Bandis Koecktail: Fernweh mit Sicherheitscheck oder: Wenn Reisekarten zu Risikokarten werden

CR Bandi Koeck blickt gerne genauer hin. Foto: Richard Mayer

Die Welt dreht sich schneller, als unsere Reiseträume hinterherkommen. Länder, die vor wenigen Jahren noch einfach „Ziel“ waren, sind heute „Fragezeichen“. Russland und die Ukraine: Einst für viele eine kulturelle Selbstverständlichkeit auf der Landkarte – heute geprägt von Krieg und Angst. Venezuela, Kolumbien: Bilder von Farben, Musik und Landschaften, zugleich begleitet von Schlagzeilen über Instabilität, Kriminalität oder politische Härte. Iran, Israel, Syrien oder Libanon (das in den 70er Jahren den Beinamen „Paris des Ostens“ trug): Räume jahrtausendealter Kultur, deren Namen mittlerweile oft zuerst Sicherheitsdebatten auslösen, statt Neugier.

Reisen war lange ein Versprechen: Koffer packen, losfahren, ankommen. Heute ist es häufiger ein Abwägen. Nicht nur die Route, auch die Nachrichtenlage wird Teil der Vorbereitung. Man liest nicht mehr bloß Reiseführer, sondern Warnstufen. Man plant nicht mehr nur Highlights, sondern Ausweichpläne. Und man fragt sich häufiger: „Ist es das wert?“ – Eine Frage, die früher eher den Preis betraf als die persönliche Unversehrtheit.

Parallel dazu hat sich das Verhalten der Reisenden verändert. Früher buchte man in unserer Region zwei Wochen im selben Hotel, lernte die Umgebung kennen, entwickelte Routine: Derselbe Frühstücksplatz, dieselbe Strandbar, derselbe Spaziergang am Abend. Heute ist Reisezeit oft fragmentiert: Wochenendtrips, drei Nächte, schnell rein, schnell raus. Die Welt wird konsumiert in Etappen, als wäre sie eine Serie mit zu kurzen Folgen. Vielleicht ist das der Preis eines Alltags, der kaum noch lange Pausen zulässt – und einer Zeit, in der man sich unbewusst auch weniger lange an einem Ort „festlegen“ will.

Doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Denn trotz allem bleibt diese Welt atemberaubend vielfältig. Länder, Sprachen, Kulturen – Sitten, Bräuche, Traditionen – all das ist nicht Kulisse, sondern ein riesiges Archiv menschlicher Möglichkeiten. Jede Küche erzählt von Klima und Geschichte, jede Musik von Sehnsucht, jeder Dialekt von Heimat. Wer reist, versteht nicht automatisch alles. Aber er sieht, dass das Eigene nicht das Maß aller Dinge ist. Und genau darin liegt die stille Kraft des Unterwegsseins: Reisen macht bescheidener, offener, wacher.

Vielleicht ist das der richtige Blick in unruhigen Zeiten: Nicht romantisieren, nicht verdrängen, sondern bewusst werden. Ja, vieles ist schwieriger geworden. Ja, manche Wege, die früher leicht waren, sind heute versperrt oder riskant. Und ja, Reisen verlangt mehr Verantwortung – gegenüber sich selbst, gegenüber Mitmenschen, gegenüber der Realität. Aber wenn wir nur noch im sicheren Radius kreisen, verlieren wir etwas Wesentliches: Den lebendigen Kontakt zur Welt, wie sie wirklich ist.

Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit, die zugleich Trost und Auftrag ist: Das Leben ist eine Reise! Nicht, weil jede Strecke idyllisch wäre, sondern weil wir unterwegs Eindrücke, Erlebnisse und Abenteuer sammeln – und damit auch Orientierung. Vielleicht reisen wir künftig nicht weniger, sondern bewusster: Mit Respekt, mit Vorbereitung, mit einem Sinn für Grenzen – und mit dem Mut, die Schönheit der Welt nicht den Schlagzeilen zu überlassen.

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