Vortrag in der Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs: Wie wir positive Emotionen fördern und das psychische Immunsystem stärken können.
„Wir können Kinder erziehen wollen, aber sie machen uns doch alles nach“, sagte Daniela Blickhan zum Auftakt der neuen Reihe „Wertvolle Kinder“ im Vorarlberger Kinderdorf Kronhalde in Bregenz. Deshalb geht es laut der Psychologin und Coachin zuerst einmal darum, uns um unser eigenes Wohlbefinden zu kümmern. „Wenn wir in stürmischen Zeiten Zuversicht und Leichtigkeit an unsere Kinder weitergeben wollen, müssen wir selbst stabil dastehen.“
Gegen den Tunnelblick
Erfüllt werden wir, so die Psychologin, von dem, was im Leben klappt und was uns gelingt. Eine simple Intervention sei deshalb, etwas zu teilen, was Freude macht. Positive Emotionen sollten möglichst oft und ritualisiert vergegenwärtigt werden, beispielsweise indem man sich vor dem Einschlafen drei Dinge ins Gedächtnis ruft, die heute schön waren. Denn der „Negativity Bias“ bewirkt, dass alles, was falsch und schwierig ist, sofort in den Vordergrund der Aufmerksamkeit rückt. „Unser Gehirn priorisiert negative Gefühle. Sie bleiben länger und sind schneller präsent“, so die Vorständin des Verbands für Positive Psychologie. „Die Werkeinstellung unseres Gehirns ist 50.000 Jahre alt. Damals half der Tunnelblick beim Überleben und vergrößerte die Chance, das Problem zu lösen.“
Seifenblasen-Momente
In einer Zeit, in der psychische Erkrankungen linear ansteigen und sich laut jüngsten Studien nur jeder Zweite unter 30-Jährige psychisch gesund fühlt, sollte den positiven Gefühlen Raum gegeben werden, fordert die Psychologin. „Es sind die Seifenblasen-Momente im Alltag, die uns helfen, schädliche Einflüsse abzuwehren. Diese positiven Gefühle sind sanft, langsam und auch fragil, aber in ihnen steckt eine große Kraft – für persönliches Wachstum und dafür, Belastungen und krankmachenden Dauerstress abzufedern.“ Blickhan betonte in ihrem Vortrag auch die wissenschaftliche Validität ihrer Thesen. „Positive Gefühle helfen uns dabei, dass der Stress uns nicht so nah geht und keine Schäden anrichten kann.“

Foto: Vorarlberger Kinderdorf
Positive Emotionen fördern
Wie können wir nun positive Emotionen bei uns selbst und unseren Kindern fördern? Durch die Verstärkung positiver Gefühle kann das Wohlbefinden laut Blickhan „auf ein anderes Level“ gehoben werden, zum Beispiel durch einfache täglich wiederholte Fragen: Was war heute schön? Wie hast du das gespürt? Worauf freust du dich? Was kannst du dafür tun, dass das passiert? Binnen kürzester Zeit würden im neuroplastischen Gehirn neue Bahnen gelegt und die Aufmerksamkeit für das, was schön ist, geweckt. Das psychische Immunsystem und die Resilienz werden laut Blickhan gestärkt.
Psychisches Immunsystem stärken
„Kleine positive Momente im Alltag wirken wie Orangensaft fürs körperliche Immunsystem und sind die beste Depressionsprävention“, sagt die Expertin. Ihre Empfehlung: „Kümmere dich darum, dass die positiven Momente in den Alltag reinkommen. Täglich kleine Mini-Seifenblasen erzeugen – das kann man üben und lernen.“











