Zum Welttag der Wiederbelebung am 16. Oktober macht das Rote Kreuz Vorarlberg auf Unsicherheiten bei der Reanimation von Frauen aufmerksam. Die lebensrettende Formel lautet: Prüfen, Rufen, Drücken.
Feldkirch, 14. Oktober 2026 – Ein Atem-Kreislauf-Stillstand kann jede:n treffen, unabhängig vom Geschlecht. Dennoch werden Frauen in der Öffentlichkeit seltener wiederbelebt als Männer. Eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt, dass Ersthelfende selbst in simulierten Notfallsituationen Wiederbelebungsmaßnahmen an weiblichen Übungspuppen weniger effektiv durchführen. Das liegt nicht an fehlender Hilfsbereitschaft, sondern hat oft mit Verunsicherung zu tun: Darf ich die Kleidung entfernen? Wo muss ich drücken? Ist die Berührung angemessen?
Diese Zurückhaltung kann wertvolle Zeit kosten. In Österreich erleiden jährlich rund 10.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Atem-Kreislauf-Stillstand. Nur etwa jede zehnte betroffene Person überlebt. Mit jeder Minute, in der keine Reanimation erfolgt, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um rund zehn Prozent.
Bei der Wiederbelebung zählt nicht das Geschlecht
„Bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand gibt es keinen Grund zu zögern. Entscheidend ist, sofort den Notruf zu wählen und mit der Herzdruckmassage zu beginnen, egal wer vor einem liegt. Mit beherztem Handeln kann man ein Leben retten“, betont Rotkreuz-Direktorin Janine Gozzi.
Die Herzdruckmassage erfolgt bei allen Menschen an derselben Stelle: in der Mitte des Brustkorbs. Wenn eine dicke Winterjacke oder andere Kleidung die Herzdruckmassage behindert, wird sie rasch geöffnet oder entfernt. Ansonsten sofort auf der Kleidung zu drücken beginnen.
Anders beim Defibrillator: Die Elektroden müssen direkt auf der nackten Haut angebracht werden. Deshalb sind BHs, enge Sport-Bustiers oder Binder immer zu entfernen, gegebenenfalls sogar aufzuschneiden. „Dass viele Menschen davor zurückschrecken, ist verständlich. In dieser lebensbedrohlichen Situation hat aber rasche Hilfe Vorrang. Das Freimachen und Berühren des nackten Brustkorbs ist einfach Teil der notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen“, erklärt Daniel Peter, Leiter Erste-Hilfe-Ausbildung beim Roten Kreuz Vorarlberg.
Prüfen, Rufen, Drücken
Die 2026 angepassten Erste-Hilfe-Empfehlungen machen das richtige Vorgehen besonders einfach und sind bei allen Menschen gleich anzuwenden:
- Prüfen: Ist es sicher, sich zu nähern? Ist die Person ansprechbar?
- Rufen: Reagiert sie nicht, sofort den Notruf 144 wählen und das Telefon auf Lautsprecher stellen. Die Notrufleitstelle begleitet die Ersthelfenden bei den nächsten Schritten.
- Drücken: Atmet die Person nicht normal, sofort kräftig und schnell in die Mitte des Brustkorbs drücken. Nach jeweils 30 Herzdruckmassagen folgen zwei Beatmungen. Wer nicht beatmen kann oder möchte, drückt ohne Unterbrechung weiter. Ist ein Defibrillator verfügbar, diesen einschalten und den gesprochenen Anweisungen folgen.
Die Wiederbelebung wird fortgeführt, bis die betroffene Person wieder normal atmet oder professionelle Hilfe übernimmt. „Das Einzige, was sicher falsch ist, ist nichts zu tun“, lautet deshalb die zentrale Botschaft des Roten Kreuzes.
Übung schafft Sicherheit
Ein Erste-Hilfe-Kurs hilft, Unsicherheiten abzubauen und im Ernstfall entschlossen zu handeln.
Anlässlich des Welttags der Wiederbelebung am 16. Oktober bietet das Rote Kreuz außerdem eine kostenlose Erste-Hilfe-Station im Messepark Dornbirn an. Interessierte können direkt an Trainingspuppen üben und sich wertvolle Tipps von den Profis holen.
Infozeile:
Was: Erste-Hilfe-Station des Roten Kreuzes Vorarlberg
Wo: Messepark Dornbirn, OG 1 (Raum für Neues)
Wann: Freitag, 16. Oktober, 9 bis 16 Uhr
