statt ökonomischem Wachstum
Von Albert Wittwer
Im Hallenbad, auf einem Liegestuhl, wickelt eine junge Frau ihr Baby. Es blickt auf, sieht mir ins Gesicht, und lächelt zurück. Empathie – die Resonanz von Gefühlen, Freude, Zuneigung, Wohlwollen, aber auch Schmerz.
Nicht nur „menschliche Tiere“ können sie empfinden. Viele Tierarten sind – nicht nur untereinander – sondern auch in Bezug auf Menschen oder andere Lebewesen dazu fähig.
Mit Empathie wird von Sapolsky die „Empfindung des „fremden“ Schmerzes beschrieben, ein authentisches Gefühl, das sich ohne kognitives, bewusstes Zutun einstellt… Mitleid geht einen Schritt weiter, es veranlasst zu konkreter Hilfe.“
In zahlreichen Fällen haben Säugetiere Menschen das Leben gerettet. Etwa umgab eine Gruppe von Delphinen einige Schwimmer mit einem schützenden Wall. Ein Hai umkreiste sie. Die Delphine begleiteten die Menschen bis ans Ufer. Auch trugen häufig Delphine einzelne, verlorene Schwimmer durch das bewegte Meer, Huckepack. Auch Gorillas und Elefanten sind für ihre Schutzmaßnahmen bei Kindern bekannt geworden.
Wir Menschen zeigen artenüberschreitend konkrete Hilfsbereitschaft. Aktuell die Rettung eines Buckelwales in der Lübecker Bucht. Um den Elch Emil nicht zu gefährden, wurde in St. Pölten ein Schnellzug stundenlang angehalten.
In der europäischen Gemeinschaft ist die Hilfsbereitschaft stark gesellschaftlich organisiert, von der medizinischen Intervention bis zur Altenpflege. Zusätzlich und berührend gibt es die spontane Hilfsbereitschaft – den Trost von Fremden.
Leider führt Reichtum zu Entfremdung. Und Macht korrumpiert. Das kann man täglich in den Nachrichten verfolgen. Diktatoren versuchen mit Hilfe ihrer Social-Media-Moguln, die Bevölkerung als Wähler und Soldaten zu manipulieren. Den Oligarchen, die sie unterstützen, ermöglichen sie, unsere Aufmerksamkeit zu monopolisieren und uns als Konsumenten zu bewirtschaften.
Aber wir sind eigensinnig. Längst ist die Grundannahme des Kapitalismus widerlegt, wonach jeder Mensch bei täglichem Handeln nur seinen unmittelbaren Vorteil verfolge. Vielmehr hatten schon die Frühmenschen und wir haben sie immer noch: eine starke Neigung zu Fairness und Mitgefühl.
Empathie, in unserem Alltag gelebt, hilft uns, die multiplen Krisen zu ertragen.
„Reiche Leute haben eine geringere Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen zu erkennen und erweisen sich … als gieriger …“ Wie schön, daß Sie und ich nicht reich genug sind, uns von den Schwestern und Brüdern und der Natur zu entfremden.
Zitate:
Robert Sapolsky: Gewalt und Mitgefühl. Piper 2021
Srf 2: https://www.srf.ch/news/walrettung-an-der-ostsee-wenn-tiere-menschen-retten-drei-erstaunliche-faelle;
Thomas Metzinger, Bewußtseinskultur Berlin Verlag: „menschliche Tiere“: fühlende und leidesfähige Wesen. ….“Wir könnten ökonomisches Wachstum durch geistiges Wachstum ersetzen“.












