Trotz harter Konkurrenz durch die Fußball-Weltmeisterschaft versammelten sich am 22. Juni 2026 zahlreiche Interessierte im Bildungshaus Batschuns, um über ein zentrales Thema unserer Zeit zu diskutieren: „Gemeinsam stark – Warum Vertrauen und Kooperation unsere Zukunft entscheiden“.
Der Förderverein des Bildungshauses hatte zu einem spannenden Dialog zwischen dem Verhaltensökonomen Prof. Dr. Matthias Sutter und Diözesanbischof Dr. Benno Elbs geladen, moderiert von der Organisationsentwicklerin Dr. Annemarie Felder. Der Abend machte klar: Vertrauen, Kooperation und Zuversicht sind die Währungen, mit denen Vorarlberg seine Zukunft gestalten kann.
Der Handschlag zählt noch: Warum Vertrauen sich für alle auszahlt
Professor Matthias Sutter, Direktor am Max-Planck-Institut in Bonn und gebürtiger Harder, eröffnete den Abend mit einem eindrucksvollen Impulsvortrag. Er machte deutlich, dass Vertrauen weit mehr ist als ein Gefühl. Eine kleine Umfrage im Saal bestätigte den für Österreich erfreulich hohen Vertrauenswert von 8 auf einer Skala bis 10 – ein Wert, der laut Studien eng mit Wohlstand zusammenhängt. Mit einer Anekdote über seinen Dornbirner Onkel verdeutlichte Sutter die „Handschlagqualität“ als Basis für erfolgreiche Geschäfte. „Vertrauen spart Transaktionskosten“, erklärte er, da es Interaktionen einfacher und effizienter macht. Ein stabiles Rechtssystem im Hintergrund schafft die nötige Sicherheit. Sutter räumte auch mit dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ auf. Die Forschung zeige, dass ein „Vertrauensvorschuss“ – die Haltung „Wir vertrauen unseren Mitarbeitern, bis sie uns erfolgreich das Gegenteil bewiesen haben“ – eine motivierende Atmosphäre schaffe, da Menschen geschenktes Vertrauen zurückzahlen wollen. Permanentes Misstrauen sei hingegen einer der „demotivierendsten Führungsstile“.
Bischof Benno Elbs, seit 13 Jahren Bischof der Diözese Feldkirch und seit drei Jahren apostolischer Administrator des Erzbistums Vaduz, ergänzte, dass Vertrauen vor jeder Erfahrung beginne. Theologisch verortete er den Menschen in einem ursprünglichen „Raum der Geborgenheit“. Sterben sei ebenfalls ein Akt des Vertrauens ins „große Du“. Auch Kinder lernen Vertrauen früh, wie Sutter mit Experimenten zeigte: Kinder aus Elternhäusern mit höherer Bildung und kooperativerem Verhalten neigen eher dazu, anderen einen Vorteil zu verschaffen, was auf die erzieherische Vermittlung sozialer Normen hindeutet.
Gemeinsam sind wir stärker: Die Kraft der Kooperation
Entgegen der hartnäckigen Meinung, man mache nur mit ausgefahrenen Ellbogen Karriere, belegt die Verhaltensökonomie das Gegenteil. In unserer modernen Wissensgesellschaft sind Teamplayer im Vorteil, denn die Kunst bestehe darin, Teams zu koordinieren und Kompromisse zu finden. Eine hohe Hilfsbereitschaft in Unternehmen führt nachweislich zu höheren Profiten und mehr Innovationen. Anhand einer chinesischen Parabel wurde verdeutlicht: Wenn jeder nur an sich denkt, steht die Gemeinschaft am Ende mit leeren Händen da. Wie lässt sich Kooperation fördern? Das eigene Vorbild ist entscheidend. Der Gesamttrend bleibt: Kooperation zahlt sich aus, auch finanziell.
Dabei gibt es bei der Kooperationsbereitschaft laut einer groß angelegten Untersuchung mit Kindergartenkindern keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Erfolg in der Ausbildung hängt zudem nicht nur am IQ, sondern stark an Ausdauer und Geduld – dem sprichwörtlichen „Sitzfleisch“. Für den Alltag wurde empfohlen: Kooperation in der Familie vorleben, Wettbewerb in Schulen mit Augenmaß einsetzen und als Organisation eine gemeinsame Identität stiften, wie es Vorarlberg mit der Vision „chancenreichster Lebensraum für Kinder“ versucht.
Zuversicht als Superkraft und ein gemeinsames Zukunftsbild
Angesichts globaler Krisen wurde Zuversicht als zentrale Ressource identifiziert. Sie ist eine bewusste Entscheidung gegen die Angst, die als zerstörerische „Häresie“ beschrieben wurde. Bischof Benno Elbs brachte es auf den Punkt: Hoffnung ist unser Produkt. Statt zu resignieren, sei es sinnvoller, mit Tatendrang an die Arbeit zu gehen, wie es die Menschheitsgeschichte zeigt: Prognostizierte Krisen wurden stets durch menschliche Kreativität bewältigt. Die Bedeutung des Zuhörens wurde betont, inspiriert von Klosterregeln, bei wichtigen Entscheidungen die Jüngsten zu befragen.
Zum Abschluss wurde die Kirche als mögliche Brückenbauerin ins Spiel gebracht, die im Sinne der Synodalität das Gemeinsame moderiert. Der Abend, der mit Dank an den Förderverein und die Gäste endete, klang bei Gesprächen und Buchsignaturen aus. Eine Anekdote über das Team des Bildungshauses, das nach einem Wassereinbruch selbstständig und unkompliziert anpackte, zeigte, dass Kooperation hier gelebte Praxis ist. Der Förderverein kündigte für den Herbst eine Folgeveranstaltung zur Frage „Wohin wollen wir als Gesellschaft?“ an. Die Hoffnung, wie beim augenzwinkernd gewünschten 1:0 für Österreich, lebt – die Zuversicht auch.
