Am internationalen Holocaust-Gedenktag, am 27. Jänner, hat die Marktgemeinde Rankweil das neue Mahnmal „memoria x pulvere“ des Künstlers Stefan Amann vorgestellt. Die „Erinnerungen aus Staub“ wurden bewusst dezentral gestaltet und an mehreren Friedhöfen als Orte der stillen Erinnerung installiert: am Valduna-Friedhof, am Waldfriedhof, am Unteren St.-Michael-Friedhof sowie bei den Friedhöfen St. Peter und St. Eusebius.
Zur Eröffnung in der Stickerei Rankweil begrüßte Kulturverantwortliche Katharina Leissing die zahlreich erschienenen Gäste. Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall erinnerte in ihrer Rede an die historische Dimension des Datums: „Heute, vor 81 Jahren, wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Dieser Tag mahnt uns alle – als Individuen und als Gesellschaft. Wir sind verpflichtet zu erinnern und wachsam zu bleiben.“

02 Mahnmal am Friedhof Unterer St. Michael am Liebfrauenberg.
Platz inmitten der Gesellschaft
Anschließend erörterte Katharina Leissing im Gespräch mit Stefan Amann die Symbolik seines Projekts „memoria x pulvere“. Einerseits das Material Ton: „Ton ist eines der ältesten Materialien der Menschheit. Er ist formbar, verletzlich und zugleich beständig – eine passende Metapher für das, woran wir erinnern wollen“, verdeutlichte der Künstler, der während seiner Recherche und Konzipierung auch einen Monat als Artist in Residence in der Rankweiler Häusle Villa verbrachte. Die Platzierung der Erinnerungsorte inmitten von Grabstätten soll die Opfer in die Mitte der Gesellschaft zurückbringen: „Friedhöfe sind Orte des Gedenkens – ganz zentrale Orte im gesellschaftlichen Raum. Wären diese Menschen nicht verfolgt, deportiert und ermordet worden, wären sie wahrscheinlich hier in Rankweil begraben. Deshalb wollte ich ihnen dort symbolisch eine letzte Ruhestätte geben.“
Entstanden ist das Mahnmal im Rahmen eines Wettbewerbs, den die Gemeinde anlässlich des 80-jährigen Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges 2025 ausgeschrieben hatte. Die Jury, bestehend aus Vertreter:innen der Gemeinde, Kunst- und Kulturexpert:innen sowie Jugendliche der Offenen Jugendarbeit Rankweil sprach sich damals aus 32 Einsendungen einstimmig für das „herausragende“ und „außergewöhnliche“ Projekt des in Bregenz lebenden Künstlers Stefan Amann aus.

03 Mahnmal am Waldfriedhof.
Zum Künstler
Stefan Amann, geboren 1971, arbeitet seit 20 Jahre als Gestalter und Berater mit Schwerpunkt auf Kommunikation, Szenografie und Signaletik. Seine Projekte entstehen im Kultur- wie im Unternehmenskontext. Darüber hinaus ist er am „vai Vorarlberger Architektur Institut“ tätig, unterrichtet an der Fachhochschule Vorarlberg und betreibt eine kleine Galerie für zeitgenössische Kunst in Feldkirch. Amann studierte Kommunikationsgestaltung in Vorarlberg und Manchester und war unter anderem in Berlin und Barcelona tätig. Seit 2025 ist er Mitglied der Kunstkommission des Landes Vorarlberg sowie des Innsbrucker Beirats für Erinnerungskultur. Amann war bereits bei vergleichbaren Projekten erfolgreich: So war er Finalist bei der Ausschreibung zum Widerstandsmahnmal in Bregenz und erhielt den ersten Preis für ein Gedenkzeichen für NS-Opfer in Innsbruck. Stefan Amann lebt mit seiner Familie in Bregenz.











