Reinhard Fendrich in Bregenz: Zwei Stunden Wiener Lebensgefühl unter freiem Himmel

Rainhard Fendrich und Band live auf der Seebühne Bregenz. Foto: Bandi Koeck

Es war ein Konzertabend, wie man ihn sich für einen Open-Air-Abschluss kaum besser wünschen konnte: sommerliche Temperaturen, ein klarer Abend über dem Bodensee, eine bestens aufgelegte Band und ein Publikum, das Reinhard Fendrich auf der Bregenzer Seebühne über zwei Stunden lang mittrug. Zum Abschluss seiner Jubiläumstournee machte der Wiener Liedermacher noch einmal Station im Ländle – und wurde dabei von einem Publikum gefeiert, das weit über Vorarlberg hinaus aus dem gesamten Vierländereck angereist war.

Text und Bilder: Bandi Koeck

Die Seebühne Bregenz bot dafür die passende Kulisse. Vor der nächtlichen Landschaft des Bodensees entwickelte sich der Abend zu einer Mischung aus Konzert, musikalischer Zeitreise und persönlicher Rückschau. Fendrich zeigte sich dabei nicht als distanzierter Star auf einer erhöhten Bühne, sondern als Entertainer, der immer wieder den direkten Kontakt zu den Menschen im Zuschauerraum suchte.

„22 Uhr ist das neue Mitternacht“

Dass Reinhard Fendrich mittlerweile 70 Jahre alt ist, wurde an diesem Abend durchaus thematisiert – allerdings mit dem für ihn typischen Augenzwinkern. Er stellte die bekannte Formel „70 ist das neue 50“ kurzerhand auf den Kopf und erklärte sinngemäß, dass vielmehr „22 Uhr das neue Mitternacht“ sei.

Das Publikum nahm diesen selbstironischen Blick auf das eigene Alter mit Humor. Überhaupt spielte das Alter an diesem Abend eine interessante Rolle: Fendrich blickte auf Jahrzehnte im Musikgeschäft zurück, ohne daraus eine nostalgische Selbstinszenierung zu machen. Vielmehr erzählte er Geschichten aus seiner Karriere, aus Begegnungen und Erlebnissen, aber auch aus seiner Kindheit: „Ohne den Zweiten Weltkrieg hätte es mich nie gegeben, denn meine Mutter war eine Sudetendeutsche und musste nach Wien fliehen.“ Zwischen den Liedern entstand so immer wieder der Eindruck eines persönlichen Gesprächs.

Gerade diese Passagen machten deutlich, weshalb Fendrich über Jahrzehnte eine besondere Verbindung zu seinem Publikum aufbauen konnte. Seine Lieder sind nicht bloß Schlager- oder Austropop-Klassiker, sondern vielfach mit konkreten Erinnerungen ganzer Generationen verbunden.

Ein Wiener im Ländle

Besonders gerührt zeigte sich Fendrich darüber, wie herzlich er ausgerechnet im äußersten Westen Österreichs empfangen wurde. Als Wiener, der an diesem Abend im Vorarlberger Ländle auftrat, genoss er den Applaus sichtlich.

Das Publikum wiederum war keineswegs ausschließlich vorarlbergisch. Die Lage der Seebühne mitten im Vierländereck spiegelte sich auch im Zuschauerraum wider. Österreicher, Deutsche, Schweizer und Liechtensteiner erlebten den Abend gemeinsam – wobei spätestens bei den großen Mitsingnummern die nationalen Unterschiede durchaus sichtbar wurden.

Einer der Höhepunkte war dabei ohne Zweifel „I am from Austria“.

Wenn das Ländle aufsteht: „I am from Austria“

Die Wirkung war unmittelbar: Als die ersten Takte erklangen, erhoben sich zahlreiche österreichische Konzertbesucher von ihren Sitzen und sangen den Klassiker mit sichtlich Herzblut lautstark mit. Aus dem Konzert wurde für einige Minuten ein gemeinsamer österreichischer Chor.

Für einen Teil des deutschen Publikums hatte diese Begeisterung allerdings einen unerwarteten Nebeneffekt: Von dort waren Beschwerden zu hören, dass man wegen der aufgestandenen Zuschauer nichts mehr sehen könne. Ein durchaus kurioses Detail eines ansonsten ausgesprochen harmonischen Konzertabends – und zugleich eine Szene, die die Wirkung dieses Liedes vielleicht besser beschreibt als jede Rezension.

„I am from Austria“ war an diesem Abend nicht einfach ein weiterer Hit. Es war ein kollektiver Moment der Identifikation.

Die Gäste aus Frastanz

Auch aus der Vorarlberger Politik war prominente Gesellschaft im Publikum. Landeshauptmann Markus Wallner aus Frastanz besuchte das Konzert gemeinsam mit seiner Gattin Sonja. Ebenfalls unter den Besuchern war die Frastanzer Vizebürgermeisterin und Gemeinderätin Michaela Gort.

Eine Setlist zwischen Frühwerk und großen Klassikern

Musikalisch setzte Fendrich stark auf bekannte Titel. Die Setlist liest sich beinahe wie eine Reise durch die Geschichte des österreichischen Austropop – wobei auffällt, dass ein erheblicher Teil der Auswahl aus einer frühen Phase seiner Karriere stammt.

Dass politische Prominenz und ganz gewöhnliche Konzertbesucher an diesem Abend Seite an Seite Fendrichs Lieder sangen, passte zum Charakter der Veranstaltung: Die Musik stand im Mittelpunkt, und Fendrich gelang es, die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum immer wieder aufzulösen.

Den Auftakt bildeten „Vogelfrei“, „Es tuat so weh“, „Vü schöner“, „Auf und davon“ und „Der Wind“. Danach folgten unter anderem „Wien bei Nacht“, „Von Zeit zu Zeit“, „Zwischen eins und vier“ und „Die die wandern“. Mit „Strada del sole“ und „Jesolo“ kamen weitere Stücke hinzu, die stark mit Fendrichs früher Schaffensperiode verbunden sind.

Gerade „Strada del sole“ gehört zu jenen Liedern, die unmittelbar mit dem jungen Reinhard Fendrich und der Entstehung des Austropop verbunden werden. Auch „Manchmal denk i no an di“ führt zurück in eine Zeit, in der seine musikalische Sprache noch deutlich stärker von den frühen Jahrzehnten seiner Karriere geprägt war.

Nach „I am from Austria“ ging es mit „Kein schöner Land“, „Tränen trocknen schnell“, „Schwarzoderweiss“, „Malibu“, „Frieda“, „Midlifecrisis“, „Schickeria“, „Blond“, „Macho Macho“ und schließlich „Nur ein Wimpernschlag“ weiter.

Damit war die Dramaturgie weniger auf eine möglichst breite Darstellung aller Schaffensperioden ausgerichtet als auf eine Auswahl jener Lieder, die beim Publikum besonders zuverlässig Erinnerungen und Mitsingreflexe auslösen.

Das Lied, das längst den Charakter einer inoffiziellen österreichischen Nationalhymne angenommen hat, hatte Fendrich nach eigener Aussage schon lange nicht mehr gespielt. Für Bregenz machte er eine Ausnahme.

Viele Hits – aber eine gewisse Rückwärtsgewandtheit

Das funktionierte beim Publikum ausgezeichnet. Gleichzeitig liegt genau darin auch der einzige nennenswerte Kritikpunkt an der musikalischen Auswahl.

Wer eine Jubiläumstournee zum Anlass nimmt, einen Künstler über mehrere Jahrzehnte hinweg neu zu vermessen, hätte sich durchaus eine überraschendere Setlist vorstellen können. Viele der gespielten Titel stammen aus der frühen Phase von Fendrichs Karriere. Das Publikum bekam somit zahlreiche große Hits und vertraute Klassiker, aber vergleichsweise wenig musikalische Entdeckungen.

Gerade bei einem Künstler mit einer derart langen Karriere wäre eine stärkere Durchmischung mit späteren Kompositionen, weniger häufig gespielten Stücken oder einer bewussteren Gegenüberstellung verschiedener Schaffensphasen reizvoll gewesen.

Das ist allerdings ein eher konzeptioneller Einwand. Im Konzert selbst erwies sich die Auswahl als äußerst wirkungsvoll. Schließlich lebt ein Open-Air-Abend mit mehreren tausend Menschen auch davon, dass ein Lied nach den ersten Takten erkannt wird und der ganze Platz mitsingen kann.

Zwei Zugaben zum Abschied

Nach „Nur ein Wimpernschlag“ war der Abend noch lange nicht beendet. Fendrich und seine Band kamen für zwei Zugaben zurück.

Den Anfang machte „Es lebe der Sport“, einer jener Titel, die den österreichischen Humor und Fendrichs Fähigkeit zur gesellschaftlichen Beobachtung besonders deutlich verkörpern. Danach folgte „Oben ohne“, das laut Setlist gemeinsam mit der Band gespielt wurde.

Zum endgültigen Abschluss stand „Bergwerk“ auf dem Programm – ein Titel, der dem Konzert noch einmal eine andere, emotionalere Farbe gab.

Damit war nach rund zwei Stunden endgültig Schluss. Kein pompöser Abschied, sondern ein musikalischer Schlusspunkt unter eine Tournee, die Fendrichs außergewöhnlich lange Karriere noch einmal Revue passieren ließ.

Ein Abend zwischen Erinnerung und Gegenwart

Das Besondere dieses Bregenzer Konzerts lag letztlich weniger in einzelnen spektakulären Momenten als in der Verbindung von Musik, Erinnerungen und unmittelbarer Publikumsnähe. Fendrich erzählte, scherzte, erinnerte sich und sang jene Lieder, mit denen mehrere Generationen aufgewachsen sind.

Dabei wurde deutlich, dass ein Künstler wie Fendrich längst selbst Teil der österreichischen Alltagsgeschichte geworden ist. „Strada del sole“, „Macho Macho“, „Schickeria“, „I am from Austria“ und die vielen anderen Titel sind nicht einfach Songs aus verschiedenen Jahrzehnten. Sie gehören zum kollektiven musikalischen Gedächtnis Österreichs.

In Bregenz kam noch eine besondere geografische Dimension hinzu. Ein Wiener stand auf der Bühne am Bodensee und wurde von einem Publikum aus vier Ländern gefeiert. Fendrich nahm diesen Umstand sichtbar wahr und zeigte sich bewegt darüber, wie herzlich ihn das Ländle empfing.

Der Abend endete deshalb nicht nur als Konzert, sondern als eine Art musikalische Heimkehr: Ein Wiener Künstler blickte auf seine Karriere zurück – und stellte fest, dass seine Lieder längst weit über Wien und Österreich hinaus ein Zuhause gefunden haben.

Factbox

Künstler: Reinhard Fendrich mit Band
Ort: Seebühne Bregenz, Vorarlberg
Anlass: Jubiläumstournee
Datum: 6. September 2026
Konzertdauer: rund zwei Stunden
Zugaben: zwei Zugabenblöcke, insgesamt mit „Es lebe der Sport“, „Oben ohne“ (mit Band) und „Bergwerk“
Besonderheit: Fendrich spielte nach längerer Zeit wieder „I am from Austria“; zahlreiche österreichische Besucher erhoben sich und sangen mit
Publikum: Besucher aus dem Vierländereck Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein
Prominente Gäste: Landeshauptmann Markus Wallner mit Gattin Sonja; Vizebürgermeisterin Michaela Gort
Setlist: „Vogelfrei“, „Es tuat so weh“, „Vü schöner“, „Auf und davon“, „Der Wind“, „Wien bei Nacht“, „Von Zeit zu Zeit“, „Zwischen eins und vier“, „Die die wandern“, „Strada del sole“, „Jesolo“, „Manchmal denk i no an di“, „I am from Austria“, „Kein schöner Land“, „Tränen trocknen schnell“, „Schwarzoderweiss“, „Malibu“, „Frieda“, „Midlifecrisis“, „Schickeria“, „Blond“, „Macho Macho“, „Nur ein Wimpernschlag“; Zugaben: „Es lebe der Sport“, „Oben ohne“ (mit Band), „Bergwerk“.
Setlist-Bewertung: Hitdichte sehr hoch, allerdings mit deutlichem Schwerpunkt auf älteren und teilweise bereits sehr frühen Titeln der Karriere; für eine Jubiläumstournee eine schlüssige, publikumswirksame, zugleich aber etwas konservative Auswahl.

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