Für Samuel Summer aus Nofels und Johannes Lins aus Frastanz beginnt eine außergewöhnliche Reise dort, wo ihre Heimat liegt: in Vorarlberg. Ihr Ziel ist Dharamsala im Norden Indiens. Dazwischen liegen rund 12.276 Kilometer, zahlreiche Länder, unterschiedliche Kulturen und eine Route, die sie mit dem Fahrrad bewältigen wollen. Die Reise ist jedoch kein Selbstzweck. Mit ihrer „Spätzletour“ wollen die beiden 100.000 Euro für ein Bildungsprojekt im Senegal sammeln.
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Eine Freundschaft, die im Ausland begann
Obwohl Frastanz und Nofels geografisch nicht weit auseinanderliegen, haben sich Summer und Lins nicht in Vorarlberg näher kennengelernt. Ihre Freundschaft entstand während ihres Auslandszivildienstes. Beide waren damals 19 Jahre alt und leisteten ihren Dienst in unterschiedlichen Ländern: Samuel Summer in Kanada, Johannes Lins in Indien.
Die gemeinsame Erfahrung, in jungen Jahren für längere Zeit in einer fremden Umgebung zu leben, verband die beiden. Situationen, die man zum ersten Mal erlebt, Unsicherheiten und die vielen kleinen Herausforderungen eines Auslandsaufenthalts wurden zu einer gemeinsamen Erfahrungswelt. Aus ersten Gesprächen entstand eine Freundschaft, die schließlich zur Grundlage für ein gemeinsames Abenteuer werden sollte. Auch ihre Verbindung zum Senegal reicht bereits zurück: Auf der Website der Spätzletour wird festgehalten, dass beide dort schon früher gemeinsam freiwillig für „Wissen macht Stark“ gearbeitet haben.
Warum ausgerechnet mit dem Fahrrad?
Für Summer und Lins ist das Fahrrad weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es ermöglicht ihnen, langsam genug zu reisen, um Landschaften, Orte und vor allem Menschen wirklich wahrzunehmen.
Mit dem Auto könne man ein Land mit hoher Geschwindigkeit durchqueren, ohne viel davon mitzubekommen, erklären die beiden. Auf dem Fahrrad sei die Distanz zu den Menschen dagegen deutlich geringer. Man sei ansprechbarer, komme leichter ins Gespräch und könne trotzdem an einem Tag große Entfernungen zurücklegen.
Genau diese Mischung fasziniert die beiden: Das Fahrrad verbindet Langsamkeit und Reichweite. Es macht die Reise selbst zum Erlebnis und nicht bloß den jeweiligen Zielort.

Von Frastanz über den Balkan bis nach Indien
Die geplante Route führt zunächst von Frastanz über Tirol und Südtirol auf den Westbalkan. Danach geht es weiter über Griechenland, die Türkei, Armenien, Georgien und Aserbaidschan. Ursprünglich wollten Summer und Lins anschließend durch den Iran reisen. Das Land fasziniert sie besonders, gleichzeitig ist ihnen bewusst, dass die aktuelle politische und sicherheitstechnische Situation eine solche Entscheidung nicht zulässt, wenn die Risiken zu hoch werden.
Eine Reise um jeden Preis ist ausdrücklich nicht ihr Ziel. Den beiden ist wichtig, vernünftig zu entscheiden. Als Alternative steht eine Route über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan im Raum. Von dort wäre wegen geschlossener Grenzen ein Flug notwendig, bevor die Reise über Nepal nach Dharamsala weitergehen könnte.
Das eigentliche Ziel liegt damit nicht einfach am Ende einer möglichst direkten Strecke. Die Route ist Teil des Abenteuers: Länder, Menschen und Kulturen sollen erfahren werden.
Vorarlberg fährt mit
Bei aller Internationalität bleibt die Heimat sichtbar. Rund 22 Kilogramm Gepäck hat Samuel Summer nach eigenen Angaben auf seinem Fahrrad. Ein E-Bike kommt für die beiden nicht infrage: Es wäre unterwegs schwierig zu laden und zu reparieren. Die Energieversorgung übernehmen daher die eigenen Beine – in ihrer scherzhaften Formulierung die „5 PS pro Fuß“.
Mit im Gepäck ist auch ein Stück Vorarlberg: Spätzle. Sie sind das verbindende Element ihrer Reise und zugleich der Namensgeber des Projekts. In verschiedenen Ländern wollen die beiden mit regionalen Zutaten Käsespätzle zubereiten und damit Vorarlberger Kulturgut auf ungewöhnliche Weise in die Welt tragen.
Dabei darf auch über Geschmacksfragen gestritten werden. Samuel Summer bekennt sich zum Apfelmus zu den Kässpätzle, Johannes Lins kann damit weniger anfangen. Beim geplanten Abschlussevent ist die Frage allerdings geklärt: Dort soll Kartoffelsalat serviert werden.
Eine Radreise mit einem konkreten Ziel
Hinter der Spätzletour steht ein klar definiertes Bildungsprojekt. Summer und Lins wollen mit ihrer Reise Spenden für ein Projekt im Senegal sammeln. Ziel sind 100.000 Euro. Der erste konkrete Schritt ist der Bau eines Kindergartens und einer Spielgruppe. Langfristig soll daraus ein wesentlich größeres Bildungsprojekt entstehen.
Dabei geht es den beiden nicht darum, ein europäisches Bildungssystem in den Senegal zu übertragen. Besonders wichtig ist ihnen, dass das Projekt vor Ort entwickelt und getragen wird. Die Idee stammt von einer Senegalesin und soll gemeinsam mit den Menschen vor Ort umgesetzt werden. Summer und Lins verstehen sich deshalb vor allem als jene, die die notwendigen finanziellen Mittel für die Umsetzung bereitstellen.
Das Projekt soll über den Kindergarten hinauswachsen. In ihren Vorstellungen geht es langfristig um eine Grundschule und um Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrer. Im Mittelpunkt stehen innovative pädagogische Ansätze und ein Lern- und Bildungssystem, das Alternativen zum vorherrschenden Frontalunterricht entwickelt.
Die Reise bezahlen sie selbst
Bemerkenswert ist auch die klare Trennung zwischen der Finanzierung ihrer Reise und dem Spendenprojekt. Summer und Lins finanzieren ihre eigene Reise selbst. Wer sie oder die Spätzletour unterstützt, soll damit nicht ihre persönlichen Reisekosten finanzieren, sondern das Bildungsprojekt im Senegal.
Auf der Website wird entsprechend festgehalten, dass die Unterstützung zu 100 Prozent in das Bildungsprojekt fließen soll. Als Partnerorganisation fungiert „Wissen macht Stark“ aus Dornbirn, deren Arbeit in Österreich ehrenamtlich erfolgt.
Damit bekommt die Reise eine zweite Dimension. Die Kilometer, die die beiden auf ihren Fahrrädern zurücklegen, sind zugleich Mittel für einen Zweck, der weit über die persönliche Reise hinausgeht.
Bandi Koeck (rechts) mit den beiden Radabenteurern heute im Gemeindepark in Frastanz bei der Abschiedsveranstaltung kurz vor Start der Tour.
Zehn Monate unterwegs
Für die Strecke rechnen Summer und Lins mit ungefähr zehn Monaten. Zusätzlich haben sie einen zeitlichen Puffer eingeplant. Die Dimension der Unternehmung wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Reise nicht nur körperliche Ausdauer verlangt. Sie bedeutet auch, über Monate mit wechselnden klimatischen Bedingungen, unterschiedlichen Kulturen, politischen Situationen, Grenzformalitäten und den Unwägbarkeiten des täglichen Lebens unterwegs zu sein.
Gerade darin liegt für die beiden aber der Reiz. Eine Fahrradreise dieser Größenordnung lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Man kann eine Route planen, aber nicht jede Begegnung, jede Verzögerung und jedes unerwartete Erlebnis.
Und genau diese Offenheit gehört offenbar zum Konzept der beiden Vorarlberger.
Zwei Vorarlberger als Botschafter auf zwei Rädern
Samuel Summer und Johannes Lins verbinden mit der Spätzletour mehrere Dinge, die auf den ersten Blick kaum zusammengehören: eine extreme Fahrradreise, Vorarlberger Esskultur, internationale Begegnungen und ein Bildungsprojekt im Senegal.
Aus zwei Freunden aus Nofels und Frastanz werden damit Reisende, die ihre Heimat mitnehmen, ohne in ihr stehenzubleiben. Sie wollen andere Länder kennenlernen, mit Menschen ins Gespräch kommen und gleichzeitig etwas zurückgeben.
Das Fahrrad ist dabei das ideale Symbol für ihre Unternehmung: wenig Distanz zwischen Mensch und Mensch, große Distanzen zwischen Ort und Ort – und jeder Kilometer ein kleiner Beitrag zu einem Ziel, das deutlich größer ist als die Reise selbst.
Die beiden Fahrradabenteurer mit Podcaster und CR von Gsi.News Bandi Koeck (links)
Factbox: Die Spätzletour
Samuel Summer: Nofels
Johannes Lins: Frastanz
Projekt: Spätzletour
Reisemittel: Fahrrad, ohne E-Antrieb
Start: Frastanz
Ziel: Dharamsala, Nordindien
Geplante Distanz: rund 12.276 Kilometer
Geplante Reisedauer: etwa zehn Monate plus Zeitpuffer
Route: Österreich – Tirol – Südtirol – Westbalkan – Griechenland – Türkei – Armenien – Georgien – Aserbaidschan – anschließend je nach Sicherheitslage weiter Richtung Zentralasien bzw. Iran – Nepal – Nordindien
Gepäck: etwa 22 Kilogramm pro Fahrrad
Besonderheit: Käsespätzle werden unterwegs mit regionalen Zutaten zubereitet
Spendenziel: 100.000 Euro
Verwendungszweck: Bildungsprojekt im Senegal
Erster Projektschritt: Bau eines Kindergartens und einer Spielgruppe
Langfristige Vision: Ausbau zu einem umfassenden Bildungsprojekt mit weiteren Bildungseinrichtungen und innovativen pädagogischen Ansätzen
Partnerorganisation: Wissen macht Stark, Dornbirn
Grundsatz: Die beiden finanzieren ihre Reise selbst; Unterstützungen sollen vollständig dem Bildungsprojekt zugutekommen.
Website: www.spaetzletour.at