Alberts Notion: Zwei Welten

Wasserfall. Bild: Albert Wittwer

In der heilen Welt kann man die Probleme mit Hausverstand lösen. „Das Gesetz über Naturschutz und Landschaftsentwicklung wird überarbeitet. Das sorgt für schnellere Entscheidungen und gleichzeitig für gezielten Schutz der Natur“. So die Vorarlberger Landesregierung in ihrer neuesten Erklärung.

Von Dr. Albert Wittwer

Was in aller Welt ist Landschaftsentwicklung? Stammt die Landschaft nicht aus der Frühzeit der Erde, geprägt vom Ende der letzten Eiszeit, als das Abrutschen der Gletscher die Täler ausformte, dann wieder teilweise ausgefüllt durch Muren, Erdbewegungen? Gezielter Schutz der Natur, bedeutet das, Teile der Vegetation, der Pflanzen- und Tierwelt, der Wiesen, Auen und Wälder „gezielt“ zu schützen, andere Teile der „Landschaft“ industriell-gewerblich zu bewirtschaften? Gibt es noch nicht genug Industriebrachen? Jeder, der mit dem Fahrrad durch Vorarlberg fährt, kann wohl ein Dutzend aufzählen.

Die Landesregierung bezeichnet ihre Pläne als „sinnvoll und notwendig“. Eigenlob? Keine zweite Meinung erforderlich. Ein Arzt, bevor er operiert, braucht die Zustimmung des informierten, mündigen Patienten. Der entscheidet über Sinn- und Notwendigkeit. Die Naturschutzanwältin – allein auf weiter Flur. Die sogenannte Wirtschaft, in Wahrheit ein Teil der Unternehmer, gibt Gas.

Ich fürchte mich vor dem Hausverstand. Wie schon der Name ahnen lässt, genügt er für den Hausmeister, der kontrolliert, ob der Abfall richtig sortiert ist und er wechselt die Sicherungen, wie es schon der Papi gemacht hat. Die Mitglieder der Regierung eines demokratischen Landes aber setzen kontrollierbare, ausformulierte Ziele, entwickeln Strategien, legen Zwischenbilanzen, verkünden keine Worthülsen voller Selbstlob.

In unserer Welt erdulden wir die längste Hitzeperiode im Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die jährlich nachwachsenden Ressourcen waren schon Anfang April aufgebraucht. Die Klimatologinnen sagen zusätzliche Hitzeperioden voraus.

Der Zugverkehr ist wegen der verformten Weichen eingeschränkt. Der Autobahn-Asphalt wellt sich, Vorarlberg hat den niedrigsten Grundwasserspiegel aller bisherigen Messungen. Tropennächte im Juni, sehr ungemütlich. Ventilatoren und Klimageräte: ausverkauft.

Welche Prioritäten sind da zu setzen? Tempolimits für Verbrenner festlegen? Bäume in den Städten pflanzen, Grünzonen bewässern, Moore und Feuchtwiesen renaturieren? Autoparkflächen verkleinern? Projekte sind begonnen und werden wohl intensiviert, das Hochwasserschutzprojekt Rhesi, Investitionsförderung in der Vorarlberger Almwirtschaft, Renaturierung von vier Flussauen.

Anmerkungen:

https://presse.vorarlberg.at/land/public/LH-Wallner-LR-Gantner-Naturschutz-mit-Hausverstand

https://science.orf.at/stories/3236169/ Jedes Jahr neue Temperaturrekorde.

https://presse.vorarlberg.at/land/public/Renaturierungen-an-vier-Gew-ssern-in-Vorarlberg

In Energiekrisen gab es schon Fahrverbote und zusätzliche Tempolimits, wäre wohl in der Hitzeperiode auch angebracht.

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