Der Klimaschutz rückt in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund. Für die „Klimakampagne Vorarlberg“ erklärbar: Viele Maßnahmen seien mittlerweile selbstverständlich. Allerdings mangle es an vorausschauender Planung. Eine Einschätzung, die auch Werner Kogler, Keynote-Speaker beim Neujahrsempfang des Netzwerks, teilt und Bilanz seiner Regierungszeit zog.
„Strom erzeugen mit PV-Anlagen, E-Autos fahren, Heizen mit Wärmepumpen. Klimataugliche Technologien sind mitten in der Gesellschaft angekommen und werden zunehmend zum ‚neuen Normal‘. Auch in der Industrie nimmt die Dekarbonisierung Fahrt auf“, freut sich KlimaVOR!-Obmann Christof Drexel. Genau wie über 40 andere Organisationen ist sein Verein im Netzwerk Klimakampagne Vorarlberg zusammengeschlossen. „Die Initiativen gehen von den Mitgliedern aus. Im Netzwerk finden wir schnell Gleichgesinnte zur Unterstützung“, so Drexel.

Werner Kogler, Keynote-Speaker beim Neujahrsempfang der Klimakampagne Vorarlberg. Foto: Lucas Breuer.
Chancen, Krisen und Kompromisse
Zum diesjährigen Neujahrsempfang lud das Netzwerk am Donnerstagabend Ex-Vizekanzler Werner Kogler ins vorarlberg museum ein. Der stellvertretende Klubchef der Grünen bilanzierte die Regierungsbeteiligung seiner Partei und gab Einblicke in Erfolge und Misserfolge bei der Klimapolitik. „2019 bestand die Chance, Umwelt und Wirtschaft unter einen Hut zu bringen“, beschrieb der Ex-Vizekanzler den Wechsel von der außerparlamentarischen Opposition in die Regierungsverantwortung. Es folgten 2020 die Corona-Pandemie und 2022 der russische Überfall auf die Ukraine, die schnelles Handeln und Kompromisse erforderten.
Auf der klimapolitischen Habenseite verbuchte Kogler die Ökologisierung des Steuersystems durch die CO2-Bepreisung: „Ökologische Transformation geht nur über Eingriff in Preise und Kosten“, so Kogler. Weitere Erfolge: Das Bremsen beim Straßenbau, das Klimaticket und der PV-Ausbau. Selbstkritisch merkte er etwa an, dass Diesel- und Dienstwagenprivileg überlebt hätten. Dafür wurde im Gegenzug das Einwegpfand herausverhandelt.
Politik muss vorausschauend agieren
Was die Landesebene anbelangt, wünscht sich Christof Drexel ein Mitziehen der politischen Entscheidungsträger:innen. „Jetzt unverändert an teuren Infrastrukturprojekten wie der S18 oder der Tunnelspinne festzuhalten, ist unverantwortlich – nicht nur klimapolitisch, sondern weil die dadurch verschärfte Budgetsituation den sozialen Zusammenhalt dramatisch gefährdet. In unserem Netzwerk sind zahlreiche Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen aktiv. Wir unterstützen politische EntscheiderInnen gerne im konstruktiven und ergebnisoffenen Dialog, gute Lösungen zu finden“, betont Drexel.










