Peitschenknall statt Pyrotechnik: Warum es beim Frastanzer Nachtumzug Schaaner Ried kein Feuerwerk mehr gibt

Stefan Heinzle hat die ehrenvolle Aufgabe, die ledigen Frastanzerinnen und Frastanzer namentlich auszurufen. Am Bild zu sehen mit den Zünern. Fotos: Faschingskomitee Frastanz

Peitschenknall statt Pyrotechnik: „Moderner Fasching mit Wurzeln“

„Wenn’s am Himmel nicht mehr kracht, dann ist trotzdem Schaaner Ried bei Nacht“: Das Faschingskomitee Frastanz geht heuer neue, zugleich sehr alte Wege und setzt beim ‚Schaaner Ried fahren‘ vermehrt auf Brauchtum statt Feuerwerk.

Das traditionelle Feuerwerk beim Schaaner Ried bleibt heuer aus. „Wenn’s am Himmel nicht mehr kracht, ist trotzdem Schaaner Ried bei Nacht.“

„Wir wollten heuer bewusst zeigen, dass das ‚Schaaner Ried fahren‘ aus sich selbst heraus wirkt“, sagt Alexander Payer, Obmann des Faschingskomitee Frastanz. „Das Schaaner Ried braucht kein großes Feuerwerk – es lebt vom Brauchtum.“

Mit diesem Anspruch wird der traditionsreiche Nachtumzug in Frastanz heuer auf neue, zugleich sehr alte Wege geführt. Wenn am Faschingsmontag die Dunkelheit hereinbricht und das Knallen der Geißler sowie das archaische Treiben der Züner durch die Gassen hallen, steht die Gemeinde ganz im Zeichen eines Brauchs, der seit mehr als hundert Jahren gepflegt wird.

Erstmals verzichtet das Faschingskomitee Frastanz dabei bewusst auf ein Feuerwerk. Für Obmann Alexander Payer ist das ein klares Bekenntnis zu einem zeitgemäßen Umgang mit Tradition. „Wir möchten noch intensiver ins eigentliche Brauchtum des Nachtumzugs eintauchen. Lärm, Masken und Bewegung erzählen genug – das ist moderner Fasching mit Wurzeln.“

Das „Schaaner Ried fahren“ ist fester Bestandteil der fünften Jahreszeit in Frastanz und geht heuer neue, zugleich alte Wege.

Unterstützung kommt auch aus dem Rathaus. Bürgermeister Walter Gohm sieht im „Schaaner Ried fahren“ ein wichtiges kulturelles Erbe der Gemeinde. „Dieser Nachtumzug ist ein Stück Frastanzer Identität. Dass der Brauch weiterentwickelt wird, ohne seinen Charakter zu verlieren, zeigt, wie lebendig unsere Traditionen sind“, betont Gohm. Auf das Feuerwerk zu verzichten sei eine mutige Entscheidung des Faschingskomitees und ein tolles Zeichen, das Brauchtum in den Vordergrund zu stellen.

Ein zentrales Element bleibt das Ausrufen der Namen: Alle ledigen Frastanzerinnen ab 30 und ledigen Frastanzer ab 35 werden traditionell namentlich genannt. Diese Aufgabe übernimmt Vereinsmitglied Stefan Heinzle, selbst als Zunftrat aktiv. „Das Ausrufen gehört einfach dazu. Es ist Teil unserer Dorfkultur und wird mit Respekt, aber auch mit einem Augenzwinkern gelebt“, sagt Heinzle.

Für Stefan Heinzle gehört seine Lieblingsaufgabe, das Ausrufen der Ledigen, zur Tradition des Nachtumzugs einfach dazu.

Neu ist heuer, dass die Betroffenen im Vorfeld persönlich um ihr Einverständnis gebeten wurden – Datenschutz auf frastanzertaugliche Art. Am Wesen des Brauchs ändert das jedoch nichts: Wenn die Nacht von Peitschenknallen und Stimmen erfüllt ist, zeigt sich das „Schaaner Ried fahren“ als das, was es immer war – ein lebendiger, unverwechselbarer Faschingsbrauch.

Obmann Alexander Payer möchte heuer noch intensiver ins eigentliche Brauchtum des Nachtumzugs eintauchen.

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