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WORTLIGA berät Tagesschau für verständliche Nachrichten

von SN
18. Februar 2024
in Welt
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Symbolbild. © Bandi Koeck

Symbolbild. © Bandi Koeck

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ARD-aktuell untersuchte mit Sprachexperten von WORTLIGA die Verständlichkeit der Tagesschau um 20 Uhr. Das Ziel: Jeder soll die Nachrichten verstehen. Über Probleme, Chancen und Lösungen für verständlichen Nachrichten-Journalismus. 

Täglich schalten über 11 Millionen Zuschauer die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau ein. Eine Studie von WORTLIGA aus dem September 2023 zeigt, dass deutsche Nachrichten für die meisten Menschen oft schwer verständlich sind. Daraufhin lud ARD-aktuell den Experten Gidon Wagner zu einer Sendungskritik ein, um die Verständlichkeit der Tagesschau zu analysieren.

Floskeln und Fachsprache abbauen – Erkenntnisse aus der Expertenrunde

Die Analysen ergaben, dass sowohl die gesprochenen als auch die geschriebenen Nachrichten an denselben Problemen leiden:

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  • Floskeln und unkonkrete Ausdrucksweisen verschleiern den Kern der Nachrichten und verringern die Aufmerksamkeit des Publikums. Beispiel: „Menschen zeigen klare Kante gegen Rechts.“ Besser: „Menschen sagen nein zu Rechts“.
  • Komplexe Formulierungen wie Passivkonstruktionen und Nominalstil erschweren das Verständnis. Beispiel: „Die Erhöhung der Zinsen wurde von der Europäischen Zentralbank beschlossen.“ Besser: „Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen erhöht.“ 
  • Lange Sätze und komplizierte Wörter lenken vom Wesentlichen ab. Beispiel: „Angesichts der Tatsache, dass die Inflationsraten weiterhin ein Niveau erreichen, das über den Prognosen der Wirtschaftsexperten liegt, ist die Regierung bestrebt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen“. Besser: „Weil die Inflation höher als erwartet ist, plant die Regierung Gegenmaßnahmen.“ Oder: „Die Preise steigen schneller als gedacht. Die Regierung will etwas dagegen unternehmen.“

Schwer verständliche Nachrichten: Betroffen sind alle Bildungsschichten

86 Prozent der Deutschen verstehen Schreiben von Ämtern, Behörden, Gerichten oder Anwaltskanzleien nur schwer – darunter 81 Prozent der Menschen mit Abitur oder Studium. Das zeigte eine Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache von 2009. Ein Fazit der Tagesschau-Analyse von WORTLIGA: Nachrichten-Journalismus übernimmt zu viel von dieser komplizierten Sprache in die Berichterstattung. Nachrichten müssen einfacher und klarer sein, um die Menschen in Deutschland angemessen zu informieren. 

Medien, Politik und Wirtschaft tragen bei Sprache große Verantwortung

Mitteilungen aus Politik und Wirtschaft sind oft unnötig abstrakt und kompliziert. Das macht die Arbeit von Journalisten schwerer und lenkt von den Fakten ab. Tagesschau-Sendungen zeigen viele Beispiele, bei denen unklare Aussagen das Verständnis erschweren. Klare und direkte Übersetzungen des Politiker-Jargons würden das Problem lösen. 

Beispiel:

Eine Nachricht aus der Tagesschau vom 21. Januar 2024 lautete: „Die Ampelkoalition ist sich nicht einig über Steuerpläne für Eltern.“ Eine präzisere Formulierung wäre: „Wie viel Steuern sollen Eltern zahlen und wie viel Kindergeld sollen sie bekommen? Darüber diskutiert die Ampelkoalition.“

Gidon Wagner von WORTLIGA sagt: „Aus Sicht einer Gesellschaft, die niemanden ausschließt, tragen alle Verantwortung für Verständlichkeit: Journalisten, Redakteure, Presse-Agenturen, aber auch Politiker und Wirtschaftsführer.“

dpa und andere Presse-Agenturen: Klare Sprache würde helfen

Häufig stehen die kritisierte Fachsprache und der Politiker-Jargon bereits in den Meldungen der Presse-Agenturen. Redaktionen fehlt die Zeit, die Vorlagen der Agenturen zu vereinfachen. Das sorgt dafür, dass Nachrichten oft schwer zu verstehen bleiben. Laut MDR hat die Deutsche Presse-Agentur (dpa) einen Anteil von mindestens 52 Prozent am deutschen Nachrichtenmarkt. Würde nur die dpa ihre Sprache vereinfachen, könnten Sendungen wie die Tagesschau mit wenig zusätzlichem Aufwand das Publikum klarer informieren.

Klare Sprache verlangt von Sprechern und Politikern aber auch, dass sie eindeutiger Stellung beziehen. Dasselbe gilt für die Macher von Nachrichten. Wenn Journalisten schwammige Aussagen zu Klartext zuspitzen, müssen sie sicher sein, dass ihre Vereinfachung stimmt. Dafür brauchen die Redaktionen genug Zeit für die Recherche oder Klartext in den Agentur-Meldungen. Auch Korrespondenten der Sender nehmen ihre Verantwortung besser wahr, wenn sie sich nicht mit Beamtendeutsch und Fachsprache zufriedengeben, sondern nachfragen. 

Über WORTLIGA

WORTLIGA ist bekannt für sein kostenloses Online-Tool zur Textanalyse und KI-Software für verständliches Schreiben. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. empfiehlt das Textanalyse-Tool für bürgerfreundliche Texte und eine verständliche Verwaltungssprache. WORTLIGA bietet zudem Schulungen und Online-Kurse für verständliche Sprache in Behörden und Unternehmen an.

Tags: DeutschlandMedienSpracheTrends
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