Die Tostner Burg sorgt für Diskussionsstoff

(c) Helmut Köck

Im Saal des GH Löwen konnte Rainer Bayer, Obmann des Heimatkundevereins Tosters neben Bgm. Wolfgang Matt, AltBR Edgar Mayer, StR Marlene Thalhammer, Ortsvorsteher Manfred Himmer auch zahlreiche interessierte Bürger begrüßen, um das geplante Bauvorhaben auf der Tostnerburg einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Als erster referierte Manfred A. Getzner über die Geschichte der Tostner Burg. Seit fast 20 Jahren ist der Obmann des Heimatpflege- und Museumsvereins Feldkirch mit großer Begeisterung und viel Herzblut auch für die Tostnerburg verantwortlich.

Seit fast 20 Jahren ist Manfred A. Getzner Obmann des Heimatpflege- und Museumsvereins Feldkirch. (c) Helmut Köck
Die Feldkircher Zeitung berichtete am 9.April 1892 vom Verkauf der Burg.

Vom Zerfall gerettet

Archäologische Untersuchungen zeigen, dass das Burgplateau schon vor 5.000 Jahren besiedelt war. Seit mehr als 700 Jahren ist der Bergfried ein Wahrzeichen von Tosters, vor 115 Jahren erwarb der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand die Burg. Damals dem Ruin nahe, konnte die Burg dank der Bemühungen des Museumsvereins vor dem Zerfall gerettet werden. Kostspielige Sanierungsmaßnahmen in den letzten Jahren (von 2007-2017 über € 700.000) – unter anderem ist der Bergfried seit 2016 durch ein Dach geschützt – garantieren einen Weiterbestand dieses denkmalgeschützten Objekts. Der Museumsverein plant nun als Eigentümer der Burg eine Aussichtsplattform auf der Burg. Es handelt sich um eine Empfehlung des Denkmalamtes, um den Turm weiter sichern zu können. Man setze zudem ein rund 100 Jahre altes Konzept um, das vorsehe, die Plattform begehbar zu machen. In den vergangenen zehn Jahren waren für umfangreiche Sanierungsarbeiten alle Seiten der Burg eingerüstet. Dennoch seien alle Turmdohlen immer noch da und man habe genauso viele Brutpaare wie vor einigen Jahren gezählt. In der Brutzeit der Vögel werde es nur einen eingeschränkten Betrieb geben.

Pläne der Stahlstiege

Petition am Thema vorbei

Naturschützer sehen in diesen Plänen eine massive Bedrohung des Lebensraumes der dort nistenden Turmdohlen und haben deshalb eine Petition gegen dieses Projekt gestartet, bisher haben rund 350 Personen unterschrieben. Interessanter Weise lautet der Titel der Petition „Kein Museum auf der Tostner Burg“. Es kam bei der Infoveranstaltung klar zum Ausdruck, dass die Petitionsbetreiberin Michelle Pansi einem Gerücht aufgesessen ist: “Es war nie die Rede von einem geplanten Museum, lediglich ist angedacht, bei Interesse Artefakte der Ausgrabungen auszustellen“, so Getzner. Frau Pansi war zwar erschienen, meldete sich aber nicht zu Wort. Was besonders zu kritisieren ist, dass die Plattformbetreiberin es nicht für notwendig hielt, sich beim Obmann des Museumsvereins vorab genauer über das Projekt zu informieren und so Unwahrheiten in die Welt setzte und die Unterzeichner in die Irre führte. Getzner wies auch die anwesenden Grünen darauf hin, dass seit Jahrzehnten auf der Tostnerburg Denkmalschutz UND Naturschutz betrieben werde, und wer sich dabei engagieren möchte, der sei jederzeit willkommen, etwas Arbeit dem „Burgvogt‘“ Markus Kevenhörster abzunehmen, der fast täglich zum Rechten auf der Burg sehe. Auf der Plattform sei auch angedacht, wieder die Feldkircher Tradition der Astronomie (Rheticus, Pater Hagen, Stecher..) als besonderes Angebot an interessierte junge Maschen aufleben zu lassen. Daher würde fix ein Fernrohr/Refraktor zu montiert und auch hier sei die Sorge um Vögel unbegründet. Die Aussichtsplattform werde nur für angemeldet Gruppen geöffnet und diese müssten wie gehabt zu Fuß zur Burg kommen.

Kein Museum auf der Tostner Burg

Architekt Gernot Thurnher stellte in der Folge den geplanten Ausbau des Turmes vor. Im Innen der Burg soll eine Stahlkonstruktion mit einem Treppenaufstieg geschaffen werden, der von außen nicht sichtbar sei, so Thurnher, welcher wie auch die weiteren Projektbeteiligten ehrenamtlich tätig ist. Ganz wichtig ist den Projektbetreibern die Einhaltung der Strategischen Umweltprüfung, welche auch die Schutzmaßnahmen für die ansässige Burgdohlen zum Inhalt hatte. Bereits vor zwei Jahren wurde einem Ausbau in der Feldkircher Stadtvertretungssitzung zugestimmt, der Umwidmungsantrag wurde gestellt und als nächstes wird der Bauantrag mit einer ausgeklügelten Statiklösung eingereicht. Bei der anschließenden Diskussion gab es noch manches Wortgeplänkel zwischen Befürwortern und Gegnern der geplanten Aussichtsplattform, aber insbesondere das Gerücht eines Museums, welchem auch die Feldkircher Grünen aufgesessen sind, konnte entkräftet werden.

Drei der ehrenamtlichen Projektbetreiber: Grafiker Marzin Caldonazzi, Obmann Manfred Getzner und Architekt Gernot Thurnher.
Seit 1935 ist die Burg im Besitz des Heimatpflege- und Museumsvereins Feldkirch.
Die mobile Version verlassen