht. Weder der Steinaxt, dem Rad, der Dampfturbine, der Glühbirne und auch noch nicht der Kernspaltung, die zur Atombombe führte und den unendlich strahlenden, ausgemusterten Spaltabfällen, vorläufig im stillgelegten Salzbergwerk deponiert.

Also ist es hoch an der Zeit, der vorlauten künstlichen Intelligenz moralische Prinzipien einzubauen. Das haben die Philosophen schon vor rund hundert Jahren für den Roboter vorgesehen. Asimovs Gesetze sind noch immer aktuell:

Erstes Gesetz:
Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass ein Mensch zu Schaden kommt.

Zweites Gesetz:
Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, außer wenn solche Befehle dem Ersten Gesetz widersprechen.

Drittes Gesetz:
Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dies nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

Später hat Asimov seine Gesetze noch ergänzt:  

Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.

Was eine Verletzung ist, liegt auf der Hand. Ein Schaden kann auch ein Vermögensschaden oder moderner eine Schädigung der Lebensgrundlagen sein, also eigentlich der Biosphäre, beginnend bei der Bepflanzung der Wohnungsterrasse bis hin zu menschheitsverstärkten Wetterphänomenen wie Hitzeperioden und Hochwasser.

Manchmal ist die Zufügung von Schaden klar und ist nur abzuwenden, wenn wir aktiv bleiben oder werden, d.h. nicht vertrauen. Etwa:

Wir lassen den Automaten das Auto steuern und richten unsere Aufmerksamkeit „nur kurz!“ auf das Riesendisplay, Mäusekino, das inzwischen das ehemalige Armaturenbrett ziert. Der schmächtige Radfahrer und ein größerer Hund sind gleichzeitig auf der Fahrbahn, nur einem kann ausgewichen werden. Was macht die KI?

Die österreichischen Behörden beginnen damit, automatisch erstellte Bescheide nur noch elektronisch auszufertigen und zuzustellen, etwa für Unternehmen und sogar Privatpersonen, die sich nicht ausdrücklich abmelden. Da ein für den Rechtsunterworfenen negativer Bescheid jedenfalls in seine Sphäre eingreift, sollte stets eine Beamtin den Bescheid vor dem Absenden überprüfen. Ähnlich wie ein Arzt gerne die KI über eine Intervention befragen kann oder sogar soll, aber selber den Patienten aufklären und die Entscheidung abwägen muss.

Das moralische Dilemma von Soldaten hat Dav Grossmann in „On Killing“ eindrucksvoll beschrieben. Die Soldaten haben vielfach Tötungen unterlassen, bis durch Training, Indoktrination, Dämonisierung des gegnerischen Menschen und modernerweise durch permanente Überwachung die Tötungshemmung abtrainiert worden ist. Der unglaubliche Zynismus der aktuell Kriegsführenden bei Einsatz der neuen Drohnen und Raketen sowohl gegen Armeeangehörige als auch gegen Mütter und Kinder ist in der Ukraine und in Persien, Gaza und Westjordan weltweit bekannt, ein Routinebericht in den Nachrichten.

Wer kann davor schützen? Zuerst sollten wir die Kriegsherren abwählen, entsorgen. Literaten, Philosophen, Geistliche in Ost und West bezeichnen ihre Vorhaben schlicht als böse.*) Und die in den Waffensystemen verbaute KI muss zwingend Asimovs Erstes und Zweites Gesetz befolgen – und derartigen Befehl in Abwägung der moralischen Priorität, Schutz des menschlichen Lebens vor Treue und Gefolgschaft – verweigern.

Anmerkung:

*) Susan Neiman: „Nennen wir es böse“ u.v.a.

Tags: Albert WittwerKIKolumneKommentarMeinungTechnik
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