Patrick Fitzgerald: Vom Footballspieler zum Coach – und auf der Suche nach einem Leben mit Sinn

Patrick Fitzgerald nach seiner Taufe im Alten Rhein mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Foto: Privat

Patrick Fitzgerald kennt das Leben aus unterschiedlichen Perspektiven: als ehrgeiziger Nachwuchsspieler in North Carolina, als College-Footballer, als Spieler in Deutschland, als Mitglied der US-Nationalmannschaft, als Trainer und schließlich als Familienvater in Lustenau in Vorarlberg. Sein Lebensweg ist dabei alles andere als geradlinig. Er erzählt von Erfolgen und Rückschlägen, von Verletzungen, beruflichen Umwegen und Entscheidungen, die seine Zukunft verändert haben.

Im Mittelpunkt steht ein Mann, für den American Football zunächst Sport war, später Familie bedeutete und schließlich zum Beruf wurde.

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Die ersten Schritte in North Carolina

Patrick Fitzgerald wächst in North Carolina auf. Sein Vater stammt aus New York und hat selbst American Football in High School und College gespielt. Auch sein älterer Bruder spielt Football. Die Voraussetzungen sind damit früh geschaffen.

Doch Football ist nicht seine erste Sportart. Bereits mit fünf Jahren beginnt Patrick mit Fußball und spielt bis zu seinem zwölften Lebensjahr. Dazu kommen Baseball, Leichtathletik und Ringen. Erst in der Middle School erhält er die Möglichkeit, American Football zu spielen.

Zunächst ist Fitzgerald keineswegs ein Naturtalent. In der siebten Klasse beginnt er als Tight End. Seine ersten Erfahrungen sind schmerzhaft: Er erinnert sich an blaue Flecken und schmerzende Arme nach den Trainingseinheiten. Er selbst beschreibt seine ersten Jahre als Spieler als ziemlich schlecht.

Doch genau darin liegt eine der wichtigsten Konstanten seines Lebens: Fitzgerald entwickelt sich nicht deshalb weiter, weil ihm alles zufällt, sondern weil er bereit ist, zu arbeiten.

Aus dem Tight End wird ein Fullback – ein Spieler, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, Räume zu schaffen, zu blocken und körperlich hart zu arbeiten.

Der Durchbruch in der High School

In der High School nimmt seine Karriere Fahrt auf. Fitzgerald spielt vier Jahre und wird in seinem dritten und vierten Jahr zum All-Conference-Spieler gewählt. Damit gehört er zu den herausragenden Spielern seiner Conference.

Ein besonderer Höhepunkt folgt im Dezember 2005: Fitzgerald wird für den Shrine Bowl nominiert, bei dem die besten Spieler aus North Carolina gegen die besten Spieler aus South Carolina antreten.

Für diese Entwicklung hat er hart gearbeitet. Besonders wichtig ist für ihn das Training mit seinem Quarterback und Freund. Fitzgerald beschreibt, wie er ganze Sommer damit verbringt, auf dem Footballplatz zu trainieren, Bälle zu fangen und Routen zu laufen.

Der Aufwand zahlt sich aus. Im Übergang vom zweiten zum dritten High-School-Jahr ist die Veränderung so deutlich, dass Colleges auf ihn aufmerksam werden. Einladungen zu Camps und Besuchen folgen.

Sein Weg zeigt bereits hier ein Muster, das ihn später begleiten wird: Talent eröffnet Möglichkeiten – Disziplin entscheidet darüber, ob man sie tatsächlich nutzt.

Ein schwerer Einschnitt: der Tod des Vaters

Mit 14 Jahren verliert Patrick seinen Vater an Darmkrebs.

Dieser Verlust verändert sein Leben grundlegend. Football bekommt für ihn eine neue Bedeutung. Die Mannschaft wird zu einer Art Ersatzfamilie. Fitzgerald spricht von seinen Mitspielern als seinen „35 Brüdern“.

Diese Erfahrung prägt auch seinen späteren Wunsch nach einer eigenen Familie. Der frühe Verlust des Vaters bleibt ein wichtiger Hintergrund für viele Entscheidungen, die Fitzgerald später trifft.

College: Erfolg, Rückschläge und ein neuer Anlauf

Nach der High School erhält Fitzgerald ein Full Scholarship für die Western Carolina University. Doch auch dort verläuft nicht alles nach Plan.

Nach rund eineinhalb Jahren beendet er zunächst seine College-Zeit und nimmt Abstand vom Football. Zwei Jahre lang ist er nicht an der Universität und spielt auch nicht. Er zieht nach New York, wo seine Mutter lebt, arbeitet und versucht, seinen Kopf wieder zu ordnen.

Football scheint zunächst beendet.

Dann begegnet er zufällig einem früheren High-School-Coach. Dieser arbeitet inzwischen an einem Division-II-College und fragt Fitzgerald, ob er noch spielen möchte. Die Frage löst etwas aus: Vielleicht ist die Geschichte doch noch nicht vorbei.

Fitzgerald kehrt nach North Carolina zurück und versucht einen neuen Anlauf. Über weitere Stationen landet er schließlich an der Long Island University in New York.

Dort bekommt er die Chance, sich erneut zu beweisen.

Zwei Jahre, zwei All-Conference-Auszeichnungen

Der Neustart gelingt. In seiner ersten Saison wird sein Team Co-Conference Champion, Fitzgerald selbst wird als All-Conference Tight End ausgezeichnet. Auch in seiner zweiten Saison erhält er diese Auszeichnung.

Bemerkenswert ist dabei, dass er zunächst als Walk-on beginnt – also ohne Sportstipendium. Zwei Monate nach seinem ersten Training erhält er jedoch ein Scholarship.

2013 beendet Fitzgerald sein College-Studium mit einem Bachelorabschluss in Criminal Justice.

Damit scheint der nächste Schritt klar: Football soll weitergehen.

Der Weg nach Europa

Nach dem College möchte Fitzgerald zunächst Semi-Pro-Football in den USA spielen. Doch kurz vor seinem Studienabschluss platzt eine konkrete Möglichkeit aus finanziellen Gründen.

Ein College-Teamkollege hat dagegen bereits einen Vertrag mit einer Mannschaft in Deutschland. Fitzgerald fragt nach, ob dort noch ein Spieler gebraucht wird.

Die Antwort fällt positiv aus.

Nur drei Tage nach seiner Graduation fliegt Fitzgerald nach Deutschland. Von Berlin geht es weiter nach Neubrandenburg zu den Tollense Sharks.

Was zunächst wie ein Abenteuer aussieht, wird zu einem wichtigen neuen Kapitel seines Lebens.

Deutschland: Neubrandenburg und Leipzig

In Neubrandenburg spielt Fitzgerald zwei Saisonen. In der ersten Saison gewinnt seine Mannschaft die Meisterschaft und erhält die Möglichkeit zum Aufstieg. In der zweiten Saison erreicht das Team einen starken zweiten Platz.

Doch im vorletzten Spiel bricht sich Fitzgerald den Fuß.

Wieder steht er vor dem Ende seiner Footballkarriere.

Eineinhalb Jahre verbringt er anschließend in den USA. Dann erhält er eine Nachricht aus Leipzig. Die Mannschaft kennt ihn noch aus den Spielen gegen Neubrandenburg und bietet ihm eine neue Möglichkeit – diesmal nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer und Jugendcoach.

Fitzgerald nimmt die Chance an.

Damit beginnt der Übergang vom aktiven Spieler zum Coach.

Auch während seiner Zeit bei den Leipzig Lions bleibt er sportlich aktiv. Eine zeitgenössische Berichterstattung beschreibt ihn als wichtigen Teil der Mannschaft und hebt hervor, dass er bereits seit seiner Kindheit vom Traum begleitet wird, Football auf höchstmöglichem Niveau zu spielen. 2017 wird er sogar für die US-Nationalmannschaft bei den World Games in Breslau nominiert.

Die US-Nationalmannschaft und eine entscheidende Verletzung

2017 erreicht Fitzgerald einen weiteren Höhepunkt seiner Spielerkarriere: Er darf die USA bei den World Games vertreten.

Für jemanden, der als Jugendlicher zunächst Schwierigkeiten hatte und dessen Footballkarriere zwischenzeitlich mehrfach vor dem Aus stand, ist dies ein außergewöhnlicher Moment.

Doch erneut kommt eine Verletzung dazwischen. Während des Spiels verletzt sich Fitzgerald am Kreuzbein.

Diesmal steht eine andere Frage im Raum: Wie lange kann er diesen Weg noch weitergehen?

Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits über 30. Gleichzeitig ist sein Wunsch nach einer eigenen Familie immer stärker geworden.

Seine Frau stellt ihm schließlich eine klare Entscheidung: Entweder er spielt weiter Football – oder beide beginnen, eine Familie aufzubauen.

Fitzgerald entscheidet sich für die Familie.

Vom Spieler zum Trainer

Damit endet seine lange aktive Spielerkarriere. Fitzgerald blickt selbst mit Dankbarkeit darauf zurück, dass er deutlich länger spielen konnte als viele andere.

Doch das Ende des Spielens bedeutet nicht das Ende des Footballs.

In Chemnitz arbeitet er zunächst in verschiedenen Berufen. Sein amerikanischer Bachelorabschluss wird in Deutschland nicht unmittelbar anerkannt. Deshalb arbeitet er unter anderem als Englischlehrer und Paketfahrer.

Parallel bleibt er dem Football verbunden. Er trainiert ehrenamtlich eine Mannschaft in Chemnitz und übernimmt anschließend eine Traineraufgabe bei den Dresden Monarchs in der German Football League.

Der Weg vom Spieler zum Coach nimmt endgültig Gestalt an.

2018 wird Fitzgerald bei den Chemnitz Crusaders als Position Coach für die Quarterbacks eingesetzt. Der Verein beschreibt ihn als US-Amerikaner, der seine Spielerkarriere bei den Leipzig Lions beendet hatte und nun seine Erfahrung an die nächste Generation weitergibt.

Ein neuer Anfang in Vorarlberg

Dann kommt der nächste große Wendepunkt.

Im Dezember 2020 erhält Fitzgerald über Facebook eine Nachricht von einem ihm unbekannten Mann. Dieser ist Gründer einer American-Football-Mannschaft in Hohenems und sucht einen Vollzeittrainer.

Damit führt Fitzgerald sein Weg schließlich nach Vorarlberg.

Aus dem Spieler aus North Carolina ist ein Footballcoach in Österreich geworden.

Später übernimmt Fitzgerald bei den Cineplexx Blue Devils Hohenems verschiedene Aufgaben. 2022/23 wird er als Offensive Coach und Recruiting Coordinator Teil des Trainerteams; in der Folge tritt er auch als Head Coach der Hohenemser auf. Die Vorarlberger Nachrichten bezeichneten ihn 2023 als Cheftrainer der Blue Devils.

Seine Aufgabe ist nun nicht mehr, selbst den Ball zu tragen. Seine Aufgabe besteht darin, andere Spieler besser zu machen.

Das ist vielleicht die wichtigste Veränderung seiner Karriere.

Vom persönlichen Erfolg zur Verantwortung für andere

Fitzgeralds Geschichte ist deshalb nicht einfach die Geschichte eines erfolgreichen Footballspielers.

Es ist die Geschichte eines Menschen, der mehrfach neu anfangen musste.

Als Kind ist er zunächst kein besonders guter Footballspieler. Durch Training und Disziplin entwickelt er sich zum All-Conference-Spieler.

Nach dem Tod seines Vaters findet er im Football eine Ersatzfamilie.

Im College erlebt er den Absturz und kehrt später zurück.

Nach dem College scheitert sein ursprünglicher Plan in den USA – und Deutschland wird zur neuen Heimat des Sports.

Nach einer schweren Verletzung scheint seine Spielerkarriere beendet. Wieder kommt eine neue Möglichkeit.

2017 erreicht er mit der US-Nationalmannschaft einen sportlichen Höhepunkt. Kurz darauf entscheidet er sich gegen eine weitere Verlängerung seiner Spielerkarriere und für Ehe und Familie.

Und schließlich wird aus dem Spieler der Trainer.

Patrick Fitzgerald (rechts) bei seiner Erwachsenentaufe vor Kurzem im Alten Rhein.

Der Glaube als weiterer Teil seiner Lebensgeschichte

Im Gespräch wird neben Football ausdrücklich auch Fitzgeralds Weg zu Jesus als Thema angekündigt. Im vorliegenden Transkript beginnt dieser Teil jedoch nicht mehr. Die Aufnahme endet bei der Schilderung seines beruflichen Wechsels nach Hohenems. Deshalb lassen sich aus dieser Quelle weder der Zeitpunkt seiner Hinwendung zu Jesus noch konkrete Erfahrungen, Personen oder Glaubensentscheidungen zuverlässig darstellen.

Festhalten lässt sich jedoch, dass der Glaube im geplanten Gespräch nicht als Nebenthema vorgesehen war, sondern ausdrücklich neben Sport und Lebensweg stand.

Gerade deshalb wäre eine ausführlichere Darstellung dieses Bereichs nur mit dem fehlenden Teil des Interviews seriös möglich.

Eine Biografie zwischen Härte und Neuanfang

Patrick Fitzgeralds Leben lässt sich als Abfolge von Neuanfängen lesen: vom jungen Sportler in North Carolina über den College-Spieler, den Footballer in Deutschland, den Nationalspieler und schließlich den Coach in Vorarlberg.

Dabei sind es nicht nur die Siege, die seine Geschichte interessant machen.

Es sind die Unterbrechungen.

Der Tod des Vaters. Die verlorenen College-Jahre. Die Rückkehr zum Football. Der Fußbruch. Die Entscheidung für die Familie. Die beruflichen Umwege. Und schließlich die Erkenntnis, dass eine Karriere nicht zwingend endet, wenn man selbst nicht mehr auf dem Feld steht.

Fitzgerald ist heute auf der anderen Seite der Seitenlinie. Er gibt weiter, was er selbst über Jahre gelernt hat: Football verlangt körperliche Härte, Disziplin und Durchhaltevermögen. Aber hinter jedem Spieler steht ein Mensch – mit seiner eigenen Geschichte, seinen Niederlagen, seinen Entscheidungen und seinen Hoffnungen.

Gerade darin liegt die eigentliche Geschichte von Patrick Fitzgerald.

FACTBOX

Name: Patrick Fitzgerald

Herkunft: North Carolina, USA

Alter im Interview: 38 Jahre

Familienstand: Verheiratet, Vater von zwei Töchtern

Sport: American Football

Football seit: Middle School

Positionen: Fullback und Tight End

High School: All-Conference-Spieler; Teilnahme am Shrine Bowl 2005

College: Western Carolina University, Mars Hill College und Long Island University

Studium: Bachelor in Criminal Justice, Abschluss 2013

College-Erfolge: Zweimal All-Conference Tight End; Co-Conference Champion

Deutschland: Tollense Sharks Neubrandenburg und Leipzig Lions

Spielerkarriere: 21 Jahre

US-Nationalmannschaft: Teilnahme an den World Games 2017 in Breslau

Trainerkarriere: Rund acht Jahre

Trainerstationen: Chemnitz, Dresden, Leipzig und Hohenems

Hohenems: Offensive Coach, Recruiting Coordinator und später Head Coach der Cineplexx Blue Devils

Familie: Entscheidung für Ehe und Familie nach einer schweren Verletzung 2017

Wohnort: Lustenau, Vorarlberg

Glaube: Der Glaube an Jesus und Fitzgeralds persönlicher Weg zu Jesus sind im Interview ausdrücklich als Thema vorgesehen; der entsprechende Abschnitt ist im vorliegenden Transkript jedoch nicht enthalten.

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